Vorurteile können sich im Kopf festsetzen

Es liegt in der Natur der Menschen, dass die negative Gedanken nur schwer vertreiben können, wenn sie erst einmal darauf fixiert sind. Man könnte sogar sagen, dass sie sich dann im Großen und Ganzen eher verstärken. Shunmyo Masuno weiß: „Wenn man die Dinge jedoch zu dem Punkt zurückverfolgt, an dem sie begonnen haben, dann erweist sich der Ursprung fast immer als Triviales.“ Meistens sind es Bagatellen. Das ist es, was Shunmyo Masuno als „gefärbte Brille“ bezeichnet. Er meint damit, dass man vorgefasste Meinungen hat. Sie scheinen unerheblich zu sein, aber sie können Probleme verursachen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich im Kopf festzusetzen. Shunmyo Masuno ist ein japanischer Zen-Mönch, preisgekrönter Zen-Garten-Designer sowie Professor für Umweltdesign an der Tama Art University in Tokyo.

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Emotionen besitzen starke Kräfte

Vorbilder nutzen die Kraft der positiven Emotionen, um Einfluss geltend zu machen und zu bestärken. Demagogen und Diktatoren nutzen die Macht von negativen Emotionen, um Menschen zu unterjochen und einzusperren. Nach Aristoteles nutzen sie alle die Kraft des Pathos. Thorsten Havener weiß: „Wenn Sie positive Emotionen aussenden und säen, dann werden sie im Gegenzug positive Emotionen empfangen und ernten. Wenn Sie jedoch eine Stimmung der Angst und Unberechenbarkeit verbreiten, schaffen Sie eine Umgebung von Angst und Unberechenbarkeit.“ Jeder Mensch entscheidet persönlich, welche Umgebung er kultiviert, indem er sie selbst schafft. Wie kann man die Kraft der Emotionen nutzen, um andere zu beeinflussen? Der erste Schritt besteht ganz einfach darin, die richtigen Emotionen zu zeigen. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist.

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Narzissten sind süchtig nach Bewunderung

Grandiosität und Anspruch stehen im Zentrum des narzisstischen Ichs. Mitja Back nennt Beispiele: „Es macht Spaß, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu sein“, „Ich möchte bewundert werden“ und „Ich strebe danach, von vielen Menschen erkannt zu werden.“ Das narzisstische Ich will also bewundert werden, bekannt sein, oben stehen. Es ist der tiefsitzende Wunsch nach sozialem Status, der Narzissten antreibt. Für sie gibt es nichts Belohnenderes als die soziale Droge der Bewunderung, aber auch nichts Bestrafenderes als sich diese vor der Nase wegschnappen zu lassen. Der Stadtplaner, Architekt und Autor Georg Franck bringt es auf den Punkt: „Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen.“ Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.

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Das Ressentiment zehrt und bohrt

Max Scheler hat das Ressentiment 1912 in einem Essay mit großer Klarheit definiert. Er schreibt: „Es ist das wiederholte Durch- und Nachleben einer bestimmten emotionalen Antwortreaktion gegen einen anderen […], durch die jene Emotion eine gesteigerte Vertiefung und Einsenkung in das Zentrum der Persönlichkeit sowie eine damit einhergehende Entfernung von der Ausdrucks- und Handlungszone der Person erhält.“ Der Schlüsselbegriff, um die Dynamik des Ressentiments zu verstehen, ist für Cynthia Fleury das wiederholte Durch- und Nachleben. Dabei handelt es sich ihrer Meinung nach um etwas, das durchgekaut und wiedergekäut wird, übrigens mit der charakteristischen Bitterkeit einer vom Kauen ausgelutschten Speise. Die Philosophin und Psychoanalytikerin Cynthia Fleury ist unter anderem Professorin für Geisteswissenschaften und Gesundheit am Conservatoire National des Arts et Métiers in Paris.

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Der Hass ist elementares Gefühl

Wenn dem Hass eine Liebe vorausgeht, die sich verraten fühlt, dann muss man bei der Analyse des Hasses tiefer ansetzen. Und die Frage, was das Befriedigende, womöglich sogar Lustvolle am Hass sein kann, blendet man ebenfalls aus. Konrad Paul Liessmann weiß: „Eine rasche moralische Verurteilung verkennt, dass es sich beim Hass um ein elementares Gefühl handelt, das in all seiner Destruktivität auch produktive Energien freizusetzen weiß.“ Zur Anatomie dieses verstörenden Gefühls trägt die klassische Definition, die Baruch Spinoza in seiner „Ethik“ gegeben hat, einiges Erhellendes bei. Baruch Spinoza schreibt: „Es geschieht in der Natur nichts, was ihr als Fehler angerechnet werden könnte. Denn die Natur ist immer dieselbe, und ihre Kraft und ihr Vermögen zu wirken ist überall gleich.“ Konrad Paul Liessmann ist Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.

