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Destruktivität kann selbstzerstörerisch sein

Sigmund Freuds Überlegungen zur Destruktivität konzentrieren sich auf die Möglichkeit der Zerstörung anderer Leben. Insbesondere ist das im Krieg mit seiner waffentechnologischen Erweiterung menschlichem Zerstörungsfuror der Fall. Die Kriegsneurotiker durchlebten die seelischen Folgen des Krieges immer wieder. Sie erlaubten es Sigmund Freud darüber nachzudenken, wie sich Destruktion nicht nur gegen andere, sondern auch gegen einen selbst richtet. Judith Butler weiß: „In der Kriegsneurose setzen sich die Kriegsleiden als durch unerbittliche Wiederholdung geprägte traumatische Symptome fort.“ Man wird bombardiert, attackiert, belagert – alles Metaphern eines Krieges, der auf dem posttraumatischen Schauplatz…

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Begegnungen verändern die Innenwelt

Der innere Wandel, den Begegnung bewirkt, kann auch moralischer Natur sein. Charles Pépin erklärt: „Weil ich dir begegnet bin, weil wir uns plötzlich gegenüberstanden und mich deine Zerbrechlichkeit berührt hat, wurde ich von meinem natürlichen Egoismus oder zumindest von meiner Gleichgültigkeit losgerissen.“ Man fühlt sich dadurch für einen anderen als sich selbst verantwortlich. Die Begegnung mit einem Anderen offenbart die eigene Person als moralisches Wesen. „Sprechen heißt den Anderen erkennen und sich ihm gleichzeitig zu erkennen geben“, schreibt Emmanuel Lévinas in „Schwierige Freiheit“. Die eigene Verantwortung beginnt in dem Moment,…

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Für die Sexualität von Frauen gibt es Märkte

Die körperliche Attraktivität und Sexualität von Frauen sind austauschbare Waren. Eva Illouz erläutert: „Mittels einer breiten Palette von Konsumgütern zur Verbesserung und Formung ihres Körpers arbeiten Frauen an ihrem Erscheinungsbild.“ Dieses investieren sie wiederum in vielfältige Märkte, um Kapital zu produzieren. Der Geldumlauf in diesen Märkten stützt eine symbolische Ökonomie. Diese macht die Sexualität und sexuelle Attraktivität zu einem Attribut von Weiblichkeit als echter, für den Blick produzierter Ware. Seine Visualität macht den Körper zu einer Konsummaschine, die Konsumobjekte formen. Der Look ist eine Form von Eigeninvestition, die durch Netzwerke…

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Eine Gesellschaft braucht gemeinsame Werte

Längst ist die Notwendigkeit, bewusst den Blick auf die für den Gefühlshaushalt wesentliche Dinge im Leben zu richten, zu einem Thema von gesellschaftlicher Relevanz geworden und betrifft daher auch die Politik. Hans-Otto Thomashoff ergänzt: „Eine Diskussion ist in Gang gekommen, die zum Ziel hat, dass wir unsere Gesellschaft so umbauen, dass sie sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert.“ Das Teilen von Gefühlen, das zu zweit im direkten Austausch bestens funktioniert, klappt genauso in der Gesellschaft. Kulturell geteilte Umgangsformen und gemeinsame Werte führen zu einem Wir-Gefühl, das in der Resonanz…

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Die Psyche gliedert sich in drei Bereiche

Mit der Entfaltung eines Menschen ist es derzeit nicht so einfach, denn auch das Privatleben hat sich stark verändert. Erfahrungen verändern einen Menschen. Michaela Brohm-Badry erläutert: „Wir bestehen aus unserem Körper und unserer Psyche, die sich in drei Bereiche gliedert: Kognition, Motivation und Emotion – Denken, Wollen und Fühlen.“ Der Körper als Organismus ist der materielle Teil des Menschen, welcher der Seele – Emotion – beziehungsweise dem Geist – Kognition und Motivation – als immateriellem Teil Heimat gibt. Physiologisch ist er aus Blut und Wasser, Knochen, Muskeln, Eiweiß, Phosphor und…

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Die Symptome der Bitterkeit sind aggressiv

