Heutzutage wollen sich die Menschen so viele Optionen wie möglich offenhalten, wollen sich nie und nirgends festlegen. Andreas Salcher fügt hinzu: „Denn wer sich festlegt, der könnte noch etwas Besseres versäumen. Diese Unentschlossenheit drückt sich in der Angst davor aus, stehen zu bleiben und so zurückzufallen. Wer sich an etwas festhält, ist nicht flexibel genug für unsere schnelllebige Gesellschaft.“ Das Motto „Nix ist fix“ prägt Ehen, Partnerschaften, Freundschaften, Sozialsysteme und letztlich auch die Beziehungen zwischen Staaten. Der US-Wissenschaftler Daniel Hamermesh hat einen paradoxen Zusammenhang entdeckt: Menschen leiden umso mehr unter knapper Zeit, je reicher sie sind. Dr. Andreas Salcher ist Mitgebegründer der „Sir Karl-Popper-Schule“ für besonders begabte Kinder. Mit mehr als 250.000 verkauften Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.
Zeit
In einer dynamischen Welt ist wenig planbar
Entspannter leben, glücklicher sein, Ziele erreichen – ein Traum? Viele Menschen machen To-do-Listen, strukturieren Aufgaben, denken aber nicht über ihre Auszeiten nach. Und vergessen, dass sie meist mehr Zeit für andere Dinge im Leben haben möchten als nur fürs Pflichtprogramm. Cordula Nussbaum weiß: „In unserer agilen, dynamischen Welt ist oft wenig planbar. Im Job kommen die Aufgaben immer schnelles und ungeplanter, flexibles und kreatives Agieren ist angesagt.“ In der Familie läuft vieles spontan, planbar ist da nicht alles, Unerwartetes passiert im Alltag häufig. „Klassisches Zeitmanagement mit To-do-Listen und akkurater Terminplanung hilft uns heute nur bedingt“, erklärt Cordula Nussbaum, sie sich schon seit 20 Jahren mit dem Thema Zeitmanagement befasst. Die ehemalige Wirtschaftsjournalistin Cordula Nussbaum wird oft als „führende Zeitmanagement-Expertin“ bezeichnet.
Die Beschleunigung prägt die Gegenwart
Immer mehr Menschen entwickeln das Gefühl, dem Veränderungstempo in der Arbeitswelt nicht länger gewachsen zu sein und abgehängt zu werden. Immer ausgefeiltere Techniken helfen ihnen, immer mehr Zeit zu „sparen“, und doch haben sie immer weniger davon. Daniel Goeudevert erklärt: „Dieses seltsame Paradox scheint mir geradezu eine Grunderfahrung der Gegenwart zu sein, deren prägendstes Merkmal ja tatsächlich die Beschleunigung ist.“ Immer mehr in immer kürzerer Zeit zu schaffen, ist das mantramäßig gepredigte Ideal des Industriezeitalters. Denn die permanente Temposteigerung prägt ja längst nicht mehr nur Wirtschaft und Arbeitswelt. Sie hat ebenso das soziale wie das ganz private Leben erfasst. Auch die „freie“ Zeit ist zum Teil auf das Engste durchgetaktet. Daniel Goeudevert war Vorsitzender der deutschen Vorstände von Citroën, Renault und Ford sowie Mitglied des Konzernvorstands von VW.
Die Zeit verrinnt im Alter immer schneller
Je älter ein Mensch wird, desto schneller verrinnt seine Zeit. Andras Salcher blickt zurück: „In der Kindheit fehlte uns noch jedes Gefühl für die Zeit, die Sommerferien dauerten endlos lange, die Zukunft erschien uns in weiter Ferne.“ Erst in der Pubertät ahnte man, dass jedes Leben endlich ist. Man fühlte sich davon aber nicht wirklich betroffen. Der Tod eines Verwandten oder Haustieres irritierte einen zwar kurzfristig, den Bezug zur Endlichkeit des eigenen Lebens erfasste man freilich nicht. Mit 30 Jahren sind viele Menschen noch angenehm überrascht, wie wenig ihnen dieser runde Geburtstag ausmachte. Mit 40 kam dann allerdings die Bestätigung, dass alle recht hatten, die meinten, dass das Leben umso schneller verfliegt, je älter man wird. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Autor von Bestsellern und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
Erregung erhöht die Leistung des Gedächtnisses
Wenn ein Forscher sagt, eine Versuchsperson sei erregt, dann meint er, das Herzfrequenz, Schwitzen, Pupillendilatation und andere physiologische Indikatoren relativ zum Ruhezustand erhöht sind. Und es hat sich laut Julia Shaw gezeigt, dass das Erregungsniveau eines Menschen eine große Rolle für seine Fähigkeit spielt, Erinnerungen zu verschlüsseln, zu speichern und abzurufen. Eine Steigerung der Erregung geht zugleich mit einer Erhöhung der Gedächtnisleistung einher. Das ist stimmig. Denn wenn man an seine lebhaftesten Erinnerungen zurückdenkt, geht es meist um emotionale Ereignisse. Nun ist die Versuchung groß, vorschnell den Schluss zu ziehen, dass größere Erregung dabei hilft, Dinge zu behalten. Doch Julia Shaw schaut genauer hin und stellt fest: „Wenn wir übererregt und panisch sind, erscheint uns unser Kopf oft leer. Und deshalb vergessen wir Informationen, die wir andernfalls ganz leicht abrufen könnten.“ Die Rechtspsychologin Julia Shaw lehrt und forscht an der London South Bank University.