Kosten und Nutzen spielen immer eine Rolle

Die Entscheidung, entweder 100 Euro zu erhalten oder ein Menschenleben zu retten, repräsentiert exakt, worum es bei altruistischem beziehungsweise moralischem Handeln immer geht. Nämlich den Nutzen der „guten Tat“ mit den damit verbundenen Kosten abzuwägen. Alle moralisch relevanten Handlungen folgen diesem Muster. Aber was ist gemeint mit „Kosten“ und „Nutzen“? Armin Falk erklärt: „Verhaltensökonomen wollen verstehen, wie sich Menschen verhalten, warum wir also aus verschiedenen Handlungsoptionen eine bestimmte Option auswählen. Hierbei wird unterstellt, dass wir bei unseren Entscheidungen den Nutzen einer Handlungsoption mit den Kosten vergleichen. Dass also letztlich diese Abwägung darüber bestimmt, wie wir uns in einer konkreten Situation entscheiden.“ Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung, sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn.

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Jeder Mensch braucht Bewunderung

Beziehungen, die gut funktionieren, haben überdurchschnittlich häufig etwas Erstaunliches gemeinsam: Die Männer werden von den Frauen bewundert und die Frauen fühlen sich von den Männern gesehen. Männer brauchen oft viel Bewunderung, vor allem in partnerschaftlichen Beziehungen. Michael Lehofer ergänzt: „Natürlich brauchen auch Frauen Bewunderung. Bewunderung ist die reinste narzisstische Zufuhr, und es gibt einen gesunden Narzissmus, ohne den keine gedeihliche Entwicklung möglich ist.“ Daher benötigt jedes Kind Bewunderung, ehrliche Bewunderung. Es braucht sie, um zu einem positiven Selbstbild zu kommen, um letztlich Ja zu sich sagen zu können. Bewunderung wirkt in zwischenmenschlichen Beziehungen unterschiedlich. So kann beispielsweise der Mächtige mittels Bewunderung den anderen auf Augenhöhe bringen. Univ.-Prof. Dr. med. Dr. phil. Michael Lehofer ist ärztlicher Direktor und Leiter der einer Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie am Landeskrankenhaus Graz II.

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Das Traumgeschehen ist ziemlich kreativ

Seit mehr als 30 Jahren sammelt Professor Michael Schredl vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim Träume. Seine eigenen – inzwischen mehr als 17.000 – und die von Personen, die seine Albtraumsprechstunde für Erwachsene aufsuchen oder an seinen Studien teilnehmen. Und er ist nicht der einzige. In Traum-Datenbanken sind zigtausende Protokolle gespeichert, nach Motiven sortiert. So lassen sich die Inhalte automatisch vergleichen und beobachten, wie sie sich über die Jahre verändern. In seinen eigenen Träumen bewegt sich Michael Schredl nur selten außerhalb der Naturgesetze. Er fliegt zum Beispiel so gut wie nie auf einem Drachen durch die Luft. „Ich träume oft realistisch“, sagt er. Als Requisiten finden sich häufig Alltagsgegenstände. Das Traumgeschehen ist dennoch ziemlich kreativ. Es werden nicht einfach Wachsituationen wiederholt, sondern viele Elemente werden zu einem schöpferischen Ganzen zusammengesetzt.

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Männer haben viel Terrain verloren

Der Schriftsteller Stefan Zweig sagte: „Jede Widerstandsgeste ohne Risiko ist nichts als Geltungssucht.“ Heute gibt es Menschen, die jeden Trend mitmachen, weil sie das Neue grundsätzlich interessanter als das Alte finden. Tobias Haberl hat immer nur das Wahrhaftige interessiert, egal, ob es alt oder neu ist. Er ist seit Jahren elektrisiert von der Gender- und Identitätsdebatte, fühlt sich mal zu Recht, mal zu Unrecht angeklagt. Viele Vorwürfe gegen traditionelle Männlichkeit teilt Tobias Haberl, andere findet er überzogen. Leider wird die Debatte von vielen Selbstdarstellern geführt, die in einer Eskalationssymbiose aneinandergekettet sind. Die einen schreien: „Männer sind dominant und gewalttätig!“ Die anderen schreien zurück: „Feministinnen sind hysterisch und sehen scheiße aus!“ Tobias Haberl schreibt für das „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Sein letztes Buch „Die große Entzauberung – Vom trügerischen Glück des heutigen Menschen“ wurde ein Bestseller.

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Dauerstress macht psychisch krank

„Viele von uns versetzt das Zusammenkommen der Krisen in Dauerstress“, sagt Professorin Judith Mangelsdorf. Sie ist Direktorin der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie. „Es kommt zu einer langfristigen Ausschüttung des Stresshormons Cortisol, die dafür sorgt, dass wir schlechter schlafen, dünnhäutiger werden. Außerdem leistet Dauerstress vielen psychischen Erkrankungen Vorschub.“ Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der seelischen Erkrankungen seit Anfang 2020 zugenommen hat. Die Weltgesundheitsorganisation verzeichnete einen Anstieg von Angsterkrankungen und Depressionen um 25 Prozent im ersten Jahr der Pandemie. Eine Überblicksstudie im Fachmagazin „Lancet“ zeigte, dass in Mitteleuropa etwa ein Drittel der Studienteilnehmer an einer psychischen Krankheit litt. „Das heißt aber auch, dass zwei Drittel gesund geblieben sind – und auch von den Neuerkrankten erholten sich einige rasch wieder“, betont Michèle Wessa, Professorin für Klinische Psychologie und Neuropsychologie an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

