Ein guter Charakter sollte ein Liebensziel sein

Adam Grant stellt fest: „Wenn uns unsere kognitiven Fähigkeiten sind, die uns von Tieren unterscheiden, dann sind es unsere Charaktereigenschaften, die uns Maschinen stellen.“ Computer und Roboter können heute Autos bauen, Flugzeuge lenken, Kriege führen, Geld verwalten, Mandanten vor Gericht vertreten, Krebs diagnostizieren, und sie führen auch Herzoperationen durch. Mehr und mehr kognitive Fähigkeiten werden automatisiert, wir befinden uns mitten in einer Charakterrevolution. Der technologische Fortschritt stellt Interaktion und Beziehungen in den Vordergrund, denn diese Fähigkeiten sind es, die uns menschlich machen und die daher beherrscht werden müssen. Wenn die meisten Menschen Erfolg und Glück als ihre wichtigsten Lebensziele angehen, fragt sich Adam Grant, warum der Charakter nicht ganz oben auf der Liste steht. Adam Grant ist Professor für Organisationspsychologie an der renommierten Wharton Business School. Seine Forschungsbeiträge im Bereich Motivation und Produktivität wurden vielfach ausgezeichnet.

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Der Charakter bleibt auch im Alter formbar

Ende des 19. Jahrhunderts stellte William James, der Gründervater der Psychologie in den USA, eine kühne Behauptung auf: „Im Alter von dreißig Jahren erstarrt der Charakter wie Gips und wird nie wieder weich.“ Kinder können demnach ihren Charakter noch entwickeln, Erwachsene haben Pech gehabt. Vor Kurzem hat ein Team von Sozialwissenschaftlern ein Experiment gestartet, um diese Hypothese zu überprüfen. Adam Grant erklärt: „Die Gruppe, bei der es um die Förderung des Charakters ging, nahm an einem von Psychologen konzipieren Kurs teil, der zum Ziel hatte, die Eigeninitiative zu steigern.“ Die Probanden beschäftigten sich mit den Themen Proaktivität, Disziplin und Entschlossenheit und übten, diese Eigenschaften in die Tat umzusetzen. Adam Grant ist Professor für Organisationspsychologie an der renommierten Wharton Business School. Seine Forschungsbeiträge im Bereich Motivation und Produktivität wurden vielfach ausgezeichnet.

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Die Persönlichkeit kann sich verändern

Lange Jahre wurde in der psychologischen Forschung angenommen, dass Menschen eine stabile Persönlichkeit haben, die nahezu unverändert ist. Michaela Brohm-Badry betont: „Heute wissen wir aus zahlreichen Forschungsbefunden, dass das so nicht stimmt.“ Beispielsweise fand ein Forscherteam der Universität Michigan State in einer aktuellen Studie heraus, dass Kinder sich gegenseitig in ihren Persönlichkeitseigenschaften anstecken, wenn sie im frühen Alter viel Zeit miteinander verbringen. Sie entwickeln und übernehmen dabei Charaktereigenschaften des anderen Kindes. So zeigen auch Forschungen an Ehepaaren, dass sich Charaktereigenschaften und auch die Intelligenz im Laufe der Jahre angleichen. Ein Beleg mehr, dass das Ich auch durch die Umgebung geprägt wird und nicht nur genetisch festgelegt ist. Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry ist Professorin für Lernforschung. Sie war langjährige Dekanin des Fachbereichs Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Philosophie und Psychologie an der Universität Trier.

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Der Charakter besteht aus Fähigkeiten

Eigenschaften wie diszipliniert oder prosozial zu sein nannte Aristoteles Tugenden. Adam Grant fügt hinzu: „Den Charakter beschrieb er als aus einer Reihe von Grundsätzen bestehend, die sich die Menschen aneignen und durch bloße Willenskraft umsetzen.“ Früher war das auch Adam Grants Auffassung von Charakter. Er dachte, es ginge darum, sich einem klaren Moralkodex zu verpflichten. Aber es ist sein Job, die Ideen, über die sich Philosophen so gerne die Köpfe zerbrechen, zu prüfen und weiterzuentwickeln. Und in den letzten zwei Jahrzehnten haben die Informationen, die er gesammelt hat, ihn dazu veranlasst, diese Ansicht zu überdenken. Adam Grant sieht Charakter jetzt weniger als eine Frage des Willens, sondern vielmehr als eine Reihe von Fähigkeiten. Adam Grant ist Professor für Organisationspsychologie an der renommierten Wharton Business School. Seine Forschungsbeiträge im Bereich Motivation und Produktivität wurden vielfach ausgezeichnet.

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Der Charakter bestimmt die Handlungen

Ethos sind Eigenschaften wie Integrität, Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit. Wirklich überzeugende Menschen erzählen anderen nicht, was sie tun sollen, sondern sie leben es ihnen vor. Thorsten Havener weiß: „Das ist einer der wesentlichen Unterschiede zwischen einem Manipulator und einem überzeugenden Menschen. Dieser überzeugt weniger durch seine Worte, sondern vielmehr durch seine Handlungen. Die Resultate dieser Handlungen sind der Beweis für die Richtigkeit seiner Aussagen.“ Das ist echte Überzeugungskraft fern jeder dunklen Manipulation. Es gibt keine verborgenen Tricks. Handlungen und Worte passen zusammen. Ein starker Charakter ist laut Thorsten Havener auch einer der Faktoren, der Manipulation verhindert. Durch Charakterbildung können Menschen unterscheiden zwischen dem, was sie wirklich wollen, und dem, was andere ihnen einflüstern, um ihnen zu suggerieren, was sie wollen. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist.

