Überall gibt es Grenzen

Kevin Dutton stellt fest: „Wir leben in einer gespaltenen Welt. Wohin wir auch schauen, gibt es Grenzen. Allen voran haben Länder Grenzen. Auf der einen Seite wir auf der anderen sie.“ Städte haben Bezirke und Stadtviertel. Auch im Alltagsleben ziehen Menschen unzählige Grenzen. Sie entscheiden auf der Grundlage von Geschlecht und Hautfarbe, wo sie Grenzen ziehen. Das menschliche Gehirn ist mit einer Formatierungspalette ausgestattet. Durch ihre lange und vielfältige evolutionäre Vergangenheit sind Menschen darauf programmiert, Grenzen zu ziehen. Doch wie kann man sicher sein, dass die Grenzen, die man zieht, die richtigen sind? Und woher weiß man, wo man sie ziehen soll? Die Antwort von Kevin Dutton lautet ganz einfach: „Wir können es nicht wissen.“ Kevin Dutton ist Forschungspsychologe an der University of Oxford und Mitglied der British Psychological Society.

Menschen sehnen sich nach „Machbarkeit“

Obwohl sich Menschen nicht sicher sein können, dass die von ihnen gezogenen Grenzen die richtigen sind, sind sie gezwungen, sie zu ziehen. Weil die Welt ein komplizierter Ort ist und weil Dinge durch das Ziehen von Grenzen einfach werden und sich bewältigen lassen, „machbar“ werden. Menschen sehnen sich nach „Machbarkeit“. Irgendwo müssen Menschen jedoch Grenzen ziehen und sie tun es. Stürme, Drogen, Gefängnis, Terrordrohungen, Pandemien … was auch immer, Menschen kategorisieren es.

Menschen benutzen, Zahlen, Buchstaben, Farben, alles, was ihnen zur Verfügung steht. Kevin Dutton erklärt: „Weil eine gezogene Grenze bedeutet, dass wir eine Entscheidung getroffen haben. Und wir stehen im Leben ständig vor Entscheidungen.“ Das Buch „Schwarz. Weiß. Denken!“ von Kevin Dutton handelt von Ordnung. Oder eher von der Illusion von Ordnung. Davon, wie sich die Grenzen, die Menschen im Chaos der ungezähmten Wirklichkeit ziehen, wie kognitive Trugbilder verflüchtigen.

Das Überlebensspiel hat sich geändert

Dies geschieht umso mehr, je stärker man seine Aufmerksamkeit auf ihre trügerischen, vergänglichen Formen richtet. In den Tagen der prähistorischen Vorfahren der heutigen Menschen war das Gehirn noch frisch und unverbraucht. Es funktionierte reibungslos, effizient und war ausnehmend zweckdienlich. Die überwältigende Mehrheit der Entscheidungen, welche die frühesten Vorfahren in ihrem Alltagsleben trafen, waren wahrscheinlich binär. Schwarz und weiß. Entweder – oder. Und das aus gutem Grund.

Kevin Dutton erläutert: „Bei den zu treffenden Entscheidungen ging es oft um Leben und Tod. Sturzfluten. Tornados. Blitzschläge. Erdrutsche. Lawinen. Umfallende Bäume. Solche Dinge kommen aus dem Nichts. Sie geschehen von einem Augenblick auf den anderen.“ Menschen, die lange nachdachten, bevor sie handelten, lebten normalerweise nicht allzu lange. Heute hat sich das Überlebensspiel jedoch geändert. Die groben Abgrenzungen vergangener Zeiten reichen einfach nicht mehr aus. Quelle: „Schwarz. Weiß. Denken!“ von Kevin Dutton

Von Hans Klumbies

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