Das größte Gefühl ist die Liebe

Dass Liebe etwas mit Gefühlen zu tun hat, wird so schnell niemand bestreiten. Vermutlich würden die allermeisten Menschen die Liebe schlechthin als Gefühl charakterisieren, als das Gefühl aller Gefühle. Peter Trawny fügt hinzu: „Daher ist Liebe nicht nur Gefühl, sondern das größte und schönste und intensivste aller Gefühle.“ Nun ist unbezweifelbar, dass schon die ersten kulturhistorischen Dokumente großer Liebesgeschichten vor allem das Unausweichliche dieses Gefühls beschreiben. Dabei wird vor allem seine zwingende Kraft und Gewalt hervorgehoben. Der Liebesgott Eros sei ein Tyrann. Das jedenfalls behauptet der Tragiker Euripides in einem seiner Stücke. Wer von Eros berührt wird, ist unrettbar verloren. Er muss seinem Gefühl folgen. Peter Trawny gründete 2012 das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, das er seitdem leitet.

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Böse Taten unterliegen stets einer subjektiven Wertung

Die bösesten Taten sind jene, die genau geplant, mit eiskalter Berechnung durchgeführt werden und dann auf einen qualvollen Tod des Opfers zielen. Trotz der mit amerikanischem Pragmatismus erfolgten Graduierung des Bösen wird man böse Taten niemals wirklich quantifizieren können. Reinhard Haller nennt einen Grund: „Neben den religiösen, moralisch-ethischen und gesetzlichen Maßstäben bleibt die subjektive Wertung stets ein entscheidendes Kriterium.“ Eine der spannendsten, bis heute heiß umstrittenen Fragen ist jene, ob es den Mord oder überhaupt das Verbrechen ohne Motiv gibt. Literaten und Philosophen haben sich mit dieser Frage viel mehr beschäftigt als Kriminologen und Psychiater. Etwa Friedrich Nietzsche in „Der Wanderer und sein Schatten“ oder Max Frisch in „Graf Öderland“. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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Die Pubertät prägt die Suche nach einer stabilen Identität

Wann entscheidet sich, ob Menschen zur Intimität in ihren Beziehungen fähig sind. Für Andreas Salcher spielt zweifellos das Modell der Ehe der Eltern eine wichtige Rolle. Wer als Kind eine intime, vertrauensvolle Beziehung zwischen seinen Eltern erlebt hat, wird sich als Erwachsener leichter damit tun. Herrscht dagegen eine unterkühlt sachliche, vielleicht durchaus freundliche Atmosphäre im Elternhaus, werden Kinder zögern, ihr Innerstes zu offenbaren. Für den deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker Erik. H. Erikson ist es die Aufgabe des frühen Erwachsenenalters, ein gewisses Maß an Intimität zu erreichen. In der Entwicklungsstufe davor, der Pubertät, muss jeder versuchen, aus der Verwirrung zu einer stabilen Identität zu finden. Ab dann ist man dazu bereit, sein „Ich“ durch vielfältige intime Beziehungen mit anderen zu verschmelzen. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Menschen ändern sehr selten ihre eigene Meinung

Der Hang des Menschen, Beweise zu ignorieren, die nicht zu seiner Sicht der Dinge passen, kann persönliche Beziehungen belasten. Dies gilt auch für die Politik, was schon alarmierend genug ist. Der menschliche Verstand scheint äußerst gerne Dinge zu übernehmen, die seinen liebgewordenen Ansichten entgegenkommen. Thali Sharot erklärt: „Auf der einen Seite ist wohlbekannt, dass Menschen in extremer Weise sozialen Einflüssen ausgesetzt sind. Wir unterwerfen uns Trends und ahmen andere nach. Dies geschieht oftmals unbewusst. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass es sehr schwer ist, Menschen dazu zu bringen, eine neue Entscheidung oder Meinung zu übernehmen. Vor allem, wenn sie sich einmal auf eine festgelegt haben.“ Tali Sharot wurde an der New York University in Psychologie und Neurowissenschaften promoviert und ist Professorin am Institut für experimentelle Psychologie der University of London.

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Lehrer erkennen selten Hochbegabte

Begabte Kinder sind ein bisschen anders. Das österreichische Schulsystem hat sich schon immer schwer getan, Hochbegabte zu erkennen. Wie schwer tut es sich erst, die Talente von normal begabten Kindern zu entdecken. Andreas Salcher kritisiert: „Eines der größten Defizite unserer Lehrerausbildung ist die Tatsache, dass zukünftige Lehrer über das Erkennen von Begabungen wenig bis gar nichts lernen.“ Wissenschaftler haben den Zusammenhang zwischen richtiger Förderung von Hochbegabung und dem daraus resultierenden Lebenserfolg untersucht. Die Ergebnisse machen deutlich, dass ein hohes Begabungspotential allein nicht ausreicht, sondern dass sehr wohl eine kompetent fördernde Umwelt notwendig ist. Die menschlich weit noch tragischere Variante der mangelnden Entdeckung von Hochbegabten liegt in den „hochbegabten Schulversagern“. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Die Sexualität ist nicht mehr schambesetzt

