Beim Losgehen sollte der Geist offen sein

„Ich gehe los – und sehe“ – ist eine Einladung, die zwei Voraussetzungen, die gegeben sein müssen, damit ein Ereignis eintritt, eine Begegnung stattfindet, zu verbinden: hinauszugehen und gleichzeitig bereit zu sein, anzunehmen, was sich zeigt, egal ob es gut ist oder schlecht. Charles Pépin ergänzt: „Losgehen, allerdings nicht so sehr zielgerichtet, sondern offenen Geistes, weniger konzentriert auf das Ziel als aufmerksam für alles Übrige.“ Wenn man hinausgeht, den Kopf ganz vernebelt von einem Ziel, kann man dieses Ziel natürlich erreichen, aber es besteht auch die Gefahr, dass man es verfehlt und alle guten Gelegenheiten, welche die Wirklichkeit zu bieten hatte, unbeachtet gelassen hat. Charles Pépin ist Schriftsteller und unterrichtet Philosophie. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Die Konzentration benötigt Emotionen

Um sich selbst zu beherrschen und auf sich selbst einzuwirken, ist die Steuerung der Aufmerksamkeit eine höchst bedeutsame Fähigkeit. Thorsten Havener warnt: „Wenn wir es nämlich nicht von innen machen, dann machen es andere für uns von außen!“ Es ist ein altes spirituelles Gesetz, dass die Energie eines Menschen, und auch die Energie der Mitmenschen, dorthin fließt, wohin man seine Aufmerksamkeit richtet. Je mehr Menschen ihre Energie in eine Richtung lenken, desto stärker kommen in der Richtung der Konzentration Dinge ins Rollen. Sobald man darauf achtet, dass man seinen Fokus über einen längeren Zeitraum auf eine Sache konzentriert, wird man merken, dass sich etwas in diesem Bereich ändert. Der Grundsatz „Suggestion braucht Emotion“ gilt auch für die Konzentration. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist.

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Früher war doch alles irgendwie besser

William James sagte einmal: „Die Kunst, weise zu sein, ist zu wissen, was übersehen werden kann.“ Irgendwann fing es bei vielen Menschen an. Dieses Gefühl, dass sie ihre Welt kaum wiedererkennen – vieles mutet anders an. Je nach Tagesform rutscht dann auch mal ein „nichts ist mehr, wie es war“ raus. Maren Urner fügt hinzu: „Oder wenn es ganz dicke kommt, ertappen wir uns dabei, wie unser viel zu schwer gewordener Kopf auf den verspannten Schultern in eine leichten Nickbewegung übergeht, wenn unser Gegenüber sich nach einer romantisierten Vorstellung von früher sehnt.“ Frei nach dem Motto: „Früher war doch alles irgendwie besser.“ Und selbst wenn man das „Besser“ nicht komplett unterschreiben kann, war es zumindest einfacher, übersichtlicher. Dr. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.

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Suggestionen besitzen eine ungeheure Kraft

Suggestionen haben eine ungeheuer beeinflussende Wirkung. Thorsten Havener erläutert: „Jede Suggestion wird Teil unserer Realität, sobald wir sie akzeptiert haben. Damit werden diese Suggestionen zu Programmen in unseren Gedanken. Sie sind Teil unserer mentalen Software. Damit ist unser Leben immer nur so gut wie unsere Gedanken.“ Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten, eine Suggestion so zu verpacken, dass sie ihre ungeheure Kraft entfalten kann: Timing, Wiederholung und Präsentation. Wie in vielen anderen Lebensbereichen auch ist der richtige Zeitpunkt das Fundament einer gelungenen Suggestion. Man sollte niemandem erzählen, dass etwas passieren wird, bevor es passiert. Man nimmt auf, was schon passiert ist und verknüpft die Suggestion mit bereits eingetretenen Faktoren. Sehr gut ist es auch, diese Eigenschaften zu erwähnen und zu bestätigen. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist.

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Staunen kann das Ego ausschalten

Staunen könnte sich auf das Verhalten und die Art auswirken, wie Menschen miteinander umgehen. Warum sollten Menschen großzügiger sein, nachdem sie gestaunt haben? Lucy F. Jones vermutet: „Vielleicht sind sie dadurch ganz einfach besserer Stimmung.“ Staunen kann die Interessen von einer Person weg und hin zu anderen Menschen führen. Es kann Menschen dabei helfen, sich einander verbunden zu fühlen und sich auf andere einzustellen. Es kann das Ego ausschalten, Alltagsprobleme vergessen lassen und die Aufmerksamkeit auf etwas Größeres lenken, das sich nur schwer fassen lässt. Vielleicht ist Staunen sogar ein Gegenmittel oder Kontrapunkt, vom allgegenwärtigen Narzissmus, von dem man befürchtet, er werde von den sozialen Medien befeuert. Lucy F. Jones ist Journalistin und schreibt regelmäßig zu wissenschaftlichen Themen, Gesundheit, Umwelt und Natur für die BBC, The Guardian und The Sunday Times.

