Lehrer erkennen selten die Begabungen ihrer Schüler

Begabte Kinder sind ein bisschen anders. Das österreichische Schulsystem hat sich schon immer schwer getan, Hochbegabte zu erkennen. Wie schwer tut es sich erst, die Talente von normal begabten Kindern zu entdecken. Andreas Salcher kritisiert: „Eines der größten Defizite unserer Lehrerausbildung ist die Tatsache, dass zukünftige Lehrer über das Erkennen von Begabungen wenig bis gar nichts lernen.“ Wissenschaftler haben den Zusammenhang zwischen richtiger Förderung von Hochbegabung und dem daraus resultierenden Lebenserfolg untersucht. Die Ergebnisse machen deutlich, dass ein hohes Begabungspotential allein nicht ausreicht, sondern dass sehr wohl eine kompetent fördernde Umwelt notwendig ist. Die menschlich weit noch tragischere Variante der mangelnden Entdeckung von Hochbegabten liegt in den „hochbegabten Schulversagern“. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

Die besten Schüler erleben soziale Isolierung

Hochbegabte machen schon oft in der Kindheit die Erfahrung, dass sie durch ihr ständiges Fragen sowie durch die im Vergleich zu Normalbegabten schnellere Auffassungsgabe weder von ihren Lehrern noch von ihren Kameraden soziale Wertschätzung beziehen. Sie reagieren auf dieses von ihnen wahrgenommene „Anderssein“ oft mit einer bewussten Flucht in die Leistungsvermeidung. Die andere beobachtete Verhaltensweise ist der Rückzug in die eigene Person. Oberflächlich wird dies als totales Desinteresse am Unterricht empfunden.

Andreas Salcher weiß: „Das Elend der besten Schüler besteht dann in der sozialen Isolierung. Sie werden als Besserwisser und Streber gebrandmarkt. Zudem gelten sie als Störenfriede und Querulanten.“ Soziales Wohlbefinden durch Angenommensein ist seiner Meinung nach eben ein wesentlicher Lernfaktor. Um der Isolierung in der Klasse zu entgehen, erbringen solche Kinder manchmal unbewusst oder absichtlich schlechtere Leistungen. Daher ist es eine völlige Illusion zu glauben, dass besonders Begabte ohnehin privilegiert seien und jede zusätzliche Förderung ungerecht wäre.

Hochbegabte setzen sich nicht automatisch durch

Sie sind oft sehr unglückliche und sozial isolierte Menschen. Jeder, der die oft tragischen Lebensgeschichten von Hochbegabten studiert hat, wird das sofort erkennen. Es ist ein wissenschaftlich widerlegter Mythos, dass sich Begabte automatisch durchsetzen. Sie bedürfen vor allem eines rechtzeitigen Erkennens ihres Talents und einer kompetenten Förderung. Für einen der wichtigsten österreichischen Naturwissenschaftler, den Genetiker Markus Hengstschläger ist es einfach nicht „chic“, Naturwissenschaften zu studieren.

Es fehlen in Österreich die Helden der Forschung. Kinder, die trotzdem eine Karriere in der Wissenschaft anstreben, wird oft von den Eltern abgeraten. Sie sehen diese Laufbahn als sehr schwierig und vor allem als wenig lukrativ an. Dennoch hat es in Österreich hervorragende und weltberühmte Wissenschaftler gegeben. Andreas Salcher nennt einige Namen: „Denken wir zum Beispiel nur an den Entdecker der Blutgruppen Karl Landsteiner, an den „Vater“ der Quantenphysik Erwin Schrödinger oder an den Verhaltensforscher Konrad Lorenz.“ Quelle: „Der talentierte Schüler und seine Feinde“ von Andreas Salcher

Von Hans Klumbies

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