Für die Sexualität von Frauen gibt es Märkte

Die körperliche Attraktivität und Sexualität von Frauen sind austauschbare Waren. Eva Illouz erläutert: „Mittels einer breiten Palette von Konsumgütern zur Verbesserung und Formung ihres Körpers arbeiten Frauen an ihrem Erscheinungsbild.“ Dieses investieren sie wiederum in vielfältige Märkte, um Kapital zu produzieren. Der Geldumlauf in diesen Märkten stützt eine symbolische Ökonomie. Diese macht die Sexualität und sexuelle Attraktivität zu einem Attribut von Weiblichkeit als echter, für den Blick produzierter Ware. Seine Visualität macht den Körper zu einer Konsummaschine, die Konsumobjekte formen. Der Look ist eine Form von Eigeninvestition, die durch Netzwerke von Geld und Sexualität fließt. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Außerdem ist sie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne.

Bilder sexueller Körper steigern deren Wert

Eva Illouz stellt fest: „Wir können buchstäblich von einem kreuz und quer verlaufenden Netzwerk verschiedener Märkte sprechen, die sich im sexuellen Körper und sexuellen Austausch überschneiden.“ Diese Überschneidung bringt Märkte hervor, in denen man Wert durch die Aufwertung von Bildern sexueller Körper schafft. Diese dienen dem Konsum durch den Blick in ökonomischen und sexuellen Märkten. Dabei handelt es sich um eine kontinuierliche Maschinerie, die Schönheitsikonen und Konsumgegenstände in sexuell attraktive Körper verwandelt.

Diesen Umstand befeuert die Wirtschaft immer wieder neu, indem sie den attraktiven Körper in eine Quelle von Wert verwandelt. Eva Illouz weiß: „Der Blick ist ein essentielles Instrument für diese sexuellen und ästhetische Mehrwertschöpfung.“ Die Entstehung von Internet-Dating-Sites und sozialen Medien vergrößerte und intensivierte dieses Regime. Diese versetzten die Akteure in die Lage, ein idealisiertes und attraktives Selbst zu präsentieren, das auf einer Vielzahl visueller Plattformen weiträumig zirkuliert.

Der weibliche Körper ist einer Kommerzialisierung unterzogen worden

Diese Plattformen formalisieren die Vermarktung von Körpern und sexuellen Begegnungen. Dank der feministischen Theorie weiß man, dass die unbezahlte Arbeit von Frauen in der Familie entscheidend zur Entwicklung und Instandhaltung der kapitalistischen Maschine beiträgt. Eva Illouz erklärt: „Der Konsumkapitalismus nutzt Frauen anderes, nämlich durch die performative Arbeit der Produktion sexuell attraktiver Körper. In der Zivilgesellschaft des Industriekapitalismus verlangten die Männer, dass die weiblichen Körper „nur“ zum Zwecke der Ehe oder der Prostitution verkäuflich seien.“

Im Konsumkapitalismus ist das anders. In der sozialen und ökonomischen Struktur, welche die Sexualität organisiert, ist der weibliche Körper einem pauschalen Prozess der Kommodifizierung, sprich Kommerzialisierung, unterzogen worden. Er setzt nun eine große Palette an Verbraucherpraktiken voraus. Und man verbreitet ihn in Märkten, die zugleich ökonomisch und sexuell, sexuell und matrimonial sind. Diese Aneignung des weiblichen sexualisierten Körpers stellt eine Enteignung von Wert im Sinne von Karl Marx dar. Eine Klasse – die Männer – zieht Wert aus den Körpern einer anderen Klasse – der Frauen. Quelle: „Warum Liebe endet“ von Eva Illouz

Von Hans Klumbies

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