Es gibt verschiedene Arten der Einsamkeit

Robert S. Weiss trennt zwischen sozialer und emotionaler Einsamkeit. Lars Svendsen erklärt: „Soziale Einsamkeit ist ein Mangel an sozialer Integration und der sozial Einsame hat den Wunsch, ein Teil der Gemeinschaft zu sein. Dem emotional Einsamen fehlt es hingegen an einer wirklich nahen Beziehung zu jemanden.“ Laut Robert S. Weiss sind dies distinktive Formen der Einsamkeit – sie unterscheiden sich qualitativ. Man daher an der einen Form leiden, ohne an den anderen zu leiden, und es kann einem gelingen, die eine Form zu lindern, ohne die andere zu lindern. Man kann einen Platz in einer Gemeinschaft finden und sich dennoch emotional einsam fühlen. Lars Frederik Händler Svendsen ist Philosoph und Professor für Philosophie an der Universität Bergen. Seine Werke wurden in mehr als 20 Sprachen übersetzt und mehrfach ausgezeichnet.

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Ein guter Charakter sollte ein Liebensziel sein

Adam Grant stellt fest: „Wenn uns unsere kognitiven Fähigkeiten sind, die uns von Tieren unterscheiden, dann sind es unsere Charaktereigenschaften, die uns Maschinen stellen.“ Computer und Roboter können heute Autos bauen, Flugzeuge lenken, Kriege führen, Geld verwalten, Mandanten vor Gericht vertreten, Krebs diagnostizieren, und sie führen auch Herzoperationen durch. Mehr und mehr kognitive Fähigkeiten werden automatisiert, wir befinden uns mitten in einer Charakterrevolution. Der technologische Fortschritt stellt Interaktion und Beziehungen in den Vordergrund, denn diese Fähigkeiten sind es, die uns menschlich machen und die daher beherrscht werden müssen. Wenn die meisten Menschen Erfolg und Glück als ihre wichtigsten Lebensziele angehen, fragt sich Adam Grant, warum der Charakter nicht ganz oben auf der Liste steht. Adam Grant ist Professor für Organisationspsychologie an der renommierten Wharton Business School. Seine Forschungsbeiträge im Bereich Motivation und Produktivität wurden vielfach ausgezeichnet.

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Kinder besitzen eine natürliche Liebe zur Natur

Joachim Bauer schreibt: „Kinder und Jugendliche sind für die Liebe zur Natur und die Bereitschaft zu fühlen, was die Welt fühlt, besonders empfänglich. Die Fähigkeit zur Empathie, zur Einnahme der Perspektive ihrer Mitmenschen, zur sozialen Rücksichtnahme und zur dafür notwendigen Regulation eigener Emotionen müssen Kinder und Jugendliche erwerben.“ Das gelingt nur, wenn belastbare, verlässliche Beziehungen ihnen ein Grundgefühl vermitteln, dass die Welt ein sicherer Ort ist und dass sie selbst Wesen sind, denen ihre Würde und ein Wert zukommen. Die entscheidende qualitative Voraussetzung der Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, ist die Beziehungsorientierung. Das heißt die physische Präsenz gut ausgebildeter Begleiter, die beides bieten können: ersten die Bereitschaft, sich von jungen Menschen in Resonanz versetzen zu lassen und sich auf diese Weise in sie einzufühlen. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

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Ständige Angst führt zum Verfall des Körpers

Menschen können nicht in einem andauernd inkohärenten, von ständiger Angst begleiteten Zustand leben. Gerald Hüther erläutert: „Er verbraucht zu viel Energie, und wenn die nicht mehr ausreicht, um die innere Struktur und Organisation unseres Gehirns und damit unseres Körpers aufrechtzuerhalten, wird unser gesamter Organismus unstabiler – bis er zerfällt und sich die in seinen materiellen Strukturen enthaltene Energie wieder gleichmäßig im Universum verteilt.“ Wenn Menschen alles im Griff hätten und in der Lage wären, ihre Zukunft tatsächlich so zu gestalten, wie sie es sich vorstellen und wünschen, und sie alles, was künftig geschieht, genau vorhersagen könnten und für alle zu ihren Lebzeiten auftretenden Schwierigkeiten, Probleme und Bedrohungen eine optimale Lösung parat hätten, gäbe es keine Zukunft mehr. Gerald Hüther ist Neurobiologe und Verfasser zahlreicher Sachbücher und Fachpublikationen.

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Kleine Lügen haben für viele einen gewissen Reiz

Ein bisschen Lügen, das bringt für viele einen gewissen Reiz. Thomas Erikson erklärt: „Es stellt eine Möglichkeit dar, sich im Alltag durchzuwinden, und gibt einem hinterher das Gefühl, noch einmal davongekommen zu sein. Ob groß, ob klein, mir ist keiner dahintergekommen, ha, ha, ich habe gewonnen.“ Schafft man es, jemanden von etwas zu überzeugen, das gar nicht wahr ist, fühlt sich das mitunter besonders befreiend an, vor allem, wenn man einen Großteil des Tages in der moralischen Grauzone unterwegs ist. Nie war der Reiz, eben nicht die Wahrheit zu sagen, größer als in unserer schnelllebigen Gesellschaft heute. Die Rückmeldung bekommt man ja mehr oder weniger sofort. Pathologische Lügen, Manipulation und Betrug haben sich zweifellos zu einem gängigen Bestandteil menschlichen Miteinanders entwickelt. Thomas Erikson ist ein schwedischer Verhaltensexperte, international gefragter Vortragsredner, Leadership-Coach und Buchautor.

