Die Definitionen von Einsamkeit sind vielfältig

Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Definitionen von Einsamkeit, die jedoch durchgängig einige Gemeinsamkeiten aufweisen. Lars Svendsen kennt sie: „Ein Gefühl von Schmerz oder Traurigkeit, eine Selbstauffassung als isoliert oder allein sowie einen gefühlten Mangel an Nähe zu anderen.“ Die meisten Definitionen sind Variationen dieser grundlegenden Züge. Eine solche Definition von Einsamkeit lässt offen, ob sie innere oder äußere Ursachen hat, ob sie Ergebnis der eigenen Konstitution des Individuums oder Resultat der äußeren Bedingungen ist, unter denen das Individuum lebt. Jedoch funktioniert es schwerlich, Einsamkeit aus dem Versagen sozialer Stütze oder Ähnlichem heraus zu definieren, wie es das norwegische Gesundheitsamt tut, da es Menschen gibt, die nach dem normalen Verständnis sozial gut gestützt werden, sich aber dennoch chronisch einsam fühlen. Lars Frederik Händler Svendsen ist Philosoph und Professor für Philosophie an der Universität Bergen. Seine Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet.

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Eine Sucht hat viele Ursachen

Reinhard Haller weiß: „Sucht hat viele Ursachen. Missbrauch und Abhängigkeit sind immer komplexe Störungsbilder, jede eindimensionale Erklärung ist tatsächlich einfältig. Genetisch bedingte Veranlagung, Umwelteinflüsse, Milieuumstände, Erziehung, Entwicklungsfaktoren sowie lebensgeschichtliche Belastungen sind ebenso bedeutsam wie politisch-religiöse Verhältnisse, Modeströmungen, gesetzliche Regulationen und globale Entwicklungen.“ Mit dieser Aufzählung, die sich erheblicher Unvollständigkeit erfreut, sind nur einige allgemeingültige Ursachenkategorien genannt. Auf diesen aufbauend entsteht das individuelle Gefüge von Missbrauch und Abhängigkeit. Süchtigkeit bezieht sich ausdrücklich nicht nur auf psychotrope Substanzen, also auf Alkohol, Drogen und Beruhigungsmittel, sondern auch auf viele Formen menschlichen Verhaltens – auf Spielen und Kaufen, auf Arbeit und Sex, auf Streiten und Essen und auf vieles andere mehr. Prof. Dr. med. Reinhard Haller war als Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe über viele Jahre Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik. Heute führt er eine fachärztliche Praxis in Feldkirch (Österreich).

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Kinder brauchen liebevolle Resonanz

Joachim Bauer betont: „Liebevolle Spiegelung und Resonanz in den ersten Lebensmonaten. Inspirierende Angebote und Vorbilder in den Kinderjahren. Schließlich die in den Jahren der Adoleszenz an Heranwachsende adressierte Ermutigung, sich etwas abzufordern und sich anzustrengen, sind das Gelée royale für den sich entwickelnden jungen Menschen.“ Die elterliche Fürsorge kümmert sich nicht um die Entstehung eines kindliches Selbst per se. Eltern und andere Bezugspersonen geben diesem Selbst über den Weg des vertikalen Selbst-Transfers auch einen Inhalt. Sie adressieren das Kind mit unzähligen Signalen, insbesondere solchen des Willkommenseins, der Distanz oder der Ablehnung. Diese Signale sagen dem Kind, wer es ist. Darüber hinaus geben Bezugspersonen ihre impliziten Grund- und Wertehaltungen an das Kind weiter. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

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Kinder brauchen Zuwendung und Lenkung

In der Pädagogik benennt man zwei Dimensionen, die das elterliche Erziehungsverhalten kennzeichnen: Die Zuwendung und die Strukturierung oder Lenkung. Rüdiger Maas erläutert: „Zuwendung beschreibt die Bereitschaft und die Fähigkeit der Eltern, auf die Signale und Bedürfnisse des Kindes einzugehen. Lenkung oder Strukturierung meint das Maß, in welchem Eltern klare Anforderungen und Erwartungen an das Kind stellen. Die Art und Weise, wie Eltern Zuwendung und Lenkung kombinieren, bildet deren Erziehungsstil.“ Die amerikanische Psychologin Eleanor Maccoby und der Psychologe Martin haben bereits im Jahr 1993 herausgefunden, dass ein hohes Maß an Zuwendung, kombiniert mit einem hohen Maß an Lenkung am günstigsten für die kindliche Entwicklung ist. Diesen Erziehungsstil nennt man auch autoritativ. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.

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Es gibt keine Ausrottung des Bösen

Sigmund Freud vertritt die These, dass es schlicht nicht stimmt, dass der Mensch eine höhere Stufe der Sittlichkeit erklommen hat. In Wahrheit handelt es sich um eine folgenschwere „Illusion“. Deren Nachwehen mögen auch in der Gegenwart zum Beispiel in der Kritik am sogenannten „Gutmenschen“ noch präsent sein. „In Wirklichkeit“, so Sigmund Freud unmissverständlich, „gibt es keine Ausrottung des Bösen“. Svenja Flaßpöhler ergänzt: „Die psychologische – im strengen Sinne psychoanalytische – Untersuchung zeigt vielmehr, dass das tiefste Wesen des Menschen in Triebregungen besteht.“ Diese sind elementarer Natur und bei allen Menschen gleichartig. Sie zielen auf die Befriedigung gewisser ursprünglicher Bedürfnisse. Diese egoistischen und grausamen Triebregungen sind an sich weder gut noch böse, sondern werden von der Gesellschaft als böse verpönt. Svenja Flaßpöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazins“.