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Viele Menschen graben sich ihre Grube selbst

Jeder ist seines Glückes Schmied, so heißt es. Aber vor allem kennt man den umgekehrten Fall: Viele Menschen graben sich ihre Grube selbst. Fritz Breithaupt erläutert: „Das heißt nicht nur, dass wir unbeabsichtigt in die Fallen tappen, die wir anderen stellen. Vielmehr vertiefen wir unser Unglück immer wieder, indem wir unsere Weltsicht auf ein solches Unglück ausrichten.“ Wer kennt nicht einen Pessimisten, für den noch die beste Nachricht irgendwie zum Beleg seines Unglücks wird. Man möchte solch einen Pessimisten rütteln und schütteln, doch es würde nichts ändern. Sondern es würde ihm nur wieder bestätigen, dass alle gegen ihn sind, inklusive der Freunde, die ihn schütteln. Es ist offensichtlich nicht leicht, seine Muster zu ändern. Fritz Breithaupt ist Professor für Kognitionswissenschaften und Germanistik an der Indiana University in Bloomington.

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Viele Eltern bedrohen und mobben Lehrer

Viele Lehrer Klagen über Eltern, die sogar Drohungen oder Mobbing einsetzen, wenn ihnen die Benotung ihrer Kinder nicht passt. Freia Peters stellt fest: „Ob im Lehrerzimmer, auf Zeugniskonferenzen oder im Gespräch mit Freunden: Wenn Lehrer erzählen, dauert es nicht lange, bis das Gespräch auf eines der zunehmenden Übel ihres Berufes kommt: anstrengende Eltern, die sich überall einmischen.“ Diese betrachten die Schule ihrer Kinder als pädagogischen Servicebetrieb, der zu liefern habe, allem voran gute Noten. Der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, prägte vor 15 Jahren den Begriff der Helikopter-Eltern, die ständig um ihren Nachwuchs kreisen. Mittlerweile hat sich die Definition verfeinert: Kampfhubschrauber gibt es, die beim kleinsten Hindernis ihre Gefechtsrohre ausfahren. Und Rasenmäher-Eltern, die alle Unebenheiten im Lebensweg ihrer Kinder beseitigen, um sie vermeintlich zum Erfolg zu führen.

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Konflikte darf man nicht dämonisieren

Jeder Konflikt entschärft sich bereits, wenn man nüchtern bleibt und schlicht „unterschiedliche Erwartungen“ ins Zentrum rückt. Weitere Verkomplizierungen sind unnötig. Reinhard K. Sprenger stellt fest: „Diese mögen wissenschaftliche Vollständigkeitsstandards bedienen, in der Praxis helfen sie uns nicht weiter.“ Warum können die meisten Menschen Konflikt nicht gut? Das liegt nicht am Fehlen von Konflikten im Leben eines Individuums, sondern vorrangig an einem falschen „Begriff“ von Konflikt, insbesondere einer falschen Auffassung seiner Funktion. Viele Menschen meiden den Konflikt und können ihn – wie manches andere im Leben – dann schon aus mangelnder Übung nicht gut. Warum aber meidet man Konflikte? Weil man davor zurückschreckt, für seine Bedürfnisse einzutreten. Reinhard K. Sprenger ist promovierter Philosoph und gilt als einer der profiliertesten Managementberater und Führungsexperte Deutschlands.

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Narzissten sind sehr von sich überzeugt

Wenn man das Wort „Narzissmus“ hört, denkt man an eine schillernde Persönlichkeit – charismatisch, vielleicht ein bisschen zu sehr von sich überzeugt. Aber durchaus unterhaltsam. Nur: auf die Dauer durch den Mangel an Empathie und die starke Ich-Bezogenheit eben doch verletzend. Turid Müller fügt hinzu: „Wobei wir Eitelkeit und Arroganz vielleicht auch lange entschuldigen, zumal es sich doch um so außergewöhnliche Individuen handelt: witzig, clever, eloquent!“ Gerade auf den ersten Blick ist schwer zu merken, dass jenseits der schicken Oberfläche nicht viel Tiefgang zu erwarten ist. Und dass die ach so spannenden Geschichten gern mit „Ich …“ beginnen. Zuhören gehört übrigens nicht zu den Kernkompetenzen dieser Menschen – es sei denn, es dient der Selbstinszenierung. Turid Müller ist Diplom-Psychologin und ausgebildete Schauspielerin.

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Macht kann positiv und negativ sein

Die Erziehungswissenschaftlerin Maisha-Maureen Auma argumentiert dafür, dass Kinder ein berechtigtes Interesse daran haben, Macht zu empfinden, zu erfahren und auszuüben. Denn dies ist für ihre Entwicklung und eine ein Verständnis von Selbstwirksamkeit als Teil ihres Selbst wichtig und notwendig. Hadija Haruna-Oelker erklärt: „Es gibt also ein Verständnis von Macht, nämlich dass diese positiv und negativ sein kann. Positiv, wenn sie mich handlungsfähig macht. Negativ, wenn sie andere unterdrückt.“ Wenn also Kinder in ihrer Verstrickung in gesellschaftliche Ungleichverhältnisse in einer gleichberechtigten Zukunft gut aufgestellt sein sollen, dann gilt es ihr Lernen neu zu organisieren. „Lernprozess der Vergesellschaftung“ nennt Maisha-Maureen Auma Konzepte, die Machtpositionen kritisch in den Blick nehmen. Hadija Haruna-Oelker lebt als Autorin, Redakteurin und Moderatorin in Frankfurt am Main. Hauptsächlich arbeitet sie für den Hessischen Rundfunkt.

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