Narzissten werden von niemandem geliebt

Häufig anzutreffen ist der Narzissmus bei leicht reizbaren, aggressiven jungen Männern, die meistens aus patriarchalischen Milieus kommen. Dort werden sie einerseits idealisiert, weil sie nicht dem abgewerteten weiblichen Geschlecht angehören, andererseits von dominanten Vätern erniedrigt oder gar geschlagen werden. Joachim Bauer weiß: „Der Narzissmus findet sich bei beiden Geschlechtern. Die Sucht, sich permanent mit Smartphones aufnehmen und über die Medien anderen zeigen zu müssen, um dafür Anerkennung zu erhalten, zeigt dies überdeutlich.“ Narzissten fügen sich und anderen meistens sehr viel Schaden zu, bevor sie den Weg zu einem Psychotherapeuten finden. Auslöser dafür, sich therapeutische Hilfe zu holen, sind meistens sogenannte narzisstische Krisen, die sich einstellen, wenn der Narzisst erkennt, dass er zwar von allen gefürchtet, aber von niemandem geliebt wird. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

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Gedanken sind mit Emotionen verbunden

Thorsten Havener definiert einen Gedanken wie folgt: „Ein Gedanke ist eine Form, die unser Geist annehmen kann. Das kann richtig sein oder falsch, eine Fantasie, eine Erinnerung, eine Meinung, eine Ablehnung oder eine Vorliebe. Unsere Gedanken entstehen aufgrund äußerer Ereignisse, aber auch innerer gespeicherter Eindrücke.“ Die Reaktion eines Menschen hinsichtlich von äußeren Ereignissen ist auch abhängig von den gespeicherten Eindrücken wie beispielsweise negativen Erfahrungen, Erinnerungen, Meinungen. Die Gedanken sind mit Emotionen verbunden, die sowohl förderlich als auch hinderlich sein können. Die Gedanken und die damit verbundenen Emotionen können einerseits zu neuen Eindrücken führen oder auch bestehende Gedanken festigen. Das Handeln wird von Gedanken beeinflusst und umgekehrt beeinflusst das Handeln das Denken. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist.

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Angst kann das gesamte Leben vergiften

Wenn es darum geht, mehr Kontrolle über die eigenen Reflexe zu bekommen, ist eine gewisse Form der Aufmerksamkeit hilfreich. Das Leben der meisten Menschen wäre viel einfacher und angenehmer, wenn sie auf ihre unrealistischen, unpassenden, unangemessenen Ängste verzichten könnten. Heinz-Peter Röhr weiß: „Diese sind überflüssig, können aber das gesamte Leben vergiften.“ Fast jeder kennt die Situation, dass ihn ein mulmiges Gefühl beschleicht. Wenn man zum Beispiel auf einem hohen Turm steht, in einen tiefen Abgrund schaut, im Fernsehen eine dramatische Szene gezeigt wird, das Flugzeug rasant abhebt. Obwohl man sich in der Regel dabei in völliger Sicherheit befindet, will die Furcht nicht sofort weichen. Heinz-Peter Röhr ist Pädagoge und war über dreißig Jahre lang in der Fachklinik Fredeburg/Sauerland für Suchtmittelabhängige psychotherapeutisch tätig.

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Das Glück trägt manchmal zu Erfolgen bei

Vor Jahren fragte Morgan Housel einmal den Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller: „Was wüssten sie gerne über Investitionsentscheidungen, die wir nicht wissen können?“ Er antwortet: „Welche Rolle das Glück bei Erfolgen spielt.“ Die Antwort gefällt Morgan Housel außerordentlich, denn tatsächlich glaubt niemand, Glück spiele bei finanziellen Erfolgen keine Rolle. Aber das Glück lässt sich so schlecht quantifizieren. Außerdem klingt es unhöflich, den Erfolg anderer Leute dem Glück zuzuschreiben. Deshalb lässt man diesen Faktor meistens unter den Tisch fallen. Erklärt man die Erfolge anderer mit schierem Glück, wirkt man neidisch und fies, wobei man weiß, dass Glück durchaus existiert. Seine eigenen Erfolge auf Glück zurückzuführen, könnte sich demoralisierend auf das Selbstbewusstsein auswirken. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.

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Der Mensch verfügt über sechs primäre Sinne

Heute, in der Gegenwart, ist die mühevolle psychophysische Entwicklung des Menschen endlich abgeschlossen. Kevin Dutton stellt fest: „Wir Menschensind nun mit mindestens sechs primären Sinnen, ja wahrscheinlich noch erheblich mehr, ausgestattet.“ Fünf von ihnen – Sehen, Tasten, Riechen, Schmecken und Hören – dienen dazu, Vorgänge in der Außenwelt wahrzunehmen. Der sechste, die Propriozeption – Tiefensensibilität –, hat den Zweck, ein stabiles inneres Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Und zwar durch einen konstanten Strom koordinierter neutraler Informationen zu Körperbewegung und -lage. Von diesen sechs grundlegenden Sinnen ist das Sehen – das für 70 Prozent des sensorischen Inputs verantwortlich ist – der bei Weitem dominanteste. Und das aus gutem Grund. Im Laufe der Evolutionsgeschichte war eine genaue Vorstellung von der Größe, Form und Bewegung anderer Lebewesen entscheidend für das Überleben der Menschen. Kevin Dutton ist Forschungspsychologe an der University of Oxford und Mitglied der British Psychological Society.

