Die Kleinfamilie hat fast nie funktioniert

Jeder Anthropologe würde auf Nachfrage ausführen, dass unter dem Begriff „Familie“ erst neuerdings und nur in einem Teil der Welt ein bestimmtes Gebilde verstanden wird. Anne Waak erklärt: „Es basiert auf einer flüchtigen Emotion namens romantische Liebe, bedarf der Eheringe sowie der eigenen Kinder, und zieht sich in die eigenen vier Wände zurück. Dort garantieren seine Mitglieder dann wechselseitig für ihr gesamtes und ewig währendes Lebensglück.“ Entgegen allen anderslautenden Hinweisen sorgen die Arbeitswelt, die Kultur, die Werbung, die Architektur, das Steuer- und das Erbrecht mit vereinten Kräften dafür, dass das Familienbild mitteleuropäischer Prägung so bleibt, wie es erst im Zuge der Industrialisierung erfunden wurde. Dabei hat die gegengeschlechtliche Kleinfamilie, wenn man ehrlich ist, kaum jemals in ihrer 200-jährigen Geschichte funktioniert. Also allen Mitgliedern dauerhaft zu Zufriedenheit verholfen, weil sie es gar nicht kann.

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Junge Erwachsene haben viel zu tun

Das frühe Erwachsenenalter erstreckt sich vom 19. bis zum 40. Lebensjahr. Andreas Salcher erklärt: „In dieser Phase versuchen die meisten von uns, den richtigen Liebespartner zu finden und zu beruflichem Erfolg zu gelangen.“ Irgendwann trifft man dann die Entscheidung sich fix zu binden, weil man davon überzeugt ist oder zumindest hofft, die Liebe seines Lebens gefunden zu haben. Es folgen das Zusammenziehen in eine gemeinsame Wohnung oder der Bau eines Hauses, oft die Hochzeit und die Geburt des ersten Kindes. Vielleicht gibt es kurz vor dem Traualtar noch eine Mentalreservation, ob man sich jetzt wirklich für diesen einen Menschen entscheiden soll. Die Bedenken werden aber meist weggedrückt. Von Frauen wird erwartet, dass es der schönste Tag ihres Lebens ist. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Der Begriff „Familie“ ist out

Paul Verhaeghe setzt den Begriff „Familie“ in Anführungszeichen, um damit zu zeigen, dass dieses Wort kaum noch seine traditionelle Bedeutung besitzt. In der Vergangenheit offenbarte der Blick auf die Familie häufig einen leicht gelangweilten Vater, eine stolze Mutter und einige Kinder. Heute ist die traditionelle Familie im Aussterben begriffen. Patchwork-Familien aller Art und Alleinerziehende dominieren das Geschehen. Außerdem ist die Scheidungsrate extrem hoch und man schließt immer weniger Ehen. Das hat verschiedene Gründe, die zu einem großen Teil mit dem Schwinden des Patriarchats und der dazugehörigen verpflichtenden Erwartungen zu tun haben. Früher war man schon fast zur Heirat verpflichtet. Kinderlos zu bleiben war eine Katastrophe oder galt als höchst verdächtig. Paul Verhaeghe lehrt als klinischer Psychologe und Psychoanalytiker an der Universität Gent.

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