Reinhard Haller stellt fest: „Die Symptome der Verbitterung ähneln jenen der Depression, sind aber wesentlich aggressiver und selbstzerstörerischer.“ Während die Depression lähmt, regt die Verbitterung auf. „Die Depression ist ein starrer, dunkler Klumpen. Die Bitterkeit schwingt, sie bewegt sich wie ein zirkulierendes Gift und ist leicht abzurufen“, sagt der Berliner Psychiater Michael Linden. Im Vordergrund der Beschwerden stehen Missmut und Freudlosigkeit, Gefühle von Hilflosigkeit, Schuldvorwürfe gegen anderen und sich selbst. Weitere Symptome sind aggressive und suizidale Fantasien, innere Unruhe, Schlafstörungen, psychosomatische Beschwerden wie Magen- und Gallenleiden, Rückenschmerzen sowie Druck auf…

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Jeder Mensch besitzt Selbst-Netzwerke

Der Besitz eines Selbst-Systems macht den Menschen zu einer einzigartigen Spezies. Des ist eines mit zwei Perspektiven, ein Ich-Du-System und Sitz sowohl dessen, was man als eigenes Selbst erleben und erkennen kann, als auch Repräsentanz des signifikanten Anderen. Joachim Bauer erläutert: „Seine Eigenschaften sind einerseits psychischer Natur, wir können das Selbst subjektiv erleben und beobachten. Andererseits ist es neurobiologisch verankert und lässt sich aus der Sicht eines wissenschaftlichen Betrachters beschreiben.“ Die Selbst-Netzwerke überlappen sich auch mit den Netzwerken, die das Wir-Umfeld einer Person kodieren, und sind mit diesen Netzwerken teilweise…

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Ein Konflikt ist kein Wettbewerb

Wer Konflikte als Gewinner-Verlierer-Modell spielt, will gewinnen. Und hat damit verloren: nämlich den Verlierer. Als Freund, als Kollegen, als Ehemann, als Kraft der Solidargemeinschaft. Reinhard K. Sprenger weiß: „Sie können sicher sein: Für Ihren Sieg werden Sie einen Preis bezahlen. An einem Ort, wo Sie es nicht für möglich halten. Zu einem Zeitpunkt, auf den Sie nicht vorbereitet sind. Aber Sie werden ihn zahlen.“ Denn niemand lässt eine Niederlage auf sich sitzen. Das „schlagende“ Argument ist nämlich bei Weitem nicht immer das Beste, was sich Menschen gegenseitig antun. Deshalb ist…

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Erinnerungen können verschwinden

Erinnerung ist kein Ort im Gehirn, an dem etwas von früher gespeichert wäre. Man realisiert sie in der Gegenwart, für andere und vor anderen. Sonst wäre das, woran man sich erinnert, gar nicht mittelbar. Valentin Groebner erläutert: „Deswegen verblassen Erinnerungen, die ich anderen nicht erzähle, und verschwinden. Häufiger aufgerufene Episoden aus meiner eigenen Vergangenheit dagegen verändern sich genau dadurch, dass ich mich an sie erinnere und sie dabei aufdatiere.“ Sich an etwas zu erinnern heiß, es durch Benutzung umzuschreiben. Der Speicher im Kopf unterscheidet nicht zwischen Träumen, Filmen, Fotografien und…

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Ein System kann schnell ins Wanken geraten

Durch eine einzelne Aktion, ähnlich wie beim Wischen auf dem Smartphone, kann ein ganzes System ins Wanken geraten. Der Neurowissenschaftler und Psychiater Manfred Spitzer bezeichnet dieses Phänomen als „Schwarmdummheit“. Er erklärt: „Schwarmdummheit bezeichnet das Auseinanderfallen eines Kollektivs von Menschen durch übermäßige Kommunikation.“ Manfred Spitzer leitet diesen Begriff von Fischschwärmen her. Auf Menschen ist dieses Prinzip allerdings nur begrenzt anwendbar, weil Menschen durch ihre Kommunikation dieses Kollektiv in Gefahr bringen. Rüdiger Maas erläutert: „Der Grund hierfür liegt in der Sozialpsychologie: Werden Meinungen in Gruppen geteilt, können diese andere Menschen in ihren…

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