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Der Botenstoff Dopamin sorgt für Motivation

Viele Menschen wollen etwas bewirken, aktiv und eigenständig selbst etwas schaffen. Hans-Otto Thomashoff erklärt: „Auch dieses Grundbedürfnis verdanken wir der Arbeitsweise unseres Gehirns, und zwar seinen Motivations- und Belohnungssystem. Dieses neurobiologische System setzt spezielle Botenstoffe frei, die und dazu antreiben, eigenständig ein Ziel zu erreichen.“ Wohlgemerkt eigenständig, also aus eigener Kraft. Dazu zündet es in zwei Stufen. Am Anfang steht zur Motivation der Botenstoff Dopamin, der die Neugier und Aufmerksamkeit eines Menschen weckt und ihn anstachelt, ein angestrebtes Ziel zu erreichen. Dabei ist es völlig unerheblich, um was für ein Ziel es sich handelt – ein leckeres Stück Kuchen, ein neues Handy, ein Marathonlauf, ein Wahlsieg, Sex, Alkohol, Kokain. Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse in eigener Praxis in Wien.

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Vertrauen besitzt eine eigene Dynamik

Vertrauen ist kein Entweder-oder, es hat seine eigene Dynamik, die man am besten erfasst, wenn ihm Dauer gewährt wird, wenn es sich entwickeln und verändern kann. Martin Hartmann erklärt: „Der Blick auf das Vertrauen in Beziehungen hilft dabei, diese zeitliche Dimension des Vertrauens angemessen zu beschreiben.“ Die Literatur ist nicht ohne Grund der Ort, an dem die Dynamik des Vertrauens geradezu endlos thematisiert wird. Erzählungen eignen sich viel besser als Statistiken, um Vertrauen in seiner ganzen Komplexität zu verstehen. Menschen gewinnen ihre Vertrautheit mit dem Vertrauen in ihren Beziehungen. Aber es bleibt etwas am Vertrauen, das nicht geschlossen werden kann, so vertraut einem das Vertrauen zum anderen auch sein mag. Es bleibt die Freiheit des anderen und die Unbestimmtheit der Verletzungen, die im Vertrauen zugefügt werden können. Martin Hartmann ist Professor für Praktische Philosophie an der Universität Luzern.

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Schadenfreude ist eine passive Rache

Bei der passiven Form der Rache, der Schadenfreude, muss sich niemand exponieren, zumindest wenn sie heimlich empfunden wird. Reinhard Haller erklärt: „Man kann in der bequemen Rolle des Zuschauers seine Rachegelüste befriedigen. Schadenfreude kann ein stiller innerer Genuss sein, für andere gar nicht erkennbar, oder nach außen durch Häme, Spott und Hohn demonstriert werden.“ Das Unglück anderer, besonders von überlegenen und beneideten Personen, wird als Wohltat empfunden, drängt den eigenen Neid zurück und befriedigt das Gerechtigkeitsempfinden. Der Philosoph Arthur Schopenhauer (1788 – 1860) bezeichnete sie sogar als schlechtesten Zug der menschlichen Natur, „da sie der Grausamkeit eng verwandt ist, ja eigentlich von dieser sich wie Theorie von Praxis unterscheidet, überhaupt aber da eintritt, wo das Mitleid seine Stelle finden sollte, welches als ihr Gegenteil die wahre Quelle aller echten Gerechtigkeit und Menschenliebe ist“. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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Sensibilität ist bindend und trennend

Sensibilität ist für Svenja Flaßpöhler ein zweischneidiges Phänomen, denn sie ist nach außen und nach innen gerichtet. Sie ist bindend und trennend. Befreiend und unterdrückend. Svenja Flaßpöhler bringt es auf den Punkt: „Die Sensibilität trägt eine gewaltsame Seite in sich, was sich bereits in ihrer historischen Genese zeigt. Das Herausbilden von Sensibilität setzt nämlich Zwang voraus.“ In seinem berühmten Werk „Über den Prozess der Zivilisation“ (1939) zeichnet der Soziologe Norbert Elias ausdrücklich die Transformation des menschlichen Verhaltens nach. Dieses hat sich durch fortschreitende Disziplinierung zunehmend verfeinert und den Menschen für eigene und fremde Grenzüberschreitungen sichtlich sensibler werden lassen. Die wesentlichen Methoden dieser Verfeinerung sind, so Norbert Elias, die „Dämpfung der Triebe“, „Affektregulation“ und die Ausbildung eines kontrollierenden Über-Ichs. Svenja Flaßpöhler ist promovierte Philosophin und Chefredakteurin des „Philosophie Magazin“.

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Zuerst dominiert der Täter die Partnerschaft

Bei Tötungen des Intimpartners durch den ehemaligen Gatten oder Gefährten entwickelt sich der böse Gedanke aus dem Gefälle in der Täter-Opfer-Beziehung, nachdem sich die ursprünglich stabilen Kräfteverhältnisse in den emotionalen Beziehungen innerhalb einer Partnerschaft verändert haben. Reinhard Haller erläutert: „In der Regel nimmt der spätere Täter, meist der Mann, am Beginn der Beziehung die Position des Dominierenden ein, er ist seiner Partnerin überlegen, sorgt für das gemeinsame Einkommen und legt mit Selbstverständlichkeit die Regeln des Ehe- und Familienlebens fest.“ Hingegen passt sich das spätere Opfer lange Zeit an, ordnet sich dem bestimmenden Partner unter, schränkt die eigenen Bedürfnisse ein und verzichtet auf eine autonome Lebensführung. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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