Multitasking führt zu schlechten Ergebnissen

Multitasking ist nicht nur anstrengend, sondern führt auch zu schlechten Ergebnissen. Es steht sogar im Verdacht, das Sozialverhalten zu behindern. Die Gründe hierfür können vielfältig sein. Sicher ist, dass dabei der präfrontale Kortex eine Rolle spielt. Im Multitasking liegt auch eine gewisse Absurdität zugrunde. Georg Milzner erläutert: „Wo wir intensiven Lustgewinn und tiefe Begegnung suchen, kommen wir offenbar gar nicht auf die Idee, es mit Multitasking zu probieren. Das passiert nur – ja, wo eigentlich? Vermutlich da, wo wir in einem fort den Eindruck haben, noch etwas erledigen zu müssen.“ Dabei ist Aufmerksamkeit offenbar mehr als bloß die Beigabe zu einem ansonsten gelingenden Leben. Was im Kern der Aufmerksamkeit steht, wird auch den meisten Einfluss auf das Leben eines Menschen haben. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

Aufmerksamkeitsstörungen sind weit verbreitet

Georg Milzner schreibt: „Wohin die Aufmerksamkeit sich richtet, dahin geht auch das Lebensgefühl. Wenn eine diffundierte Aufmerksamkeit das Merkmal unserer Epoche ist, dann heißt das für unser Lebensgefühl etwas ganz Ähnliches: Es diffundiert, es wird immer diffuser.“ Das Phänomen, das Georg Milzner hier berührt, wird „Mind-Wandering“ genannt. Gemeint ist damit, dass es vielen Menschen immer schwerer fällt, ihre Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum hinweg bei einer Sache zu halten. Was so viel bedeutet wie: Die meisten Menschen leiden ein wenig unter Aufmerksamkeitsstörungen.

Multitasking und wandernde Aufmerksamkeit begegnen sich an dem Punkt, bei dem die Aufmerksamkeit nicht mehr bei einer Sache ist. Der Multitasker lässt sich wie die Mind-Wanderin als ein Mensch beschreiben, der nicht bei der Sache ist. Als Therapeut wird Georg Milzner ab und zu gesagt, dass einer einen Patienten sehr intensiv anschaut. Nicht jeder findet das angenehm. Manch einer fühlt sich durchleuchtet, analysiert bis auf die Knochen. Anderen wird unbehaglich zumute, weil sie meinen, sie müssten etwas tun.

Multitasking beeinträchtigt das Sozialverhalten

Alle Patienten nehmen aber so etwas wie Bedeutsamkeit wahr. Denn ein Mensch, der intensive wahrgenommen wird, muss bedeutsam sein. Und genau so erlebt man es als Kind, wenn man einen wohlmeinenden, intensiven Blickkontakt spürt. Man erlebt Interesse, Anteilnahme, Begegnung. Und alles dies vergeht in dem Augenblick, wo jemand seine Aufmerksamkeit etwas anderem zuwendet: einer Fernsehserie, der Tageszeitung oder, zeittypisch, dem Smartphone. Multitasking ist nicht denkbar als eine Aktivität, bei der es zu Einbußen kommt – Einbußen, die Konzentration und langfristig auch das Sozialverhalten betreffend.

Georg Milzner erklärt: „Das Dumme ist, dass man nicht unbedingt merkt, wie viele Einbußen es beim Multitasking wirklich gibt. Weil nämlich gerade die verteilte Aufmerksamkeit jene Konzentration, die auch Fehler und Schludrigkeiten erkennen würde, unmöglich macht.“ Erst also da, wo etwas schon gravierend wird, komme es zu diesem Erkennen. Es scheint Georg Milzner an der Zeit, das Multitasking den Aufmerksamkeitsstörungen an die die Seite zu stellen. Denn die Einbußen sind beim Multitasking wesentlich größer als der Gewinn. Quelle: „Wir sind überall, nur nicht bei uns“ von Georg Milzner

Von Hans Klumbies

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