Menschen haben die Fähigkeit, augenblicklich lebendige Erinnerungen an eine Situation abzurufen, in der sie sich in einem bestimmten, bedeutsamen Augenblick befunden haben. Das nennt man „Blitzlichterinnerungen“. Julia Shaw beschreibt sie wie folgt: „Sie sind detailreich und farbig und beinhalten typischerweise, dass man sowohl detailliert an die Situation erinnert, in der man eine historische wichtige Nachricht gehört hat, oder auch an das Ereignis selbst. Wer sich daran erinnert, erwähnt oft, wer ihm die Nachricht übermittelt hat, was er gerade tat, was er gerade anhatte und was er dachte, fühlte und sagte.“ Viele Menschen erinnern sich also mit erheblicher Klarheit an wichtige geschichtliche Ereignisse. Sie können mit größerer Sicherheit von Erinnerungen berichten, wenn die Ereignisse drei Hauptmerkmale besitzen. Die Rechtspsychologin Julia Shaw lehrt und forscht an der London South Bank University.
Hans Klumbies
Das Ungeborene spürt die Emotionen der Mutter
Bereits während der Schwangerschaft beginnt für das Kind im Mutterleib die emotionale Schule des Lebens. Das Ungeborene fühlt, ob die Mutter Glück und Zufriedenheit oder aber Ärger empfindet. Es spürt, ob es gewollt ist oder nicht, ob die Mutter unter emotionaler Belastung steht oder ob sie sich auf das Kind freut. Klaus Biedermann ergänzt: „Es weiß, ob es auf dieser Welt willkommen ist. Die Ängste der Mutter fühlt es ebenso wie ihre Hoffnungen. Da es eine Einheit mit seiner Mutter bildet, werden ihre Gefühle zu seinen eigenen. Dieser Umstand ist prägend für sein weiteres Leben.“ Denn die emotionale Entwicklung eines Kindes ist einer der wichtigsten Faktoren für seine spätere Lernfähigkeit. Dr. phil. Klaus Biedermann leitet seit mehr als 30 Jahren Selbsterfahrungskurse und Burn-In-Seminare in seiner Sommerakademie auf der Insel Korfu.
Gelingende Autonomie bedeutet Lebensglück
Joachim Bauer weiß: „Gelingende Autonomie bedeutet Lebensglück.“ Es gibt Eltern oder Mentoren, die ihren Nachwuchs nicht „freilassen“, wenn die Zeit gekommen ist. Sie bezahlen die erzwungene Unselbstständigkeit ihres Kindes entweder damit, dass das Kind depressiv erkrankt, oder sie ernten Aggression. Der mutige Versuch, Autonomie zu entwickeln, ist für viele junge Menschen mit Mühsal, Schuldgefühlen, schweren Konflikten und weiteren leid- und qualvollen Erfahrungen verbunden. Der Grund ist das Fehlen einer oder mehrerer Voraussetzungen. Eine der klassischen Sagen des Altertums beschreibt einen tragischen Fall. Dabei war es einem Vater nicht möglich, bei seinem Sohn eine eigenständige Entwicklung zuzulassen. Ihm wird von einem Orakel vorausgesagt, dass sein noch nicht gezeugter Sohn ihn einmal umbringen werde. Der Vater durchsticht dann seinem Sohn nach dessen Geburt vorsorglich die Füße und setzt ihn aus. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.
Der Geist bewegt sich zwischen Vernunft und Traum
Jeden Tag bewegt sich ein Mensch durch ein Kontinuum körperlicher Zustände abwärts. Von einem ausgeruhten, relativ hellwachen Zustand über Müdigkeit und Schlafbedürfnis bis hin zu Schlaf und Träumen. Diesem Spektrum der körperlichen Zustände entspricht ein Spektrum des Geistes, der Qualitäten des Bewusstseins. David Gelernter erklärt: „Im oberen Teil des Spektrums konzentrieren wir uns auf die Außenwelt, auf Abstraktion und Vernunft. Wenn wir uns allmählich von Aufmerksamkeit über Entspanntheit und Müdigkeit bis zur Schläfrigkeit, Abwesenheit und dem Einschlafen bewegen, nimmt unsere mentale Konzentration immer weiter ab.“ Am Ende brennt die menschliche Fähigkeit, vernünftig zu denken und zu reflektieren, wie eine Kerze herunter, bis sie praktisch völlig erloschen ist. Gleichzeitig beginnt die höchst unberechenbare, tosende, steil hinab über Windungen und Biegungen rasende Achterbahnfahrt durch das Spukhaus der Träume. David Gelernter ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale University.
Der Stillstand ist für den Best-of-Optimisten keine Option
Der „Best-of-Optimist“ sucht den Erfolg, will nach oben kommen und strebt eine Karriere an. Bei ihm wechseln sich eine maßvolle berufliche Risikobereitschaft mit Konsolidierungsphasen ab, denn er weiß, dass Karriere ein Marathonlauf ist, bei dem das Timing stimmen muss. Jens Weidner ergänzt: „Er zeichnet sich durch eine geistige Flexibilität aus, mit der die Ziele verfolgt werden, und er ist überzeugt, seine Projekte zum Erfolg zu bringen, denn er denkt vom Ende her und hat das Spitzenergebnis schon vor Augen.“ Aber er beharrt nicht darauf, denn wenn die Zielerreichung unwahrscheinlich wird, verabschiedet er sich schnell davon. Er ist in dieser Hinsicht kein bisschen sentimental, sondern er nimmt etwas Neues ins Visier, denn Stillstand ist für ihn keine Option. Jens Weidner ist Professor für Erziehungswissenschaften und Kriminologie.
