Es ist nahezu unmöglich, das Böse zu quantifizieren und eine böse Tat mit der anderen zu vergleichen. Reinhard Haller nennt den Grund: „Es gibt dafür keinen Maßstab, die Bösartigkeit ist nicht messbar.“ Dazu kommt, dass jeder Mensch das Böse anders beurteilt und als Opfer unterschiedlich darauf reagiert. Selbst in der Wertung der Mutter des Bösen, des Krieges, gehen die Meinungen auseinander. Sie reichen vom „präventiven“ über den „notwendigen“ und „gerechten“ bis zum „heiligen“ Krieg. In jüngster Zeit wurde mit der Entwicklung der „Skala des Bösen“ durch den amerikanischen Psychiater Prof. Michael Stone und der „Skala der Verderbtheit“ durch dessen Kollegen Dr. Michael Welner aus New York Versuche gemacht, das Böse wissenschaftlich zu messen. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.
Mörder
Reinhard Haller lotet die Abgründe des Bösen aus
Weit über ein Jahr seines Lebens hat sich Reinhard Haller von Mördern ihre Lebensgeschichten erzählen lassen. Es ging ihm darum, die Persönlichkeit der Täter zu beschreiben, ihre Motive zu analysieren und festzustellen, ob sie mit klarem Verstand – das Gesetz spricht dann von bösem Willen – oder krankhafter Absicht gehandelt haben. In seinem neuen Buch „Das Böse“ präsentiert er seine Ergebnisse. Dabei hat er festgestellt, dass die zur bösen Tat führenden Motive, zumindest vordergründig, oft erstaunlich banal waren. Manchmal entwickelt sich das Böse aus einer jahrelangen Konfliktsituation, dann wieder resultiert es aus den sich aufschaukelnden Emotionen eines Streits. Oft entspringt es momentanen Frustrationen, manchmal folgt es einem umfassenden, bis in alle Einzelheiten durchdachten, grauenhaften Plan. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.