Von Beginn des 20. Jahrhunderts an lieferten die visuellen Brachen wie Kino und Werbung Bilder schöner sexueller Körper. Die lösten bei Betrachtern Begehren aus. Eva Illouz stellt fest: „Durch die visuelle Kultur entwickelte sich die Sexualität zu einem sichtbaren Merkmal des Selbst.“ Sie war kein verborgener Teil der eigenen Innerlichkeit mehr und auch keine schambesetzte Identität, die nur in der Privatsphäre der psychoanalytischen Praxis offenbart werden konnte. Es handelte sich jetzt um eine visuelle Darbietung, der sichtbare Konsumgegenstände statt sündiger Gedanken und Begierden innewohnten. Eine solche Sexualität war durch modische Kleidung oder Kosmetik vermittelt. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem sowie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne.

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Niemand kann sich Kränkungen entziehen

Da Kränkungen soziale Mechanismen und Interaktionen sind, gehören sie wegen ihres fließenden Charakters zunächst zu den psychischen Reaktionen und nicht zu den Persönlichkeitsstörungen. Reinhard Haller weiß: „Kränkung hat mehr mit änderbarem Verhalten als mit fixiertem Charakter zu tun.“ Allerdings kann die Struktur der Persönlichkeit durchaus Züge aufweisen, die vermehrt zu Kränkungen der Mitmenschen führen oder besonders verletzungsanfällig machen. So wird beispielsweise die Wesensart wenig feinfühliger, rücksichtsloser und grober Menschen für andere eher kränkend sein. Dagegen sind weiche, sensible oder harmoniebedürftige Personen viel leichter selbst zu verletzen. Ihre erhöhte Vulnerabilität kann neben schlechten Vorerfahrungen, häufigen Traumatisierungen, Selbstwertzweifeln oder aktuellen psychischen Problemen auch in bestimmten Besonderheiten der Persönlichkeit liegen. Bedeutung haben Kränkungen im Verlauf der Persönlichkeitsentwicklung. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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Weise Menschen akzeptieren ihre Stärken und Schwächen

Offenheit ist eine Ressource, die in vielerlei Hinsicht für die Weisheit förderlich ist. Sie beeinflusst, was ein Mensch erlebt, wie er damit umgeht und was er daraus lernt. Judith Glück weiß: „Offener Menschen lernen aus ihren Erfahrungen vor allem, dass es immer noch viel zu sehen und zu lernen gibt.“ Weise Menschen gehen grundsätzlich davon aus, dass die Veränderungen, die in ihrem Leben unvermeidlich sind, etwas Gutes sind. Und dass sie das Potential haben, sie etwas zu lehren, was sie zu besseren Menschen macht. Egal wie schwierig die Umstände gerade sind, dass Leben kann trotzdem immer genossen werden. Denn das sind Momentaufnahmen. Für alle Ressourcen, die zur Weisheit führen, gilt allerdings auch, dass es davon ein Zuviel geben kann. Judith Glück ist seit 2007 Professorin für Entwicklungspsychologie an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt.

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Ein gelingendes Leben gibt dem Dasein einen Sinn

Was macht ein gelingendes Leben aus? Was braucht es, dass ein Mensch das Gefühl hat, sein Leben sei in irgendeiner Weise gelungen und sinnvoll? Ulrich Schnabel meint: „Über diese Fragen denken wir vielleicht selten konkret und zielgerichtet nach. Und doch liegen sie letztlich all unseren Vorstellungen und Überzeugungen zugrunde und sind der heimliche Antriebsmotor unseres Tätigseins.“ Bis weit ins Mittelalter hinein beschäftigte die Frage eines gelingenden Lebens die Menschen eher wenig. Warum? Weil Religion und Tradition eine für alle gültige Antwort vorgaben. Der Sinn des Lebens bestand demnach – stark verkürzt – darin, sich in die vorgefügten Strukturen einzufügen, ein guter Christ zu sein und auf das Jenseits zu hoffen. Ulrich Schnabel ist seit über 25 Jahren Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT.

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Es gibt auch ein Lügen durch Schweigen

Verantwortlich sind Menschen nicht nur für das, was sie tun, sondern auch für das, was sie unterlassen. Dafür wollen aber die wenigsten Verantwortung übernehmen. Als Beispiel nennt Reinhard K. Sprenger das Thema „Ehrlichkeit“. Vielen Menschen ist sie wichtig und gilt als wesentliche Voraussetzung für vertrauensvolles Zusammenleben. Sie meinen damit aber meistens eine Haltung, die etwa mit „Du sollst nicht lügen!“ zu umschreiben wäre. Reinhard K. Sprenger präzisiert: „Das meint: Informationen nicht willkürlich zum eigenen Vorteil manipulieren, Tatsachen nicht bewusst falsch darstellen, auf Fragen nach bestem Wissen und Gewissen antworten.“ Das ist aber lediglich die „passive“ Seite der Ehrlichkeit. Die ist billig. Es gibt nämlich auch ein Lügen durch Schweigen. Reinhard K. Sprenger ist promovierter Philosoph und gilt als einer der profiliertesten Managementberater und Führungsexperte Deutschlands.

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