Gute Gefühle erzeugen kluge Entscheidungen

Eine zentrale Frage ist für Maren Urner, unter welchen Bedingungen Menschen ein gutes und zufriedenstellendes Leben führen können. Bei der Positiven Psychologie geht es im Kern darum, Faktoren zu identifizieren, die glückliche und gesunde Menschen auszeichnen. Maren Urner stellt fest: „Stress, Angst und das Gefühl von Machtlosigkeit sind keine guten Berater. Wenn wir uns hingegen sicher, befähigt und gut fühlen, sind wir in der Lage, clevere und weise Entscheidungen zu treffen.“ Es sind ebendiese Gefühle, die Menschen lösungs- und zukunftsorientiert denken und handeln lassen. Außerdem fällt es ihnen leichter, Gewohnheiten zu entwickeln, die sie befähigen und helfen, mutig zu sein. Vor allem geht es dabei darum, sich selbst besser zu verstehen. Dr. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.

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Ambiguitätstoleranz ist östliches Denken

Wenn jemand zum Beispiel anderen Menschen hilft, tut er diesen etwas Gutes – aber auch sich selbst, weil er sich selbst gefallen oder besser fühlen will. Reinhard K. Sprenger fügt hinzu: „Manchmal, und da wird oft übersehen, schwächt Hilfe auch – wenn der andere es alleine schaffen könnte, wenn Hilfe zudringlich wird, wenn Hilfe gleichsam ihr Gebrauchtwerden erzeugt.“ Ambiguitätstoleranz bedeutet, Kontexte zu sehen, sich bezogen auf diese korrekt zu verhalten, also Gleichheit und Verschiedenheit gleichermaßen ernst zu nehmen: hier so, dort anders. Ambiguitätstoleranz übernimmt Verantwortung für beide Seiten – im Umgang mit Unsicherheit, Widersprüchen, anderen Menschen. Der Gewinn wäre Gelassenheit, und Wohlwollen mit anderen, vor allem aber auch mit sich selbst. Reinhard K. Sprenger ist promovierter Philosoph und gilt als einer der profiliertesten Managementberater und Führungsexperte Deutschlands.

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Es zählt nur noch die Einzigartigkeit

Nach der Vorstellung des Soziologen Andreas Reckwitz leben die Deutschen in einer Art Kulturkapitalismus. Dieser besteht aus lauter Singularitäten, Unverwechselbarkeiten, Einzigartigkeiten, Sensationen, Rekorden und Bestleistungen. Ingo Hamm ergänzt: „Unverwechselbar, ein Unikat, eine Sensation. Darunter machen wir es nicht. In diesem totalitären System der Einzigartigkeit gilt nur das Besondere, nicht die Durchschnittsexistenz, auch und gerade in der Arbeitswelt.“ Eine Durchschnittsbiografie oder eine mittelmäßige Karriere reicht nicht mehr. Es muss schon etwas Besonderes sein. Und da die meisten Menschen nur zu gut wissen, dass sie selbst nichts Besonderes sind, leihen sie sich nach guter Praxis des Komplementärnarzissmus etwas vom Glanz wahrhaft großer Größen. Zum Beispiel vom Glanz des Nobel Purpurs des Unternehmens, in dem man arbeitet. Ingo Hamm ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt.

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Intelligenz lässt sich nur schwer definieren

Obwohl noch immer keine einheitlich anerkannte wortwörtliche Definition von Intelligenz existiert, herrscht in der Wissenschaft ein erstaunlich hohes Einverständnis darüber, welche Eigenschaften auf das Konzept Intelligenz zutreffen und welche nicht. Jakob Pietschnig weiß: „Hauptsächlich liegt das an den vielen bemerkenswert robust reproduzierbaren Ergebnissen, welche die Grundlage der Intelligenzforschung bilden.“ Intelligente Menschen sind jedoch nicht automatisch immer gesünder als weniger intelligente. Dennoch scheint Intelligenz im Allgemeinen mit vielen wünschenswerten Lebensereignissen in Beziehung zu stehen. Sie erscheint, kurz gesagt, durchaus nützlich. Einer der wichtigsten und stabilsten Befunde bezieht sich auf die sogenannte „positive Kupplung“ der Intelligenz. Sie besagt, dass Leistungen in Intelligenztests positiv miteinander verknüpft sind, und zwar unabhängig davon, welches spezifische Merkmal betrachtet wird. Jakob Pietschnig lehrt Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Wien.

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Eine Begegnung kann zu Projekten führen

Eine Begegnung kann auch der Ausgangspunkt für ein Projekt sein. Nicht so sehr die Welt des Anderen interessiert einen, dafür aber all das umso mehr, was man gemeinsam aufbauen kann. Charles Pépin erläutert: „Das Zeichen der Begegnung ist hier die Erregung, die dieses Projekt in uns hervorruft. Die Lust loszulegen, sich augenblicklich einzubringen, die Gewissheit, dass wir ein gutes Team bilden und gemeinsam Großes zustande bringen werden.“ Die Begegnung mit dem Anderen verleiht dem eigenen Selbst Flügel. Das lässt sich nicht erklären, sondern man erlebt es, nimmt es wahr, fühlt es. Die Begegnung weckt einen Wunsch, eröffnet ein Feld von Möglichkeiten, das man beackern muss. Charles Pépin ist Schriftsteller und unterrichtet Philosophie. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Dummheit ruht auf äußerst stabilen Säulen

