Menschen ziehen Grenzen zwischen Gruppen

Man wäre schlecht beraten, die Identitätssynthese als inkohärent abzutun oder ihre Verfechter gar als unmoralisch zu verunglimpfen. Yascha Mounk erklärt: „Die neue Aufmerksamkeit für Fragen der Identität speist sich aus Wut und Enttäuschung über das Fortbestehen echter Ungerechtigkeiten. Die meisten Anhänger der Identitätssynthese wollen die Welt wirklich verbessern.“ Dennoch ist Yascha Mounk inzwischen überzeugt die sich die Identitätssynthese sich als äußerst kontraproduktiv erweisen wird. Der Grund für ihren Erfolg mag zunächst verständlich, die Beweggründe ihrer Anhänger mögen aufrichtig sein. Aber auch Menschen, die es noch so gut meinen, können unbeabsichtigt echten Schaden anrichten – und der Einfluss dieser neuen Ideologie wird den Weg zu einer besseren Zukunft erschweren. Yascha Mounk ist Politikwissenschaftler und lehrt an der Johns Hopkins Universität in Baltimore.

Weiterlesen …

Jeder sollte die eigenen Fähigkeiten kennen

Welche Assoziationen verbinden die meisten Menschen mit dem Wort „Begrenzung“? Höchstwahrscheinlich sind es negative Begriffe. Shunmyo Masuno versucht jedoch, das Wort positiv zu betrachten: „Es ist zum Beispiel wichtig, die eigenen Fähigkeiten zu kennen, wenn es darum geht, Arbeit zu verrichten.“ Doch erstaunlich viele Menschen sind sich dessen nicht bewusst. Wenn sie ein Jobangebot erhalten, sind sie bereit, es anzunehmen, unabhängig davon, wie gut sie für die jeweilige Stelle geeignet sind. Ein Mensch kann allerdings nur im Rahmen seiner Fähigkeiten arbeiten. Wenn die Anforderungen der Stelle darüber hinausgehen, wird man nicht in der Lage sein, das zu tun, was von einem verlangt wird. Und man kann keine Ergebnisse liefern, was beides für andere ein großes Ärgernis ist. Shunmyo Masuno ist ein japanischer Zen-Mönch, preisgekrönter Zen-Garten-Designer sowie Professor für Umweltdesign an der Tama Art University in Tokyo.

Weiterlesen …

Überall gibt es Grenzen

Kevin Dutton stellt fest: „Wir leben in einer gespaltenen Welt. Wohin wir auch schauen, gibt es Grenzen. Allen voran haben Länder Grenzen. Auf der einen Seite wir auf der anderen sie.“ Städte haben Bezirke und Stadtviertel. Auch im Alltagsleben ziehen Menschen unzählige Grenzen. Sie entscheiden auf der Grundlage von Geschlecht und Hautfarbe, wo sie Grenzen ziehen. Das menschliche Gehirn ist mit einer Formatierungspalette ausgestattet. Durch ihre lange und vielfältige evolutionäre Vergangenheit sind Menschen darauf programmiert, Grenzen zu ziehen. Doch wie kann man sicher sein, dass die Grenzen, die man zieht, die richtigen sind? Und woher weiß man, wo man sie ziehen soll? Die Antwort von Kevin Dutton lautet ganz einfach: „Wir können es nicht wissen.“ Kevin Dutton ist Forschungspsychologe an der University of Oxford und Mitglied der British Psychological Society.

Weiterlesen …

Die Wohlstandsverwahrlosung nimmt zu

Auch Kinder aus wohlhabenden Verhältnissen können sehr arm sein – innerlich arm. Es fehlt ihnen an Zuwendung durch die Eltern, an Zeiten, in denen ihnen einfach nur zugehört wird, an Interesse an ihrem Leben, Fühlen und Denken und vor allem mangelt es ihnen an Zuneigung. Eltern, die keine Zeit für ihre Kinder haben, versuchen das häufig durch materielles Verwöhnen auszugleichen. Klaus Biedermann weiß: „Oft leben Kinder, die unter Wohlstandsverwahrlosung leiden, in einer nach außen hin intakten Familie. In dieser herrscht jedoch schon das große Schweigen zwischen den Eltern.“ Typische Verwöhnfallen können sich auch aus anderen Situationen ergeben: Eltern, die durch eine Trennung in einen materiellen Wettstreit treten, berufstätige Mütter oder auch alleinerziehende Väter, die versuchen, ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Dr. phil. Klaus Biedermann leitet seit mehr als 30 Jahren Selbsterfahrungskurse und Burn-In-Seminare in seiner Sommerakademie auf der Insel Korfu.

Weiterlesen …