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Das Leben findet immer im Jetzt statt

Wenn man in die Köpfe der Menschen hineinschauen könnte, würde man ihre Selbstgespräche kennenlernen, die sie permanent mit sich führen. Das wäre manchmal lustig, manchmal traurig. Heinz-Peter Röhr weiß: „Was man auf jeden Fall feststellen würde, wäre die Tatsache, dass sie sich vorwiegend mit ihrer Vergangenheit oder mit Sorgen bezüglich ihrer Zukunft beschäftigen. Nur selten richten sie die Aufmerksamkeit auf das Jetzt.“ Viele Menschen verbringen Jahre mit der Hoffnung, dass die Dinge sich von selbst zum Besseren wenden, immer im Glauben, dass das Gute noch kommt. Auf diese Weise wird das Leben vertan, es rauscht vorbei. Man ist nicht in sich selbst zu Hause. Heinz-Peter Röhr ist Pädagoge und war über dreißig Jahre lang in der Fachklinik Fredeburg/Sauerland für Suchtmittelabhängige psychotherapeutisch tätig.

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Eine Krise ist zeitlich begrenzt

Aktuelle Definitionen aus der Wissenschaft haben immer eins gemeinsam. Auch wenn die genaue Dauer einer Krise, während sie herrscht, meist nicht absehbar ist, ist sie zeitlich begrenzt. Es gilt also weiterhin, dass Krisen ein Zeitfenster meinen, sie also einen Anfang und ein Ende haben. Maren Urner betont: „So wird die vermeintliche Dauerkrise oder die ewige Krise schnell ihrer Daseinsberechtigung beraubt. Sie ist genauso unmöglich wie der tägliche Weltuntergang, der sich jeder Logik widersetzt.“ Was man häufig mit Blick auf Klima-, Finanz- und Flüchtlingskrise eigentlich meint, sind keine Krisen, sondern dauerhafte Zustände. Vielleicht sind sie eingeleitet durch Wendepunkte in der Geschichte. Diesen Zuständen ist man nicht hoffnungslos ausgeliefert. Dr. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.

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Der Mensch ähnelt sehr anderen Tieren

Die grundlegenden Prozesse, anhand deren das menschliche Gehirn denkt, sind auch heute noch überwiegend identisch mit jenen von anderen Tieren. Der Psychologe Daniel Kahneman spricht von zwei „Selbsten“ – Biologie kontra Rationalität – und schreibt: „Zu den Funktionen von System 1 gehören angeborene Fähigkeiten, die wir mit anderen Tieren gemeinsam haben. Wir werden mit der Fähigkeit geboren, unsere Umwelt wahrzunehmen, Gegenstände zu erkennen, unsere Aufmerksamkeit zu steuern, Verluste zu vermeiden und uns vor Spinnen zu fürchten.“ Markus Hengstschläger ergänzt: „Andere mentale Aktivitäten werden durch lange Übung zu schnellen, automatischen Routinen.“ Die höchst vielfältigen Aktivitäten von System 2 haben ein Merkmal gemeinsam: Sie erfordern Aufmerksamkeit, und sie werden gestört, wenn die Aufmerksamkeit abgezogen wird. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUniWien.

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Träume sind spannender als Video-Clips

Eine Zeit, die so von Bildern geprägt ist wie die heutige, müsste die inneren Bilderwelten ebenso zu schätzen wissen wie die äußeren. Daher ist es für Georg Milzner merkwürdig, dass Menschen stundenlang Youtube-Videos ansehen können, sich oft für ihre Träume wenig interessieren: „Denn Träume sind allemal spannender als Clips, und überdies haben sie etwas mit uns zu tun.“ Ob man sie als Botschaften des Unbewussten liest oder ob man, wie der Wissenschaftstheoretiker Paul Feyerabend einmal sagte, beim Träumen bloß die „Show“ genießt, ist dabei zunächst einmal unwesentlich. Als Psychologe des Unbewussten arbeitet Georg Milzner oft mit Träumen. Und er macht dabei immer wieder dieselbe Erfahrung: Menschen, die sich um ihre Träume jahrelang nicht gekümmert haben, ja, sich nicht einmal sicher waren, ob sie überhaupt träumen, werden plötzlich neugierig. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

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Georg Milzner sucht nach einem neuen Selbst

Die Vorstellungen vom Selbst eines Menschen sind historisch gewachsen. Und genauso verändern sich auch in der Zukunft historisch. Georg Milzner beschäftigt sich mit der Frage, wie sich ein Selbst konstituieren könnte, das den Herausforderungen der Gegenwart entspricht. Die Entwicklung des Selbst hängt vor allem von den Verteilungen der Aufmerksamkeit ab. Georg Milzner weiß: „Wer von sich selbst nichts wissen will, der wird mit sich selbst auch nicht weit kommen.“ Deshalb wird es darauf ankommen, eine neue Vorstellung vom Selbst zu entwickeln. Es geht dabei um die Vorstellung von einem Selbst, das weder narzisstisch blendet noch sich funktional begrenzt. Noch darf es in Regeln ersticken oder sich in Schwärmen auflösen. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

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