Die Logotherapie – Philosophie oder eine Methode der Psychologie? Beides? Die Klärung ist müßig und letzten Endes ohne Bedeutung. Vielleicht ist Logotherapie angewandte Philosophie, die aus der Praxis entwickelt ist. Jedenfalls ist sie wirkungsvoll und hat zahllosen Menschen geholfen, ein entglittenes Leben wieder in den Griff zu bekommen. Viktor Frankl, geboren am 26. März 1905 in Wien, hat ein Medizinstudium absolviert und regen Gedankenaustausch mit Sigmund Freud und Alfred Adler gehabt. Sein Spezialgebiet war von Anfang an die Suizidprävention. Im Jahr 1928 gründete er in Wien die Jugendberatungsstellen mit dem Zweck, Schülersuiziden zuvorzukommen. Die hatten sich nämlich gehäuft, zumal wenn die Matura – Abitur – nicht bestanden wurde. Friedrich Torbergs Roman „Der Schüler Gerber“ ist die literarische Aufarbeitung dieser Zustände. Weltweit bekannt ist Viktor Frankl für seine Entwicklung der Logotherapie.
Viktor Frankl
Lebensziele sollen erfüllen und begeistern
Wer in seinem Leben eine Berufung gespürt hat, der kann sie erneuern und auf die zweite Lebenshälfte ausrichten. Im Wort Berufung steckt das Wort „Ruf“, deshalb nennt man es im Englischen „Calling“. Andreas Salcher betont: „Sind wir bereit, diesem Ruf zu folgen, kommen wir dem höheren Sinn unseres Lebens näher.“ Die Frage „Was ist mein Lebensziel?“ soll einen Menschen ermutigen, darüber nachzudenken, was er weitergeben und hinterlassen will. In der zweiten Lebenshälfte ist man viel freier, sich neue Ziele zu setzen, die einen wirklich erfüllen und begeistern. Vielleicht hilft es, die Frage konkreter zu stellen: „Wofür lebe ich in der zweiten Lebenshälfte?“ Ein Mensch sollte einen Lebensmittelpunkt haben, etwas, worin er gut ist und was andere Menschen brauchen. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
Die Zeit verrinnt im Alter immer schneller
Je älter ein Mensch wird, desto schneller verrinnt seine Zeit. Andras Salcher blickt zurück: „In der Kindheit fehlte uns noch jedes Gefühl für die Zeit, die Sommerferien dauerten endlos lange, die Zukunft erschien uns in weiter Ferne.“ Erst in der Pubertät ahnte man, dass jedes Leben endlich ist. Man fühlte sich davon aber nicht wirklich betroffen. Der Tod eines Verwandten oder Haustieres irritierte einen zwar kurzfristig, den Bezug zur Endlichkeit des eigenen Lebens erfasste man freilich nicht. Mit 30 Jahren sind viele Menschen noch angenehm überrascht, wie wenig ihnen dieser runde Geburtstag ausmachte. Mit 40 kam dann allerdings die Bestätigung, dass alle recht hatten, die meinten, dass das Leben umso schneller verfliegt, je älter man wird. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Autor von Bestsellern und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
Ein Liebender gibt seinem Leben Sinn
Nicht nur mit seinem Tätigsein kann man seinem Leben insofern Sinn geben, wenn man seine konkreten Fragen verantwortungsbewusst beantwortet. Aber nicht nur als Handelnder kann ein Mensch die Forderungen des Daseins erfüllen, sondern auch als Liebender. Und zwar in liebender Hingabe an das Schöne, das Große, das Gute. Viktor Frankl stellt folgendes Gedankenexperiment vor. Ein Mensch sitzt in einem Konzertsaal und lauscht seiner Lieblingssymphonie. Diese Person ist von der Musik so ergriffen, dass es ihr kalt über den Rücken läuft. Jetzt muss man sich vorstellen, diesen Menschen zu fragen, ob sein Leben in diesem Augenblick einen Sinn habe. Viktor E. Frankl war Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien und 25 Jahre lang Vorstand der Wiener Neurologischen Poliklinik. Er begründete die Logotherapie, die auch Existenzanalyse genannt wird.
Die Botschaft eines Lächelns erkennt jeder
Mit Humor kann man selbst in der größten Not seine Selbstachtung und Zuversicht verteidigen. Er kann zur letzten rettenden Lücke werden, wenn sämtliche andere Auswege verbaut und vernagelt erscheinen. Die Heiterkeit ist für die Zuversicht von großer Bedeutung. Es gibt schätzungsweise 7.000 verschiedene Sprachen auf der Welt. In vielen Ländern begreift man als Fremder weder die Schrift noch das gesprochene Wort. Ulrich Schnabel weiß: „Und doch gibt es eine Form der Kommunikation, die rund um den Globus verstanden wird – die Botschaft eines Lächelns.“ Und überall hat Freundlichkeit etwas Entwaffnendes. Leider trifft man selten Menschen, die diese schwierige Kunst der humorvollen Entspannung beherrschen. Im Gegenteil: Je grimmiger die Zeiten, umso angespannter sind in der Regel die Reaktionen der Menschen. Ulrich Schnabel ist seit über 25 Jahren Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT.
