In vielen zerrütteten Ehen wird lieber nach außen die „heile Welt“ suggeriert, obwohl das Paar nicht mehr glücklich miteinander ist. Andere Menschen leiden im Stillen, weil sie Angst haben, den Partner zu verlassen. Die Psychotherapeutin Franca Cerutti weiß, wie ein Paar sich respektvoll trennt – und ohne Rache verbunden bleiben kann. Die 46-jährige ist zudem selbst zum dritten Mal verheiratet. Der Gedanke an das „Ich will mich scheiden lassen-Gespräch“ sorgt bei vielen Menschen für schlaflose Nächte oder sogar lähmende Angst. Franca Cerutti erklärt: „Im Gegensatz zu kurzfristigen Partnerschaften ist es in einer Ehe mit einem einzigen Gespräch nicht getan.“ Franca Cerutti arbeitet in eigener Praxis am Niederrhein als Psychotherapeutin mit den Schwerpunkten Verhaltenstherapie und Coaching. Sie moderiert zwei Podcasts: „Split – Happens – Der Scheidungs-Guide“ und „Psychologie to go!“
Ehe
In der Ehe will die Liebe Ewigkeit
Das deutsche Wort Ehe hat eine schöne Herkunft. Es stammt vom althochdeutschen êwa ab, das Ewigkeit, aber in dieser Ewigkeit auch Recht und Gesetz bedeutet. Peter Trawny erläutert: „Wer sich zur Ehe zusammenfindet, will demnach seine Liebe verewigen, das heißt ihre Endlichkeit vernichten.“ Doch das ist nur das Wort: In allen Gesellschaften und Kulturen bildet die Ehe eine Institution, die der Gründung der Familie – der geregelten Fortpflanzung – dient. So weiß man, wer wo in der Blutlinie steht, wer welche Anrechte auf welche Erbschaft hat. Dass die Ehe heute in den Gesellschaften, in denen die Religion eine geringere Rolle spielt, vor allem diese pragmatische Bedeutung hat, ist offenbar. Peter Trawny gründete 2012 das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, das er seitdem leitet.
Junge Erwachsene haben viel zu tun
Das frühe Erwachsenenalter erstreckt sich vom 19. bis zum 40. Lebensjahr. Andreas Salcher erklärt: „In dieser Phase versuchen die meisten von uns, den richtigen Liebespartner zu finden und zu beruflichem Erfolg zu gelangen.“ Irgendwann trifft man dann die Entscheidung sich fix zu binden, weil man davon überzeugt ist oder zumindest hofft, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Es folgen das Zusammenziehen in eine gemeinsame Wohnung oder der Bau eines Hauses, oft die Hochzeit und die Geburt des ersten Kindes. Vielleicht gibt es kurz vor dem Traualtar noch eine Mentalreservation, ob man sich jetzt wirklich für diesen einen Menschen entscheiden soll. Die Bedenken werden aber meist weggedrückt. Von Frauen wird erwartet, dass es der schönste Tag ihres Lebens ist. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
In jeder Ehe gibt es Beziehungstänze
Jedes Paar entwickelt Beziehungstänze. Im Laufe der Jahre können sich Interaktionen, die einst frisch und sogar überraschend waren, durch Wiederholung abnutzen. Shirley P. Glass stellt fest: „Sogar die Kinder können mit einiger Genauigkeit voraussagen, was Mama und Papa sagen und tun werden.“ Der Vorteil feststehender Handlungsschema liegt in ihrer Vertrautheit. Der Nachteil ist, dass die Abläufe unflexibel und unnachgiebig werden können. In einer bereichernden Beziehung nehmen gegensätzlich Eigenschaften, die vielleicht Teil der anfänglichen Anziehung waren, in dem Maß ab, in dem die Partner sich ähnlicher werden. In einer sich verschlechternden Beziehung werden die Unterschiede zwischen den Partnern extremer. Zudem beschleunigen sich negative Kreisläufe. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.
