Die Liebe verführt Menschen zu einer kritiklosen Hingabe, in der sie sich selbst übersehen. Michael Lehofer erklärt: „Das Problem ist die Überanpassung: Wenn der eine Partner – häufiger ist es die Partnerin – sich selbst in der Hingabe verliert und auf diese Weise dem anderen die Notwendigkeit der Hingabe erspart. Beziehung heißt: geben und nehmen.“ Michael Lehofer verwendet zuweilen die Metapher des Brückenbauens für Beziehungen. Manche bauen eine Brücke vom eigenen Ufer bis zum Ufer des anderen. Sie erwarten nicht, dass der andere seine Brücke baut, denn es gibt ja die eigene Brücke. Manche jedoch bauen eine Brücke bis zur Mitte des Flusses und erwarten halbe-halbe. Univ.-Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Lehofer ist ärztlicher Direktor und Leiter der einer Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Landeskrankenhaus Graz II.
Partner
Routinen sind Gift für die Liebe
Wenn sich ein verliebter Partner mit einem Gegenüber abmüht, das sich nicht entflammen lässt, endet die Liebe im Burn-out. Psyche und Gehirn des Menschen raffen sich nur dann zu besonderen Leistungen auf, wenn sich neue, unbekannte Aufgaben stellen und es dabei etwas Besonderes zu gewinnen gibt. Joachim Bauer weiß: „In der Frühphase einer Bekanntschaft schnellt man hoch und eilt zur Tür, wenn der Partner von der Arbeit kommt. Der oder die nach Hause Gekommene wird gebeten, vom Tag zu erzählen, um ihm oder ihr dazu möglichst viel zurückzuspiegeln.“ Betritt einer der Partner einige Monate später die Wohnung, erfolgt der Gruß oft nur noch von der Couch, schließlich laufen im Fernsehen gerade die Nachrichten. Joachim Bauer ist Arzt, Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Bestsellerautor von Sachbüchern.
Gelegenheitssex kommt ohne Namen aus
In zahllosen Schilderungen von Gelegenheitssex wird die Tatsache betont, dass Menschen Geschlechtsverkehr haben, ohne den Namen ihres Partners zu kennen. Männer signalisieren zum Beispiel ihre sexuellen Absichten auf Partys dadurch, dass sie Frauen von hinten mit ihren Genitalien streifen. Als soziale Form zeichnet sich Gelegenheitssex durch symbolische Strategien aus. Diese desingularisieren den Geschlechtspartner und sollen ihn also weniger einzigartig machen. Eva Illouz erläutert: „Die Funktion von Namen besteht gerade darin, eine Person zu identifizieren und einzigartig zu machen.“ In dieser Hinsicht imitiert Gelegenheitssex die Anonymität und Flüchtigkeit von Interaktionen in der Sphäre des Konsums. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Außerdem ist sie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne.
Eine Heirat ist die größte Lebensentscheidung
Heutzutage heiraten viele Menschen viel später als früher. Dabei blenden sie oft alle Bedenken aus, ob sie wirklich bis an ihr Lebensende treu sein und sich nie von diesem Partner trennen werden. Dabei unterschätzen die meisten völlig, wie sich ein Mensch zwischen 30 und 40 Jahren nochmals grundlegend in seiner Persönlichkeit verändert. Andreas Salcher weiß: „Da bauen sich dann viele, manchmal auch unüberwindbare Probleme auf.“ Es beginnt ein ständiges Ringen, in welchem Ausmaß man bereit ist, seine eigenen Lebensträume zurückzustellen. Will man dem Partner entgegenkommen und das Wohl der Kinder nicht gefährden? Zu heiraten und Kinder in die Welt zu setzen ist wahrscheinlich die größte Lebensentscheidung. Diese sollte man jedoch nur mit der nötigen Lebensreife treffen. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.