Die Freiheit ist etwas besonders Menschliches
Menschsein heißt, sich verändern zu können. Von diesem Satz geht Zuversicht und Hoffnung aus. Ahnungen von einem anderen Leben werden durch ihn wach. Warum können sich Menschen verändern? Weil, so Viktor Frankl, der Mensch frei ist. Zwar nicht frei von seinen biologischen, psychologischen oder soziologischen Bedingungen, nicht frei von den Einflüssen der Erziehung, nicht frei von den Einflüssen der Welt, in der ein Mensch lebt. Frei aber zur Stellungnahme allem gegenüber, was sein Leben begrenzt … Für Uwe Böschemeyer bedeutet dies folgendes: „Ich habe bestimmte Gene, aber ich kann auf sie Einfluss nehmen. Ich habe Triebe (Macht, Geld, Karriere, Sexualität etc.), aber ich kann auf sie Einfluss nehmen.“ Uwe Böschemeyer ist Rektor der Europäischen Akademie für Wertorientierte Persönlichkeit und Leiter des Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse in Salzburg.
Jeder muss für sich den Sinn des Lebens finden
Wenn ein Mensch einem anderen begegnet, neigt er dazu, sich von ihm „ein Bild zu machen“. Vielleicht erinnert er ihn an jemand anderen, vielleicht entstehen gleich sympathische oder unangenehme Gefühle, vielleicht aber auch ist er gleich „mit ihm fertig“. Uwe Böschemeyer weiß: „Den Kern eines Menschen erfahren wir gar nicht rasch, weil er zunächst verborgen ist. Unsichtbar durch all das Fremde, das sich durch die Jahre hindurch um seine Seele gelegt hat.“ Wahrscheinlich gibt es niemanden, der im vergangenen Jahrhundert so leidenschaftlich über die Sinnfrage geforscht hat wie Viktor Frankl. Was ist Sinn? Sinn, so Viktor Frankl, wird gefunden angesichts der „Forderung der Stunde, die an mich ergeht“, hier und jetzt und in der Tat. Uwe Böschemeyer ist Rektor der Europäischen Akademie für Wertorientierte Persönlichkeit und Leiter des Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse in Salzburg.
Der Geist gleicht dem Wind
Der Geist ist für Uwe Böschemeyer das Wichtigste im Menschen. Der Geist gleicht dem Wind: „Auch den Geist sehe ich nicht, ich sehe nur, war er durch mich bewegt. Mir kommen Ideen, mir kommt die Gewissheit, die Idee durchsetzen zu können, mir kommt die Kraft, sie zu verwirklichen. Ich verwirkliche sie in der Tat.“ Der Geist ist da, ist gegenwärtig. Das kann niemand bezweifeln, obwohl ihn niemand sieht. Der Geist und der Wind – sie kommen aus Räumen, die man nicht erkennt, sie ziehen zu Räumen, die man nicht sieht. Jetzt sind sie da, spürbar, fühlbar, mächtig, sind dichteste Wirklichkeit. Doch fassen, gar erfassen, kann man sie nicht. Uwe Böschemeyer ist Rektor der Europäischen Akademie für Wertorientierte Persönlichkeit und Leiter des Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse in Salzburg.
Herausforderungen lassen das Leben zu einem Kunstwerk werden
s kommt nicht primär darauf an, wie die Vergangenheit eines Menschen war oder wie seine Zukunft aussieht, sondern darauf, wie er sie deutet und versteht, ob er Sinn in seinem jetzigen Leben suchen will. Ob er bereit ist, immer wieder aufs Neue selbst der Entscheidende zu sein. Ob er, was immer ihm widerfährt, „Herr im eigenen Haus“ bleibt. Das menschliche Leben kann allerdings manchmal ganz schön hart sein. Uwe Böschemeyer weiß: „Schwierige Zeiten nur traurig zu finden oder sie anzuklagen, ist zwar verständlich, aber leicht. Sie jedoch als Herausforderung zu nehmen und das Beste daraus zu machen, kann Leben zu einem Kunstwerk werden lassen.“ Uwe Böschemeyer ist Rektor der Europäischen Akademie für Wertorientierte Persönlichkeit und Leiter des Instituts für Logotherapie und Existenzanalyse in Salzburg.
Das Leben nimmt den Menschen in die Pflicht
Im Zeitalter der individuellen Autonomie organisieren viele Menschen ihr Leben nach folgender Weise. Es ist eine Methode, die mit dem Selbst beginnt – der Selbsterforschung –, und mit dem Selbst endet – der Selbsterfüllung. David Brooks erklärt: „Es ist ein Leben, dass durch eine Reihe individueller Wahlentscheidungen bestimmt wird.“ Nach einer anderen Sichtweise ist ein Mensch nicht der Schöpfer seines Lebens, vielmehr nimmt ihn das Leben selbst in die Pflicht. Die wichtigsten Antworten findet man dann nicht in sich selbst, sondern um sich herum. Diese Perspektive setzt nicht im Innern des autonomen Selbst an, sondern bei den konkreten Umständen, in die man zufällig eingebettet ist. David Brooks arbeitet als Kommentator und Kolumnist bei der New York Times. Sein Buch „Das soziale Tier“ (2012) wurde ein internationaler Bestseller.