Der Schlaf ist eine große Auszeit

Die wichtigsten Ziele eines Menschen schlafen nie. Sie arbeiten auf unbewusster Ebene im Hintergrund, ohne dass ein Mensch sie lenken oder auch nur zur Kenntnis nehmen müsste. Sie überwachen die Umgebung aufmerksam und halten Ausschau nach allem, was helfen könnte, das Notwendige zu tun. Die Lösungen seiner Probleme fallen einem Menschen dann scheinbar aus heiterem Himmel ein. John Bargh erläutert: „Schlaf ist ein großer Batzen Auszeit, in dem bewusste Aktivitäten auf ein Minimum reduziert sind, und Ihr Geist nutzt diese Zeit, um auf unbewusster Ebene weiter an Problemen zu arbeiten.“ Das Gute ist, dass er dabei manchmal Erfolg hat und eine wegweisende Lösung für ein Problem liefert. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University, wo er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory leitet.

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Wünsche drücken eine positive Wertung aus

Wünsche mögen sich im Einzelnen ganz unterschiedlich anfühlen und ganz verschiedene Inhalte haben. Ihnen ist aber gemeinsam, dass sie in der Regel eine allgemeine positive Wertung ausdrücken. Wenn man etwas begehrt, schätzt, mag, ersehnt oder erstrebt, dann drückt man damit aus, dass man es gut findet. Philipp Hübl erklärt: „An den vielen Spielarten der Wünsche erkennt man einen wichtigen Unterschied. Viele drücken ein subjektives, phänomenales Erleben aus wie etwa Verlangen, Sehnen, Lust, Appetit, Drang, Gier oder Begehren.“ Andere sind in dem Punkt eher neutral wie Bedürfnis, Neigung, Hang, Interesse und Wollen. Auch die Inhalte scheinen sich zu unterscheiden. Einige sind ganz grundlegend wie „Schokolade essen“, andere setzen viel Wissen und komplexe Handlungsschritte voraus wie „Karriere machen“. Philipp Hübl ist Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart.

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Liebesbindungen zählen zur menschlichen Natur

Der britische Psychiater und Psychologe John Bowlby (1907 – 1990) untersuchte in den 60er Jahren die fundamentale Art und Weise, wie Menschen ihre Liebesbindungen gestalten. „Die Attachment-Theorie“, schrieb John Bowlby 1988, „betrachtet die Neigung, intime emotionale Bindungen einzugehen, als eine Basiskomponente der menschlichen Natur, die bereits in Keimform im Neugeborenen vorhanden ist und über die Erwachsenenzeit bis ins hohe Alter reicht.“ Matthias Horx erläutert: „Bowlbys systemisches Modell beruht auf zwei Grundaspekten, die für Bindungsstile ausschlaggebend sind: Angst und Vermeidung.“ Frühkindlichen Erfahrungen steuern dieses Bindungssystem, vor allem Traumata, die durch unsichere oder gewalttätige Bindungen entstanden sind. Zwischen 20 und 40 Prozent aller Menschen in den westlichen Ländern haben in ihrer Kindheit irgendeine Art von emotionalen Desaster erlebt. Matthias Horx ist der profilierteste Zukunftsdenker im deutschsprachigen Raum.

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Persönlichkeit ist ein sehr komplexer Begriff

Kränkung und Gekränktheit hängen, die betont Reinhard Haller, nie von der Persönlichkeit allein ab. Auch gibt es nicht die kränkende Charakterstruktur schlechthin, ebenso wenig wie es die idealtypische Persönlichkeit des Gekränkten gibt. Reinhard Haller erläutert: „Persönlichkeit ist ein sehr komplexer Begriff, der in der Alltagssprache nicht nur psychologische, sondern auch ethische Bestandteile beinhaltet.“ So spricht man von einer großen und starken Persönlichkeit oder einem miesen und asozialen Charakter. Nach dem psychologischen Verständnis bedeutet Persönlichkeit die Summe aller psychischen Eigenschaften und Verhaltensbereitschaften, die dem Einzelnen seine unverwechselbare Individualität verleihen. Persönlichkeit wird bestimmt durch fixierte Organisationszüge einer Person hinsichtlich Charakter, Temperament, Intellekt und körperlicher Ausstattung. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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Ängste verunsichern den Träumer

Statt klare Wahlentscheidungen für das eigene Leben zu treffen, ist der Träumer von seinen Wahlmöglichkeiten überfordert und entscheidet sich vorwiegend überhaupt nicht. Es geht ja auch so. Irgendwie. Anja Förster und Peter Kreuz stellen fest: „Dabei verspürt er in sich durchaus einen Drang zur Freiheit und Lebendigkeit. Er will dazugehören, über sich hinauswachsen, sich entwickeln. Und blickt dann doch wieder angstvoll nach unten, aus Sorge, der Boden könnte sich unter ihm auftun.“ Seine Ängste lassen den Träumer verunsichert und passiv bleiben. Die Verantwortung dafür projiziert er kunstvoll nach außen. Es ist kein Geheimnis, dass Menschen, die die Verantwortung für ihr Leben und die damit verbundenen Entscheidungen tragen, zufriedener und auch erfolgreicher sind als solche, die in Unentschiedenheit verharren. Anja Förster und Peter Kreuz nehmen als Managementvordenker in Deutschland eine Schlüsselrolle ein.