In ihrer langjährigen Tätigkeit als Gerichtssachverständige war Heidi Kastner immer wieder mit definitionsgemäß intelligenzgeminderten Menschen konfrontiert, die irgendwelche Straftaten begangen hatten. Bei keinem einzigen von ihnen war die Intelligenz das zentrale Problem. Meist waren es ganz banale, alltägliche Beweggründe wie Gier, Wichtigtuerei oder die Unwilligkeit, Grenzen zu akzeptieren, ausschlaggebend dafür, dass sie mit dem Gericht in Kontakt kamen. Forest Gump ist für Heidi Kastner die moderne Version des einfältigen Parzival, der auf der Suche nach seinem Gral durch sämtliche weltpolitische Ereignisse seiner Zeit stolpert, ohne sich im Geringsten beeindruckt zu zeigen. Er weiß aber immer was er will und kann dabei auch immer auf seinen moralischen Kompass vertrauen. Er formuliert, dass „dumm ist, wer Dummes tut“. Heidi Kastner ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 2005 ist sie Chefärztin der forensischen Abteilung der Landesnervenklink Linz.

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Psychische Störungen haben viele Ursachen

Man kann ausnahmslos alle psychischen Phänomene genauso gut unter einer lebensgeschichtlichen Perspektive betrachten. Ereignisse aus jüngster Zeit kann man für die Ursache der psychischen Störung halten. Das ist genau so wenig widerlegbar wie eine biologische Hypothese. Manfred Lütz weiß: „Übrigens ist das die häufigste Sichtweise der Patienten und ihre Angehörigen.“ Eine Depression kann als Folge einer Ehekrise oder eines Berufskonflikts, einer Auseinandersetzung mit Freunden oder Nachbarn gesehen werden. Der schizophrene Wahn könnte als Folge von Mobbing auftreten. Man könnte sogar unwiderlegbar behaupten, die psychischen Symptome nach einer organischen Hirnschädigung seien im Wesentlichen von Ereignissen der vergangenen Wochen geprägt. Auch das ist niemals wahr oder falsch. Auch das ist im jeweiligen Fall unter therapeutischen Gesichtspunkten bloß mehr oder weniger nützlich. Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz ist Psychiater, Psychotherapeut, Kabarettist und Theologe.

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Über Konflikte muss man diskutieren

Treten Konflikte auf, muss man darüber diskutieren. Denn die unterschiedlichen Erwartungen braucht niemand einfach so, weil es eben so ist, akzeptieren. Dieses Recht haben aber natürlich die Mitmenschen auch, die müssen ebenfalls nicht die eigenen Gesetze fraglos anerkennen. Helga Kernstock-Redl rät: „Bei unterschiedlichen Auffassungen, enttäuschten Erwartungen und Konflikten ist es immer zielführend, zuerst die dazugehörigen, inneren Gesetzestexte herauszuarbeiten, zu vergleichen und dann eventuell im gemeinsamen Gespräch zu überprüfen.“ Vielleicht lässt sich so Klärung und Einigung erzielen.“ Schuldig im Sinne der Rechtsprechung kann nur werden, wer zurechnungsfähig ist und in einer konkreten Situation auch so handeln kann. Echte Schuld braucht dementsprechend innere Steuerungsmöglichkeit, Vernunft und Denkvermögen. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt.

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Emotionen legen die Moral fest

Verwandeln sich Menschen in bessere Wesen, wenn sie über Moral nachdenken? Das wollte der amerikanische Philosoph Eric Schwitzgebel überprüfen. Dazu verglich er das Verhalten von Moralphilosophen mit dem von Kollegen, die sich nicht professionell mit Ethik beschäftigen. Das Ergebnis ist auf den ersten Blick ernüchtern. Philipp Hübel stellt fest: „Ethiker spenden weder mehr Blut noch mehr Geld für gute Zwecke. Sie antworten nicht zügiger auf E-Mails und rufen auch ihre Mutter nicht häufiger an als andere Menschen.“ Mehr noch, in den Universitätsbibliotheken der Philosophischen Institute werden mehr als doppelt so oft Bücher zum Thema Ethik gestohlen als zu anderen philosophischen Disziplinen. Philipp Hübl ist Philosoph und Autor des Bestsellers „Folge dem weißen Kaninchen … in die Welt der Philosophie“ (2012).

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Sicherheit ist ein essenzielles Bedürfnis

Der Umgang mit der Angst in den Medien zeigt eindrücklich, wie stark Sicherheit ein essenzielles menschliches Bedürfnis ist. Hans-Otto Thomashoff betont: „Und so besteht eine zentrale Aufgabe des Staates darin, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen, im Inneren wie im Äußeren. Fehlende Sicherheit ist neben Ungerechtigkeit die entscheidende Ursache für übermäßigen Stress in einer Gesellschaft. Denn dort, wo die Sicherheit bedroht ist, entsteht Angst.“ Für Angst ist das menschliche Gehirn besonders anfällig, weil es eben für das Überleben hilfreich war und ist, drohende Gefahren rechtzeitig zu erkennen. Abhängig von früheren Erfahrungen ist die Angstneigung allerdings individuell verschieden. Hans-Otto Thomashoff weist darauf hin, dass Gefühle aufgrund der Resonanz der Spiegelneuronen ansteckend sind. Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse in eigener Praxis in Wien.

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