Viele Menschen wollen Spaß bei ihrer Arbeit haben

Vieles von dem, was Menschen bei der Arbeit tun, tun sie auch außerhalb der Arbeit. Menschen lügen, um sich vor Dingen zu drücken, die sie nicht tun wollen. Sie betonen ihre guten Eigenschaften, um besser dazustehen. Sie sind gehässig gegenüber Kollegen, weiden sich am Unglück derer, die sich hassen. Zudem stehlen sie aus Eigennutz, missbrauchen Machtpositionen und betrügen, um vorwärtszukommen. Julia Shaw stellt fest: „Wir haben es hier einfach nur mit Menschen zu tun, die menschliche Dinge tun, und das zufällig bei der Arbeit. In vielerlei Hinsicht sind Unternehmen lediglich Mikrokosmen menschlicher Erfahrungen.“ Viele Menschen gehen nicht nur des Geldes wegen zur Arbeit. Sie wünschen sich normalerweise auch, dass ihre Arbeit erfüllend und sozial ist und dass sie ihnen Spaß macht. Julia Shaw forscht am University College London im Bereich der Rechtspsychologie, Erinnerung und Künstlicher Intelligenz.

Das Sinnvolle im Leben sollte nicht zu kurz kommen

Nicht wenige Menschen möchten das Gefühl haben, dass sie etwas Sinnvolles mit ihrem Leben tun. Julia Shaw ergänzt: „Und wenn wir unsere Rolle als bedeutsam empfinden, identifizieren wir uns vielleicht irgendwann stark mit ihr.“ Was das moralische Verhalten angeht, scheint es eine große Rolle zu spielen, wie sehr die Menschen das Unternehmen, für das sie arbeiten, schätzen und sich mit ihm identifizieren. Unglückliche Arbeitnehmer tun vielleicht etwas, was für sie von Vorteil, für das Unternehmen aber schädlich ist. Das ist unethisches, egoistisches Verhalten.

Es gibt auch Menschen, die das Unternehmen und die Kollegen, mit denen sie zusammenarbeiten, schätzten und es Teil seiner Identität auffassen. Diese begehen dann vielleicht unmoralische Dinge, die dem Unternehmen zugutekommen. Julia Shaw nennt Beispiele: „Möglicherweise stehlen wir für unseren Arbeitgeber, statt ihn zu bestehlen. Wir lügen für unsere Chefs, statt sie zu belügen. Wir vertuschen Fehler unserer Kollegen und nicht nur unsere eigen.“

Von moralischer Blindheit kann jeder betroffen sein

Intuitive Modelle der ethischen Entscheidungsfindung präsentieren Menschen als rationale Akteure, die aufgrund von Charakterfehlern die Entscheidung treffen, unmoralisch zu handeln. Manchmal verhalten sich Menschen allerdings auch unmoralisch, ohne sich dessen bewusst zu sein. Laut Guido Palazzo, Professor für Wirtschaftsethik an der Universität Lausanne, können alle Menschen moralisch blind sein: „Moralische Blindheit kann als die zeitweise Unfähigkeit eines Entscheidungsträgers gesehen werden, die ethische Dimension einer zu treffenden Entscheidung zu erkennen.“

Statt von moralischer Blindheit spricht man auch von blinden Flecken der Moral. Von moralischer Blindheit kann jeder betroffen sein, vor allem in Unternehmensumfelder. Rückblickend mag es leicht sein, zu wissen, dass schlechte Entscheidungen getroffen wurden, doch oft hielten die Entscheidungsträger sie zum damaligen Zeitpunkt für eine gute Idee. In den meisten Unternehmen gibt es noch eine andere verderbliche Plage, die enormen Schaden anrichtet. Implizite Vorurteile beinhalten Überzeugungen, über welche die meisten Menschen nicht wirklich nachdenken, die anderen jedoch schaden können. Quelle: „Böse“ von Julia Shaw

Von Hans Klumbies

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