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Emotionen besitzen starke Kräfte

Vorbilder nutzen die Kraft der positiven Emotionen, um Einfluss geltend zu machen und zu bestärken. Demagogen und Diktatoren nutzen die Macht von negativen Emotionen, um Menschen zu unterjochen und einzusperren. Nach Aristoteles nutzen sie alle die Kraft des Pathos. Thorsten Havener weiß: „Wenn Sie positive Emotionen aussenden und säen, dann werden sie im Gegenzug positive Emotionen empfangen und ernten. Wenn Sie jedoch eine Stimmung der Angst und Unberechenbarkeit verbreiten, schaffen Sie eine Umgebung von Angst und Unberechenbarkeit.“ Jeder Mensch entscheidet persönlich, welche Umgebung er kultiviert, indem er sie selbst schafft. Wie kann man die Kraft der Emotionen nutzen, um andere zu beeinflussen? Der erste Schritt besteht ganz einfach darin, die richtigen Emotionen zu zeigen. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist.

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Viele Menschen flüchten vor der Freiheit

Erich Fromm bezieht sich in seinem 1942 erschienenen Werk „Die Furcht vor der Freiheit“ zwar explizit auf totalitäre Gesellschaften und auf die Art und Weise, wie diese sich einer tief verwurzelten menschlichen Sehnsucht danach bedienen, der Freiheit der modernen Welt zu entfliehen und in den Mutterschoß zurückzukehren. Doch Erich Fromm erkennt durchaus an, dass kapitalistische Demokratien ebenfalls eine, wenn auch andere Form der Flucht vor der Freiheit bieten. Stuart Jeffries fügt hinzu: „In seinem 1955 veröffentlichten Buch „Wege aus einer kranken Gesellschaft“ führt er aus, dass der Frühkapitalismus eine hortende Orientierung aufgewiesen habe, wobei sowohl Besitztümer als auch Gefühle gehrtet worden seien.“ Im Nachkriegskapitalismus hingegen sei ein neuer Typus aufgetreten: der „Marketing-Charakter“. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“.

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Der Charakter macht den Menschen aus

In der Philosophie behandelt man die Frage „Welche Eigenschaft darf ich nicht verlieren, um weiterhin als Person zu existieren?“ unter dem Thema „personale Identität. Dabei geht es nicht um die Gruppenzugehörigkeit wie bei der Identitätspolitik. Sondern es geht darum, was einen Menschen über einen längeren Zeitraum zu derselben Person macht. Wenn sein moralischer Charakter einen Menschen als Person ausmacht, dürfte er ihn nicht verlieren, denn das käme dem Sterben gleich. Selbst wenn der Körper beispielsweise im Koma weiterexistierte. Philipp Hübl ergänzt: „Meine Arme und Beine hingegen könnte ich verlieren und wäre immer noch dieselbe Person. Nur eben mit einem veränderten Körper.“ Was also macht die Identität eines Menschen aus? Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012).

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Theodor W. Adorno erforscht den autoritären Charakter

Während seines Exils in Kalifornien betrieb Theodor W. Adorno 1943 empirische Studien zum autoritären Charakter. Philipp Hübl weiß: „Dabei hatte er den typischen deutschen Nationalsozialisten genau vor Augen. Da Faschisten ihre Gesinnung normalerweise ihrer Umgebung verhehlen, fragte Adorno sich, ob man sie auch über indirekte Hinweise verlässlich erkennen kann.“ Inspiriert war er durch die Vorarbeiten von Erich Fromm und durch Sigmund Freuds Studien zum „Analcharakter“. Sigmund Freud beschrieb damit einen Typen, der durch strenge Erziehung „ordentlich, sparsam und eigensinnig“ ist und zur Pedanterie und übermäßiger Reinlichkeit neigt. Diese Merkmalliste hat Theodor W. Adorno erweitert. Der autoritäre Charakter denkt seiner Meinung nach konventionell und ordnet sich den Autoritäten in der Gruppe unter. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012).

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Charakter und Moral prägen die Identität

Die meisten Menschen denken beim Begriff „Gedächtnis“ in der Regel an autobiographische Erinnerungen, an Erlebnisse und Episoden aus der Vergangenheit. Seit John Locke haben auch viele Philosophen diese Form des Gedächtnisses als das entscheidende Merkmal der personalen Identität angesehen. Philipp Hübl ergänzt: „Doch auch andere Fähigkeiten und Eigenschaften müssen im Gedächtnis gespeichert sein: das sprachlich verfasste Faktenwissen wie „Sizilien liegt am Mittelmeer“.“ Dazu zählt auch die Sprachfähigkeit, die die mentale Grammatik und das mentale Lexikon umfasst. Zum Beispiel nichtsprachliches Hintergrundwissen über die Beschaffenheit von Schnee, praktisches Können wie Klavier spielen oder Auto fahren, Wünsche oder Vorlieben, beispielsweise ob man lieber Arzt oder Architekt werden will, saure Gurken mag oder sich für den Expressionismus begeistert. Philipp Hübl ist Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart.

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