Vor den Erfolgen stehen meist Verluste

Erst mit zunehmender Erfahrung können Menschen lernen, eine der fundamentalen Lebensweisheiten zu verstehen. Der Zyklus des Auf und Ab ist nicht ihr Feind, selbst wenn sie dieser zwangsläufig immer wieder nach unten führt. Andreas Salcher erklärt: „Das Übel kommt von den Blockierungen. Gerade in der Phase des Abschwungs findet die Entwicklung, vor allem die so notwendige spirituelle Entwicklung, statt.“ Wer die Erfolge seines Lebens reflektiert, wird feststellen, dass er davor fast immer Verluste erleiden musste. Diese haben ihn zur Auseinandersetzung mit sich selbst gezwungen. Im mittleren Erwachsenenalter beginnt man zu ahnen, dass das Anstreben des „immer mehr“ nicht auf ewig funktionieren kann. Lernen bedeutet nicht das ständige Hinzufügen von Wissen, sondern auch ganz bewusstes Verlernen. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Die Emotionen lenken das Wollen

Die Emotionen bestimmen die menschlichen Grundeinstellungen gegenüber Personen und Handlungen. Sie lenken das Wollen und haben höchsten Einfluss auf das Verhalten. Der Ursprung der Emotionen ist in einem der ältesten Teile des Gehirns gelegen, dem sogenannten limbischen System. Reinhard Haller weiß: „Sie sind für unser Menschsein so wichtig, dass sie vom reinen Verstand gar nicht getrennt werden können.“ Bereits Friedrich Nietzsche hat dies in einer Zeit lange vor der hochwissenschaftlichen Hirnforschung erkannt. Der Philosoph sagt: „Hinter den Gefühlen stehen die Urteile und Wertschätzungen.“ Der komplexe Prozess der Emotionen läuft auf verschiedenen physiologischen und psychischen Funktionen ab. Er beeinflusst das Verhalten der Menschen besonders bei Belastungen. Die in solchen Stresssituationen auftretenden Gefühle teilt man in solche aggressiver und in solche abwehrender Natur ein. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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Das Selbst ist ein lebendiger Akteur

Kurz nach der Geburt ist das Selbst eines Menschen noch nicht vorhanden. Es ist noch im Körpergefühl des Kindes verborgen. Joachim Bauer erklärt: „Erst mit der postnatal voranschreitenden biologischen Reifung des Stirnhirns kommt es zur Abspeicherung erster Eindrücke eines Selbst.“ Das menschliche Selbst ist nicht auf seine rezeptiven Eigenschaften beschränkt. Es entwickelt sich – im wahrsten Sinne des Wortes von Kindesbeinen an – auch zu einem lebendigen Akteur. Kaum ist es in seinen Grundstrukturen etabliert, beginnt es, seine Wahrnehmung und an die eigene Person herangetragene Angebote zu bewerten. Es geht auf die Welt zu, entwickelt Vorlieben, erprobt Möglichkeiten, es selektiert und verwirft. Das menschliche Selbst kann sich und die Welt jedoch nicht neu erfinden. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

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Liebesentzug führt zu Kränkungen

Blickt man auf den psychologischen Hintergrund des destruktiven Charakters von Kränkungen, handelt es sich immer um Liebesentzug oder Liebeszurückweisung. Leidet ein Kind unter Liebesmangel, unter fehlender Zuwendung, Zärtlichkeit und Zeit seiner Bezugspersonen, reagiert es irritiert und letztlich gekränkt. Reinhard Haller fügt hinzu: „Die menschliche Urangst, zu wenig geliebt zu sein, führt zu erhöhtem Verlangen nach positiver Reaktion und zu anhaltender Verunsicherung in diesem Bereich. Auch nach der Kindheit, während des ganzen Lebens.“ Umgekehrt können sich Kränkungen auch aus zurückgewiesener Liebe entwickeln. Findet das Bedürfnis nach positiver Zuwendung keinen Abnehmer, ist dies genauso kränkend. Davon ist das Leben voll, so bei nicht erwiderter Liebe, bei abschlägiger Beantwortung einer Stellenbewerbung, bei ausbleibendem Verkaufserfolg oder negativer Kritik. Reinhard Haller ist Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik mit dem Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankungen.

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Jeder Augenblick ist unwiederbringlich

Ein Mensch sollte ein Bewusstsein davon haben, dass jeder Augenblick unwiederbringlich ist. Und auch die Person selbst ist in diesem Augenblick ganz und gar unwiederbringlich. Das Selbst ist als Ereignis zu betrachten, welches das Erleben von Identität aus dem geschichtlichen Leben herauslöst. Alles, was ein Mensch ist, ist jetzt. „Alles Bewusstsein“, hat Johann Gottlieb Fichte geschrieben, sei „bedingt durch das unmittelbare Bewusstsein unserer selbst“. Johann Gottlieb Fichte war von der Vorstellung bestimmt, dass sich ein Mensch jederzeit unmittelbar durch Präsenz zu erfahren vermag. Georg Milzner ergänzt: „Und zwar auch und gerade da, wo sich unser Bewusstsein auf etwas anscheinend Banales, Leeres richtet.“ Noch bevor er denkt, spielt der Mensch. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

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Trauer und Zorn sind nur schwer zu unterscheiden

