Psychologen und Neurowissenschaftler unterscheiden Aufmerksamkeit und Bewusstsein zwar schon seit über 100 Jahren, doch besonders in den letzten 30 Jahren hat die Forschung stark angezogen. Philosophen waren allerdings zunächst nur vom phänomenalen Bewusstsein in den Bann geschlagen, das sie als das größte Rätsel der Menschheit ansehen. Phillip Hübl ergänzt: „Die Aufmerksamkeit, die kleine Schwester des Bewusstseins, hat ihren Durchbruch erst kürzlich geschafft.“ Neben „Konzentration“ kennt man noch andere mit „Aufmerksamkeit“ verwandte Begriffe wie „Wachsamkeit“, „Fokus“, „Sorgfalt“ oder „Geistesgegenwart“. Auch wenn sie sich sicherlich in Nuancen unterscheiden, kann man Aufmerksamkeit als das Kernstück dieser Phänomene betrachten. Angesichts der Fülle von Phänomenen hat sich unter Fachleuten der Verdacht breitgemacht, dass Aufmerksamkeit keine einheitliche Erscheinung sei. Philipp Hübl ist Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart.
Aufmerksamkeit
Multitasking führt zu schlechten Ergebnissen
Multitasking ist nicht nur anstrengend, sondern führt auch zu schlechten Ergebnissen. Es steht sogar im Verdacht, das Sozialverhalten zu behindern. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Sicher ist, dass dabei der präfrontale Kortex eine Rolle spielt. Im Multitasking liegt auch eine gewisse Absurdität zugrunde. Georg Milzner erläutert: „Wo wir intensiven Lustgewinn und tiefe Begegnung suchen, kommen wir offenbar gar nicht auf die Idee, es mit Multitasking zu probieren. Das passiert nur – ja, wo eigentlich? Vermutlich da, wo wir in einem fort den Eindruck haben, noch etwas erledigen zu müssen.“ Dabei ist Aufmerksamkeit offenbar mehr als bloß die Beigabe zu einem ansonsten gelingenden Leben. Was im Kern der Aufmerksamkeit steht, wird auch den meisten Einfluss auf das Leben eines Menschen haben. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.