Eine Heirat ist die größte Lebensentscheidung
Heutzutage heiraten viele Menschen viel später als früher. Dabei blenden sie oft alle Bedenken aus, ob sie wirklich bis an ihr Lebensende treu sein und sich nie von diesem Partner trennen werden. Dabei unterschätzen die meisten völlig, wie sich ein Mensch zwischen 30 und 40 Jahren nochmals grundlegend in seiner Persönlichkeit verändert. Andreas Salcher weiß: „Da bauen sich dann viele, manchmal auch unüberwindbare Probleme auf.“ Es beginnt ein ständiges Ringen, in welchem Ausmaß man bereit ist, seine eigenen Lebensträume zurückzustellen. Will man dem Partner entgegenkommen und das Wohl der Kinder nicht gefährden? Zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen ist wahrscheinlich die größte Lebensentscheidung. Diese sollte man jedoch nur mit der nötigen Lebensreife treffen. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
In jeder Ehe gibt es Gipfel und Täler
In jeder Ehe gibt es Höhen und Tiefen. Auf dem Weg von den Flitterwochen über die anstrengenden Jahre der Erziehung der Kinder bis zum leeren Nest gibt es Gipfel und Täler. Die besonderen Stressfaktoren und Freuden, die jede Phase des Familienzyklus begleiten, verursachen Schwankungen in der ehelichen Zufriedenheit. Es macht Shirley P. Glass Mut zu hören, dass die Mehrheit der unglücklichen Paare, die die ehelichen Stürme überstehen, letztendlich im sicheren Hafen ankommen. Es ist ihrer Meinung nach wichtig, besonderes Augenmerk auf neue Stressfaktoren oder wesentliche Veränderungen der familiären Umgebung während der zwei Jahre vor Beginn einer Affäre zu richten. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.
Selbst eine gute Ehe ist vor Untreue nicht sicher
Der Satz „Eine glückliche Ehe ist die beste Absicherung gegen Untreue“ ist für Shirley P. Glass ein Präventions-Mythos. Trotz gegenteiliger Forschungsergebnisse halten auch viele Therapeuten Affären für ein unmissverständliches Zeichen dafür, dass eine Ehe gestört ist. Eignen Studien zufolge sagten fast die Hälfte der Befragten: „Außereheliche Aktivitäten treten in glücklichen Ehen auf und sind nicht notwendigerweise ein Symptom unglücklicher Ehen.“ Wenn Menschen heiraten, bringen sie laut Shirley P. Glass beinahe mythische Annahmen mit in die Verbindung, einschließlich dieser: „ Wenn wir uns lieben, wirst du mich nicht betrügen; wenn wir eine gute Ehe führen, werden wir vor Untreue sicher sein.“ Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.
Eine Affäre ist der Beweis für eine kaputte Ehe
In manchen Fällen kann die Offenlegung einer Affäre für einen Moment absoluter Klarheit sorgen. Sobald er oder sie kurz davor steht, seine Ehe zu verlieren, wird es manchen untreuen Partner plötzlich bewusst, dass sie ihre Ehe auf jeden Fall aufrechterhalten wollen. Shirley P. Glass erklärt: „Es ist ihnen vielleicht während ihres Doppellebens leicht gefallen, vom Ehepartner zum Liebhaber zu wechseln. Aber wenn sie vor der endgültigen Entscheidung stehen, besteht für sie keinerlei Zweifel daran, dass sie ihre Ehe bewahren wollen.“ Es ist, als hätten sie in einer Art Trance gelebt. Der Schock der Enthüllung bringt sie schlagartig zurück in die Wirklichkeit. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.
Eine Affäre bedeutet sowohl Agonie als auch Exstase
Die unmittelbaren Reaktionen untreuer Partner in den ersten Stunden nach der Enthüllung können sich im Laufe der ersten Wochen und Monate entweder wandeln oder verhärten. Eine Haltung der Verteidigung kann sich zu Offenheit wandeln und bestehen bleiben und sich zur Aggression entwickeln. Aus Zwiespältigkeit kann Klarheit entstehen oder aber chronische Verwirrung. Shirley P. Glass erklärt: „Wenn untreuen Partnern die Folgen der Situation in vollem Umfang bewusst werden, werden selbst diejenigen, die vorher geglaubt hatten, ihren wahren Seelengefährten gefunden zu haben, auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt.“ Das ist in etwas so, als würde ein Schalter umgelegt, der alle Aufmerksamkeit und Energie wieder auf die Ehe zurückleitet. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.
Matthias Horx stellt das Love Lab vor
Das produktivste Liebeslabor ist nur ein karger Raum in einem Büroblock in Seattle, Nordamerika. Es handelt sich dabei um das „Love Lab“ des Relationship Research Institute, in dem John Gottman und seine Frau Julie Schwartz-Gottman, die berühmtesten Paartherapeuten Amerikas, viele Jahre die psychologischen Gesetze von Liebe und Ehe studiert haben. Was wäre, wenn man eine verlässliche Voraussage über die Zukunft seiner Beziehung oder Ehe bekommen könnte? Alles, was dazu nötig ist, ist ein 15-münigiges Gespräch zwischen Mann und Frau im Love Lab. Die Themenauswahl soll sich entlang von Problem- oder Wunschbereichen des Paares bewegen. Matthias Horx erläutert: „Danach sich das Gottman-Team die Video- und Tonaufzeichnungen des Gesprächs auf einer Monitorwand an. Und analysiert Sekunde für Sekunde die emotionalen Übertragungsmuster.“ Matthias Horx ist der profilierteste Zukunftsdenker im deutschsprachigen Raum.