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Der Appetit auf Zucker ist nahezu unbegrenzt

Eine der interessantesten Konsequenzen der evolutionären Psychologie ist, dass sie viele Fehlfunktionen des menschlichen Denkens und Handelns erklären kann. Hanno Sauer weiß: „Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel für eine solche Inkongruenz von Geist und Umwelt ist unser nahezu unbegrenzter Appetit auf Zucker. Kohlenhydrate sind eine wichtige Energiequelle für den menschlichen Körper, und Energie war meist vor allem eines: knapp.“ Es ergab daher Sinn für die Menschen, eine Disposition evolutionär ererbt zu haben, die dafür sorgte, dass sie keine Gelegenheit auslassen würden, Zucker zu sich zu nehmen. Solange Kohlenhydrate rar sind, bleibt diese Disposition auch adaptiv. Denn die Lust am Zucker motiviert die Menschen effektiv, eine für sie wichtige Energiequelle in sich aufzunehmen. Hanno Sauer ist Associate Professor of Philosophy und lehrt Ethik an der Universität Utrecht in den Niederlanden.

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Das Trauma der Geburt besteht lebenslang

Der erste Schrei eines Neugeborenen ist Ausdruck von Verlust, Trennung, Vereinzelung und Todesangst. Der Psychoanalytiker Otto Rank hat in diesem „Trauma der Geburt“ den Verlust einer embryonalen „Urlust“ und Wurzel aller Ängste gesehen, die der Mensch in seinem späteren Leben entwickelt. Albert Kitzler ergänzt: „Erst wenn die Hebamme das Neugeborene auf den Bauch der Mutter legt, hört es auf zu weinen, weil es wiedervereinigt ist mit dem, woher es kommt.“ Viele Impulse, Regungen und Empfindungen hat der Fötus über die Blutbahn der Mutter, ihre Bewegungen und Gefühle über das gemeinsame Netzwerk des Hormon-, Nerven- und Immunsystem erhalten und gespeichert. Der Philosoph und Medienanwalt Dr. Albert Kitzler gründete 2010 „Maß und Mitte – Schule für antike Lebensweisheit und eröffnete ein Haus der Weisheit in Reit im Winkl.

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Depressive leiden an Hoffnungslosigkeit

Während einer depressiven Phase geht die Kontrolle über die Stimmung verloren. Bei einer leichten depressiven Verstimmung sind noch Fähigkeiten vorhanden, den Schleier etwa durch Ablenkung oder bei bestimmten Ereignissen zu durchbrechen. Bei mittelschwerer und schwerer Depression gelingt dies nicht mehr. Heinz-Peter Röhr erläutert: „Die Stimmung hat sich der willentlichen Kontrolle entzogen. Sie ist tief im Keller, verbunden mit dem starken Gefühl der Hoffnungslosigkeit, Leere und Sinnlosigkeit.“ Betroffen beschreiben einen Zustand des „Getrenntseins“ und der Gefühllosigkeit. Auch das Feststecken in endlosen Kreisläufen des Grübelns ist eine typische Beschreibung. Ängste und ein starkes Grübeln sind zu beobachten. Meist ist auch das Selbstwertgefühl extrem geschädigt: „Ich bin wertlos, ich fühle mich schuldig …“ Heinz-Peter Röhr ist Pädagoge und war über dreißig Jahre lang in der Fachklinik Fredeburg/Sauerland für Suchtmittelabhängige psychotherapeutisch tätig.

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Philipp Sterzer interessieren Überzeugungen

Was Philipp Sterzer sehr interessiert, sind Überzeugungen. Natürlich haben Überzeugungen Theorien und Aussagen zum Inhalt. Bei Überzeugungen kommt aber noch ein weiterer wichtiger Aspekt hinzu. Nämlich der, dass zu einer Überzeugung immer auch eine Person gehört, die diese Überzeugung hat. Philipp Sterzer erklärt: „Die Person muss irgendwie zu dieser Überzeugung gelangt sein. Sie hält an ihr fest, vertritt sie möglicherweise gegenüber anderen Personen und ist mehr oder weniger bereit, sie zu ändern – meistens weniger –, wenn sich die Evidenzlage ändert.“ Der Begriff der Rationalität sieht die Überzeugung als mentalen Akt oder Zustand einer Person und beleuchtet damit nicht nur eine inhaltliche Aussage auf ihre Wahrhaftigkeit hin, sondern auch die Person im Verhältnis zu dieser Aussage. Im Jahr 2011 berief man Philipp Sterzer zum Professor für Psychiatrie und computationale Neurowissenschaften an die Charité in Berlin. 2022 wechselte er an die Universität Basel.

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Moralisches Verhalten ist nicht beliebt

Ähnlich wie die Strategie zur Vermeidung von Informationen funktioniert auch das Kalkül des Verzichts von Handlungsoptionen. Die Vermeidungsstrategie setzt darauf, einen moralischen Konflikt erst gar nicht entstehen zu lassen. Sie vermeidet absichtsvoll moralisch relevante Entscheidungssituationen. Man weicht dabei nicht nur einer Information aus, sondern gleichsam einer „Prüfung“. Armin Falk weiß: „Die Strategie funktioniert aber nur als Selbstbetrug.“ Unter kontrollieren, wissenschaftlichen Bedingungen studierte man die Vermeidung von Handlungsoptionen. Menschen sind bereit, Kosten auf sich zu nehmen mit dem Ziel, Situationen zu vermeiden, in denen sie aufgefordert sein könnten, sich moralisch zu verhalten. Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung, sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn.

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