Auch wenn die „Trauer“ herkömmlicherweise nicht unter die reaktiven Haltungen gerechnet wird, liegt sie doch dem Zorn so nahe. Deshalb geht Martha Nussbaum zunächst darauf ein, worin sie sich von ihm unterscheidet. Die Trauer ist genau wie der Zorn auf einen entstandenen Schaden oder Verlust gerichtet. Martha Nussbaum schreibt: „Dieser Verlust ist schmerzhaft. Und in diesem Schmerz besteht die zentrale Ähnlichkeit zwischen den beiden Emotionen. Die Trauer aber konzentriert sich auf eine Ereignis. Bei dem kann es sich um eine von einer Person begangene Tat handeln, aber auch um ein natürliches Ereignis wie beispielsweise den Tod oder eine Naturkatastrophe.“ Und sie konzentriert sich auf den von diesem Ereignis verursachten Verlust. Martha Nussbaum ist Philosophin und Professorin für Rechtswissenschaften und Ethik an der University of Chicago. Sie ist eine der einflussreichsten Philosophinnen der Gegenwart.

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Bewusstsein und Gedächtnis bilden den Geist

Der bewusste Geist und das Gedächtnis haben jeweils eigene Funktionen, aber für die Funktionsfähigkeit des Ganzen ist entscheidend, wie sie zusammenwirken. Wenn ein Mensch denkt, taucht er immerzu in Erinnerungen hinab. David Gelernter erläutert: „Rückgriffe auf das Gedächtnis sind ein Teil des Denkens.“ Zwischen Wahrnehmung und Erinnerungsvermögen findet ein ständiger Austausch statt. Aber wie funktioniert das Erinnern? Ein äußeres Ereignis oder ein Gedanke kann als Stichwort für eine Erinnerung dienen und dafür sorgen, dass man sich erinnert. Freie Assoziationen können oberflächlich sein oder tief gehen. Häufig führt die flache Variante zu etwas tiefer Liegendem. Durch oberflächliche Gedankenstreifzüge können oft tiefergehende freie Assoziationen entstehen, ja sogar manchmal ein Denken in Themenkreisen. Bei solche tiefergehenden Assoziationen führt eine Erinnerung als Ganzes zur nächsten. David Gelernter ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale University.

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Der Geist ist zuständig für Assoziationen

Die Assoziation wurde als Kerneigenschaft des Geistes angesehen, seit die frühesten Philosophen zu verstehen versuchten, wie die Menschen ticken. Julia Shaw erklärt: „Die sogenannten Assoziationsgesetze beruhen auf einem Konzept Platons. Aristoteles schrieb sie im Jahr 300 vor Christus offiziell als Gesetze fest.“ Er sah sie als Prinzipien an, die jeglichem Lernen zugrunde liegen. Wobei Lernen natürlich ein Prozess der Erinnerung ist. Aristoteles beschreibt in seiner Schrift „Gedächtnis und Erinnerung“ vier Assoziationsgesetze. Das erste ist das Gesetz der Ähnlichkeit – das Erleben oder Erinnern eines Objekts ruft die Erinnerung an Dinge hervor, die diesem Objekt ähnlich sind. Das zweite ist das Gesetz des Gegensatzes. Das Erleben oder Erinnern eines Objekts weckt die Erinnerung an Dinge, die konträr zu ihm sind. Die Rechtspsychologin Julia Shaw lehrt und forscht an der London South Bank University.

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Es gibt verschiedene Schuldarten

Für Helga Kernstock-Redl gibt es bei näherer Betrachtung unterschiedliche Schuldarten. Die „Moral-Schuld“ ist eine Frage der Ehre. Gute Menschen tun dies oder jenes nicht. Daneben steht die konventionelle oder „Regel-Schuld“. In einem Umfeld gelten diese, im anderen andere soziale Regeln. Schon früh unterscheiden Kinder diese beiden Schuldarten. Sie bewerten die Moral-Schuld völlig anders als eine bloße Regel-Schuld. Für allergrößte Verwirrung sorgt jedoch die dritte Form, die „Ursachen-Schuld“. Helga Kernstock-Redl weiß: „Schuldgefühle und die dahinter stehenden Regeln können eingeredet werden. Sei es manipulativ oder mit guter Absicht. Manches ist ein simples Missverständnis, verursacht durch Ungenauigkeiten unserer Sprache.“ Es gibt in zwei von zehn Fällen weitere Ursachen, die einem Schuldgefühl zugrunde liegen. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt.

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Der Narzisst ist von Neid zerfressen

Heinz Kohut ist ein aus Wien stammender amerikanischer Psychoanalytiker. Er vertritt die These, dass ein Narzisst nur dann befriedigt ist, wenn er den Kränkenden bis zur völligen Vernichtung entwerten kann. Der narzisstisch Gekränkte kann nicht ruhen, bis er den unscharf wahrgenommenen Beleidiger ausgelöscht hat. Denn dieser wagte es, ihm entgegenzutreten, nicht mit ihm übereinzustimmen oder ihn zu überstrahlen. Reinhard Haller weiß: „Hinter all dem steht als psychodynamische Triebkraft der Neid. Der Neid auf allen, denen es scheinbar besser geht oder die überlegen sind.“ Diese als höchst bedrohlich wahrgenommenen Konkurrenten können nur durch die totale Entwertung abgewehrt werden. Auf narzisstische Kränkungen reagieren manche mit narzisstischer Wut. Deren Heftigkeit ist für die Mitmenschen oft nicht nachvollziehbar. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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