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Traumatische Erinnerungen sind widersprüchlich

Die meisten Menschen glauben wahrscheinlich, dass traumatische Erinnerungen etwas Besonderes sind. Doch wahrscheinlich ist ihre Auffassung von diesen Erinnerungen auch widersprüchlich. Julia Shaw erläutert: „Einerseits glauben Sie, dass wir unglaublich emotionale Erinnerungen häufig vergessen oder verdrängen. Andererseits meinen Sie, dass sie uns in Alpträumen und Flashbacks begegnen. Wenn das stimmt, dann glauben Sie vermutlich, dass unsere Erinnerungen an traumatische Erlebnisse zugleich besser und schlechter sind als nicht emotionsbesetzte Erinnerungen.“ Dazu gibt es unterschiedliche Sichtweisen. Die erste ist das „Traumatic Memory Argument“, laut dem man sich an traumatische Ereignisse oft schlechter erinnert als an andere Arten von Ereignissen. Dieser Position liegt die Annahme zugrunde, dass die starke emotionale Wirkung traumatischer Situationen die anderen Möglichkeiten der Verarbeitung außer Kraft setzt. Die Rechtspsychologin Julia Shaw lehrt und forscht an der London South Bank University.

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Ein Mensch hat niemals ausgelernt

Dass Stress besser als sein Ruf ist, konnten Forscher der Universität Bochum belegen. Versuchsteilnehmer, die unter Stress gesetzt worden waren, konnten sich Dinge, die während der Stresssituation auftraten, besser erinnern als entspannte Probanden. Klaus Biedermann stellt fest: „Für das Lernen hieße das, dass ein gesundes Maß an Stress sich positiv auf das Langzeitgedächtnis auswirke, also durchaus hilfreich sein könne. Beim Abfragen des Gelernten ist Stress hingegen hinderlich.“ So empfiehlt es sich, Prüfungssituationen so entspannt wie möglich zu gestalten; hierbei kommt es vor allem auf die Atmosphäre des Raumes und das Auftreten des Prüfers an. Das Denken eines Menschen, seine Art zu fühlen und sein Körper interagieren und beeinflussen sich gegenseitig. Dr. phil. Klaus Biedermann leitet seit mehr als 30 Jahren Selbsterfahrungskurse und Burn-In-Seminare in seiner Sommerakademie auf der Insel Korfu.

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Der Geist wandelt sich jeden Tag

Viele Denker halten den Geist für eine Art riesige antike Tempelanlage, die seit kurzem irgendwo in einer Wüste ausgegraben wird. Aber diese Vorstellung ist falsch. David Gelernter erklärt: „Der Geist wandelt sich ständig, regelmäßig und auf vorhersagbare Weise. Wie er langsam Gestalt annimmt, erkennt man nur dann, wenn man aus großer Höhe auf ihn hinunterblickt.“ Zunächst einmal muss man die räumliche und zeitliche Gesamtform dessen kennen, womit man es zu tun hat, den Aufbau und Gesetzmäßigkeiten, nach denen Veränderungen vor sich gehen. Alle wichtigen Merkmale verändern sich gemeinsam. Die Rolle der Gefühle für das Denken, der Gebrauch des Gedächtnisses, das Wesen des Verstehens, die Qualität des Bewusstseins – all das ändert sich ständig im Laufe jedes Tages, während man ein Spektrum durchläuft, das für nahezu alle Aspekte von Geist, Denken und Bewusstsein von entscheidender Bedeutung ist. David Gelernter ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale Universität.

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Eine Affäre ist der Beweis für eine kaputte Ehe

In manchen Fällen kann die Offenlegung einer Affäre für einen Moment absoluter Klarheit sorgen. Sobald er oder sie kurz davor steht, seine Ehe zu verlieren, wird es manchen untreuen Partner plötzlich bewusst, dass sie ihre Ehe auf jeden Fall aufrechterhalten wollen. Shirley P. Glass erklärt: „Es ist ihnen vielleicht während ihres Doppellebens leicht gefallen, vom Ehepartner zum Liebhaber zu wechseln. Aber wenn sie vor der endgültigen Entscheidung stehen, besteht für sie keinerlei Zweifel daran, dass sie ihre Ehe bewahren wollen.“ Es ist, als hätten sie in einer Art Trance gelebt. Der Schock der Enthüllung bringt sie schlagartig zurück in die Wirklichkeit. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.

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Die Rolle des Mannes wandelt sich

Es geht gerade ein ordentlicher Ruck durch die Welt der Männer. Von einer Krise der Männlichkeit ist die Rede, vielen ist das noch gar nicht richtig bewusst. Sie fühlen sich einfach leer und spüren eine Unzufriedenheit mit sich und dem Leben, können aber nicht genau zuordnen, woher das Ganze kommt. Richard Schneebauer erklärt: „Die Stellung und Rolle des Mannes in Familie, Gesellschaft und Wirtschaft war und ist einem enormen Wandel ausgesetzt. Lange Zeit galten Männer als die Norm, an der sich alles orientiert, als das bessere und klügere Geschlecht, das auch nahezu ungestraft seine Machtposition Frauen gegenüber ausspielen konnte.“ Durch die gesellschaftlichen Veränderungen und dem Kampf der Frauen um mehr Gleichberechtigung, Freiheit und machtpolitische Anteil habe, kamen die Männer enorm unter Veränderungsdruck. Dr. Richard Schneebauer ist Soziologe und seit 17 Jahren in der Männerberatung tätig.

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