Viele Menschen haben Angst vor der Freiheit
Anja Förster und Peter Kreuz betonen: „Ein entschiedenes Leben zu führen bedeutet, volle Verantwortung zu übernehmen für das, was wir tun oder lassen. Für das, was wir wählen oder nicht wählen. Wozu wir ja sagen und wozu wir nein sagen.“ Das ist letztlich der Gesamtpreis, die Summe aller kleinen Deals, der Preis für ein Leben in Freiheit: die Verantwortung für das eigene Selbst. Viele Menschen haben allerdings Angst vor dieser Freiheit. Sie benutzen lieber die berühmten Wenn-Dann-Konstruktionen. Deren Funktion ist es, den momentanen Verantwortungsdruck auf die Zukunft abzuwälzen. Vermeidungs- oder Aufschiebungslösungen sind aber nur Scheinlösungen. Nicht wenige Menschen empfinden Entscheidungsprozesse als so unangenehm, dass sie nach jeder Entscheidungshilfe greifen. Anja Förster und Peter Kreuz nehmen als Managementvordenker in Deutschland eine Schlüsselrolle ein.
Jeder muss für sich den Sinn des Lebens finden
Wenn ein Mensch einem anderen begegnet, neigt er dazu, sich von ihm „ein Bild zu machen“. Vielleicht erinnert er ihn an jemand anderen, vielleicht entstehen gleich sympathische oder unangenehme Gefühle, vielleicht aber auch ist er gleich „mit ihm fertig“. Uwe Böschemeyer weiß: „Den Kern eines Menschen erfahren wir gar nicht rasch, weil er zunächst verborgen ist. Unsichtbar durch all das Fremde, das sich durch die Jahre hindurch um seine Seele gelegt hat.“ Wahrscheinlich gibt es niemanden, der im vergangenen Jahrhundert so leidenschaftlich über die Sinnfrage geforscht hat wie Viktor Frankl. Was ist Sinn? Sinn, so Viktor Frankl, wird gefunden angesichts der „Forderung der Stunde, die an mich ergeht“, hier und jetzt und in der Tat. Uwe Böschemeyer ist Rektor der Europäischen Akademie für Wertorientierte Persönlichkeit und Leiter des Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse in Salzburg.
Realistische Ziele führen zu einem zufriedenen Leben
Kränkungen resultieren oft aus nicht erfüllten positiven Erwartungen. Deshalb haben sie viel mit Einstellung, Selbstbild, Hoffnung und Wünschen, vor allem aber mit Enttäuschung zu tun. Reinhard Haller weiß: „Zufrieden und ungekränkt kann man leben, wenn realistische Ziele angestrebt und unsere Erwartungen erfüllt werden. Geschieht dies nicht, reagieren wir mit Enttäuschung und Kränkung.“ Man muss erkennen, dass das von einem selbst gemachte Bild – das Selbstbild – in wichtigen Punkten nicht mit jenem der Mitmenschen harmoniert, dass die eigene Einstellung nicht richtig war und dass sich die persönlichen Erwartungen als irreal erwiesen haben. Darauf reagieren die meisten Menschen mit Ärger, Frustration, Enttäuschung und in weiterer Folge mit Kränkung. Enttäuschung bedeutet zunächst, dass Erwartungen nicht erfüllt und man getäuscht worden ist. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.
Ein gelungenes Leben fordert seine Opfer
Von dem irischen Managementphilosophen Charles Handy stammt die Aussage: „Wir haben keine Karrieren mehr, wir haben mehrere Leben in unserer Lebensspanne.“ Das sehen Anja Förster und Peter Kreuz genauso. Und um diese Leben als Chance zu begreifen, braucht man Mut und Entschiedenheit. Anja Förster und Peter Kreuz kennen den Grund: „Es ist sehr viel einfacher, am bekannten Leben festzuhalten. Selbst dann, wenn es uns anscheinend nirgendwo hinführt.“ Ein Wechsel in seinem Leben zwingt einen Menschen oft, auf einer anderen Leiter noch einmal auf der ersten Sprosse zu beginnen. Doch wenn man entdeckt, dass die Leiter, die man zu erklimmen versucht, an der falschen Mauer lehnt, ist die Entscheidung eigentlich unausweichlich. Anja Förster und Peter Kreuz nehmen als Managementvordenker in Deutschland eine Schlüsselrolle ein.
Der Dummkopf ist nur mit sich selbst zufrieden
Wie singt doch der französische Chansonnier George Brassens: „Der Plural bekommt dem Menschen nicht gut. Sobald ihrer mehr als vier sind, sind sie eine Bande von Dummköpfen. Gepriesen sei, wer keine sakrosankten Ideale hat und sich damit begnügt, seinen Nachbarn nicht allzu sehr auf die Nerven zu gehen!“ Leider lassen sich die Nachbarn diese Gelegenheit nicht immer nehmen. Doch damit, einem das Leben zu vermiesen, ist der penetrante Dummkopf noch nicht zufrieden. Jean-François Marmion erklärt: „Wirklich zufrieden ist er stets nur mit sich selbst, und zwar unerschütterlich, immun gegen jede Art zögerlicher Unsicherheit. Und absolut sicher, im Recht zu sein.“ Der Dummkopf nimmt seine Überzeugungen für in Stein gemeißelte Wahrheiten, während alles Wissen doch letztlich auf Sand gebaut ist. Jean-François Marmion ist Psychologe und Chefredakteur der Zeitschrift „Le Cercle Psy“.