Trotz beginnt schon in der Babyzeit

Im Alter zwischen zwei und sechs Jahren können simple Situationen heftigen Trotz auslösen. Für Eltern ist die Autonomiephase, wie man die Zeit der beginnenden Selbstständigkeit des Kleinkindes nennt, oft belastend. Wie reagiert man auf Wutanfälle? Und wie können Kinder lernen, mit Gefühlsausbrüchen umzugehen? Kinder wissen schon früh, was sie wollen. Und das teilen sie deutlich mit. „Trotz beginnt schon in der Babyzeit“, erklärt die Pädagogin und Buchautorin Susanne Mierau. Zum Beispiel, wenn es sich abwendet und nicht wickeln lassen will, so die Expertin. Noch schafft man es, das Baby abzulenken. Ab zwei Jahren wird das schwieriger. Die Sprache kommt dazu, die Kinder werden stärker und motorisch geschickter. Ein lautstarkes „Nein“ oder „Ich will aber nicht“ ist nicht mehr zu überhören.

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Schon Babys reagieren eifersüchtig

Der deutsche Psychologe und Psychotherapeut Rolf Merkle sagt: „Eifersucht zeugt nicht von Liebe, sondern von Angst vor dem Verlust der Liebe.“ Bereits Charles Darwin beobachtete das Phänomen der Eifersucht in frühester Kindheit. Reinhard Haller erklärt: „Sein Sohn William habe, so geht aus seinen Aufzeichnungen aus dem Jahr 1877 hervor, schon im Alter von 15 Monaten eifersüchtig reagiert, sobald sich der Vater intensiv mit einer großen Puppe befasst habe.“ Diese Beobachtung wurde in jüngster Zeit durch systematische Studien bestätigt. Forscher der Texas Tech University in Lubbock wiesen nach, dass Babys schon im Alter von sechs Monaten weinerlich reagieren und die Aufmerksamkeit der Mutter auf sich lenken wollen, wenn diese ein lebensechtes Püppchen hätschelt. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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Schon Babys fokussieren sich auf Lebendiges

Ein Beweisstück für E. O. Wilsons Konzept der Biophilie hängt mit der Lebendigkeit zusammen. Lucy F. Jones weiß: „Schon in den ersten Lebenswochen lernt ein Baby, das kaum den Blick fokussieren der Farben neben Schwarz und Weiß erkennen kann, was lebendig ist und was nicht.“ E. O. Wilson argumentiert, dass Menschen schneller und stärker auf lebendige Organismen reagieren, weil alles Lebendige interessanter ist als reglose, inaktive Objekte. Menschen ziehen vor, was kompliziert ist, wächst und unvorhersehbar genug ist, um ihr Interesse zu halten. Ein Eichhörnchen zu beobachten, ist interessanter als eine Chipstüte, gleiches gilt für einen Schmetterling und einen Verkehrskegel. Lucy F. Jones ist Journalistin. Sie schreibt regelmäßig zu wissenschaftlichen Themen, Gesundheit, Umwelt und Natur für die BBC, The Guardian und The Sunday Times.

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Ein Baby ahmt die Gesten der Mutter nach

In den ersten Lebenswochen wenden sich ein Neugeborenes und seine Bezugsperson einander sehr intensiv zu. Sie haben häufig Blickkontakt, lächeln einander an und ahmen gegenseitig ihre Gesten nach. Matthew B. Crawford fügt hinzu: „Etwa im Alter von sechs Monaten beginnt der Säugling, seine Aufmerksamkeit über die Bezugsperson hinaus zu erweitern und auf dieselben Gegenstände wie diese Person zu richten, indem er ihrem Blick folgt.“ Bald darauf beginnt das Baby, den Blick seiner Bezugsperson „zu prüfen“, wenn seine anfängliche Blickverfolgung nicht zu einem Gegenstand führt, der hinreichend beachtenswert erscheint. Die Fähigkeit zu „gemeinsamer Aufmerksamkeit“, die sich im Alter von etwa zwölf Monaten entwickelt, beinhaltet ein zusätzliches Element. In diesem Stadium, erklärt der amerikanische Philosoph Christopher Mole, „besitzt das Kind die Fähigkeit und Bereitschaft, zusammen mit seiner Mutter die Aufmerksamkeit einem dritten Gegenstand zuzuwenden.“ Matthew B. Crawford ist promovierter Philosoph und gelernter Motorradmechaniker.

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Ein neun Monate altes Baby ist genial

Eine Art menschlicher Sprache entstand vermutlich vor mindestens 100.000 Jahren durch eine evolutionäre Weiterentwicklung des Gehirns, des Brustkorbs und des Vokaltrakts. Timothy Garton Ash erklärt: „Eine hoch entwickelte Fähigkeit zur Kommunikation unter Verwendung von Sprache und abstraktem Denken unterscheidet den Menschen von seinen nächsten Verwandten, den Schimpansen und Bonobos.“ Der britische Tierfilmer und Naturforscher David Attenborough antwortete auf die Frage, was seiner Ansicht nach das erstaunlichste Geschöpf auf Erden sein: „Das einzige Geschöpf, bei dem mir vor Staunen so der Mund offen stehen bleibt, dass ich mich fast nicht losreißen kann, ist ein neun Monate altes menschliches Baby: Wie schnell es wächst. Wie schnell es lernt. Wie schnell es Nerven entwickelt. Es ist von allen Geschöpfen das komplexeste und außergewöhnlichste. Nichts lässt sich mit ihm vergleichen.“ Timothy Garton Ash ist Professor für Europäische Studien an der Universität Oxford und Senior Fellow an der Hoover Institution der Stanford University.

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