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Mikroaggression breitet sich immer mehr aus

Wenn in den Neunzigerjahren ein Lehrer einen Schüler schlug, verurteilte man das einhellig als „Aggression“. Heute kann es schon als „Mikroaggression“ gewertet werden, wenn ein Lehrer lediglich übersieht, dass sich ein Schüler meldet. Philipp Hübl ergänzt: „Zählten früher ausschließlich körperliche Angriffe als Gewalt, werden heute auch Beleidigungen oder Witze als verbale Gewalt klassifiziert. Dass Beleidigungen für sich genommen moralisch falsch sind, steht außer Frage, doch sind nun eben in die Gewaltkategorie gerutscht.“ „Missbrauch“ bezeichnete einst körperliche Gewalt oder sexuelle Nötigung, inzwischen kann auch Vernachlässigung als „Missbrauch“ zählen. Natürlich ist Vernachlässigung ebenfalls moralisch falsch, und man kann auch ein Nicht-Tun verantwortlich sein, beispielsweise für unterlassene Hilfeleistung. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012).

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Carl Gustav Jung liebte die Natur

Lucy F. Jones schreibt: „Die Idee, dass wir uns von der Natur abgenabelt, vom Land entwurzelt, Mutter Naturs Nabelschnur durchrissen haben und unsere Psyche nun die Folgen zu spüren bekommt, gehört in der Psychologie nicht gerade zum typischen zeitgenössischen Diskurs.“ Carl Gustav Jung, der Schweizer Psychiater und Psychoanalytiker, ist am besten für seine Theorie zu Archetypen bekannt: die allgemeingültigen, primitiven, uns ureigenen Muster und Tendenzen in unserem kollektiven Unbewussten, die unser Verhalten, unsere Gedanken und unser Bewusstsein prägen. Carl Gustav Jung war ein großer Naturliebhaber. Sein Revier waren die dichten Fichtenwälder im Schwarzwald, die Alpengipfel Italiens, die tiefen Rheinschluchten und die Höhenkämme des Jura-Gebirges. Lucy F. Jones ist Journalistin und schreibt regelmäßig zu wissenschaftlichen Themen, Gesundheit, Umwelt und Natur für die BBC, The Guardian und The Sunday Times.

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Der Streit ist kein Diskurs

Svenja Flasspöhler schreibt: „Zunächst einmal gilt zu klären, worüber wir reden, wenn wir von „Streit“ reden. Dies umso mehr, als die Ermahnung, wir müssten wieder lernen zu streiten, dieser Tage so oft zu hören ist, dass sie in meinen Ohren schon wieder ein wenig wohlfeil klingt. Streit, da schwingt so herrlich mit, was und doch allen lieb und teuer ist.“ Wer streiten kann, setzt sich mit Andersdenkenden auseinander, hält die Meinungsfreiheit hoch. Wie sagte Ex-Kanzler Helmut Schmidt: „Eine Demokratie in der nicht gestritten wird, ist keine.“ Ein Satz, den sich eine große Wochenzeitung zu eigen gemacht hat, um ihre Rubrik „Streit“ zu bewerben, die vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde. Svenja Flasspöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des Philosophie Magazins.

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Eine lieblose Beziehung sollte man verlassen

Von einer Beziehung erwartet man das Paradies auf Erden: man hat sich in den anderen verliebt, um endlich all seine Bedürfnisse erfüllt zu bekommen. Michael Lehofer weiß: „Die Evolution hat die Verliebtheit vorgesehen, um Paarbeziehungen, die ja letztlich der Erhaltung der Art dienen, einen gehörigen Anschub gegeben.“ In der Phase der Differenzierung wird dagegen viel gestritten; man wirft dem Partner vorn, nicht so zu sein, wie man sich ihn vorgestellt hat. Es gibt allerdings auch Beziehungen, die im Dienste der Nachreifung stehen, denn Liebesbeziehungen eignen sich sehr für Nachreifungen. Denn sie sind durch die Liebe abgeschirmt und können daher besonders viel Entwicklungsschmerz ertragen. Univ.-Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Lehofer ist ärztlicher Direktor und Leiter der einer Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Landeskrankenhaus Graz II.

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Menschen verändern sich ständig

Andreas Salcher schreibt: „Hermann Hesse entschlüsselt in seinem Gedicht „Stufen“, warum wir uns trotz unseres Beharrungsvermögens im Laufe des Lebens weit stärker verändern, als uns das selbst bewusst ist.“ Da sich Menschen aber freiwillig kaum aus ihrer Komfortzone herausbewegen, hilft der Weltgeist durch Krankheit, Jobverlust, Scheidung oder andere unerwartete äußere Einflüsse ein bisschen nach, um sie auf die nächste Stufe zu schubsen. Und siehe da, auf einmal muss man lieb gewonnene Gewohnheiten aufgeben, Risiken eingehen, Neues lernen. Interessanterweise schrieb Hermann Hesse „Stufen“ in seinem 63. Lebensjahr nach langer Krankheit und nannte es ursprünglich „Transzendieren“. Dr. Andreas Salcher ist Mitgebegründer der „Sir Karl-Popper-Schule“ für besonders begabte Kinder. Mit mehr als 250.000 verkauften Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.

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