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In jedem Alter kann man Neues lernen

Die Weichenstellungen für die drei Themen Lernen, körperliche Gesundheit und seelische Zufriedenheit werden früh gestellt und beeinflussen das ganze Leben eines Menschen. Es gibt die faszinierenden Möglichkeiten, in jedem Alter zum lernenden Menschen zu werden. Vom Geografieunterricht sind Andreas Salcher nur zwei interessante Dinge in Erinnerung geblieben: „Dass in Boston die berühmteste Universität der Welt steht. Und dass durch Südamerika der längste Fluss der Welt fließt, der Amazonas.“ Harvard und der Amazonas lösten in seiner Fantasie jedenfalls großartige Bilder aus, und er beschloss schon auf der Schulbank, beide einmal Wirklichkeit werden zu lassen. Lernen von den Besten und Reisen in ferne Länder, zwei seiner großen Leidenschaften, wurde früh geweckt. Dr. Andreas Salcher ist Mitgebegründer der „Sir Karl-Popper-Schule“ für besonders begabte Kinder. Mit mehr als 250.000 verkauften Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.

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Selbstbeherrschung dämpft die Destruktion

Die Aufgabe, die sich Sigmund Freud in seinen Arbeiten zur Gruppenpsychologie stellt, liegt darin, die Widerstandskraft des kritischen Vermögens zu stärken. Judith Butler stellt fest: „Liebe wird gelegentlich als Gegenkraft zur Destruktion betrachtet, an anderen Stellen scheint es dieses so wichtige „kritische Vermögen“ zu sein.“ In seiner Abhandlung „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ von 1921 beschreibt das „kritische Vermögen“ Überlegung und Reflexion in unterschiedlichen Formen, während es in „Das Ich und das Es“ aus dem Folgejahr mit dem Über-Ich als grausamer Instanz gegenüber dem Ich in Verbindung gebracht wird. Schließlich wird das Über-Ich als „Reinkultur des Todestriebes“ identifiziert, und nun ist das Gegengewicht gegen die Destruktion eine wohlerwogene Form der Selbstbeherrschung. Das heißt, die Wendung der Destruktivität gegen die eigenen destruktiven Impulse. Judith Butler ist Maxine Elliot Professor für Komparatistik und kritische Theorie an der University of California, Berkeley.

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Die völlige Fremdbestimmung führt zu Apathie

Die Erkenntnis, dass Fremdbestimmung in der Arbeit Menschen stressen und letztlich erschöpfen kann, ist schon lange bekannt. Andreas Salcher nennt ein Beispiel: „Im Fall der Fließbandarbeit sind die Mitarbeiter in fast allen Dimensionen der Arbeit fremdbestimmt. Der Arbeitsbeginn, die Pausen und das Ende werden exakt durch die Zeiterfassungssysteme vorgegeben, der Arbeitsrhythmus ist machinengesteuert. Diese völlig Fremdbestimmung führt durch den Gewöhnungseffekt jedoch meist eher zur Apathie als zur Erschöpfung. In der griechischen Mythologie ist unnütze Arbeit ohne Sinn eine der grausamsten Strafen. In seinem Buch „Der Mythos des Sisyphos“ schreibt Albert Camus: „In Sisyphos, der die Sinnlosigkeit der Wiederholung zu ignorieren scheint und unbeirrt seinen Stein nach oben rollt, erkennen wir uns als Menschen wieder.“ Dr. Andreas Salcher ist Mitgebegründer der „Sir Karl-Popper-Schule“ für besonders begabte Kinder. Mit mehr als 250.000 verkauften Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.

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Menschen stecken voller Widersprüche

Rebekka Reinhard weiß: „Menschen sind nicht von Umwelt und Genetik allein bestimmt, und sie sind auch keine Algorithmen. Sie agieren nicht vorhersagbar wie eine Turing-Maschine. Menschen treffen eigene Entscheidungen.“ Sie können tun – und „nicht tun“. Sie verspüren Angst und Lust – und Angstlust. Sie haben mehr oder weniger vernünftige Gründe für ihre Lebensentscheidungen – oder sie entscheiden mit dem Herzen. Und sie besitzen ein moralisches Empfinden, das ihnen den Unterschied zwischen Würde und Würdelosigkeit vermittelt. Das singulär-plurale Lebewesen namens Mensch ist ein ewiges „work in progress“, nie auf ein Fertigwerden angelegt. Es ist eine Wundertüte aus Stärke und Verletzlichkeit, es steckt voller Widersprüche. Rebekka Reinhard ist Chefredakteurin des Magazins „human“ über Mensch und KI. Unter anderem ist sie bekannt durch den Podcast „Was sagen Sie dazu?“ der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft wbg.

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Jeder sollte die eigenen Fähigkeiten kennen

Welche Assoziationen verbinden die meisten Menschen mit dem Wort „Begrenzung“? Höchstwahrscheinlich sind es negative Begriffe. Shunmyo Masuno versucht jedoch, das Wort positiv zu betrachten: „Es ist zum Beispiel wichtig, die eigenen Fähigkeiten zu kennen, wenn es darum geht, Arbeit zu verrichten.“ Doch erstaunlich viele Menschen sind sich dessen nicht bewusst. Wenn sie ein Jobangebot erhalten, sind sie bereit, es anzunehmen, unabhängig davon, wie gut sie für die jeweilige Stelle geeignet sind. Ein Mensch kann allerdings nur im Rahmen seiner Fähigkeiten arbeiten. Wenn die Anforderungen der Stelle darüber hinausgehen, wird man nicht in der Lage sein, das zu tun, was von einem verlangt wird. Und man kann keine Ergebnisse liefern, was beides für andere ein großes Ärgernis ist. Shunmyo Masuno ist ein japanischer Zen-Mönch, preisgekrönter Zen-Garten-Designer sowie Professor für Umweltdesign an der Tama Art University in Tokyo.

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