Echte Selbstkontrolle braucht wenig Willenskraft

Menschen mit guter Selbstkontrolle bewältigen ihr Leben im Voraus. Dazu setzen sie unbewusster Mittel der Selbstregulation ein. Damit machen sie „notwendige Übel“ wie gesunde Ernährung, Sport und Studium zu einem alltäglichen Teil ihres Lebens. Die positiven Aktivitäten werden zu routinemäßigen Angewohnheiten. Deshalb kostet es keine großen Kämpfe mehr, mit ihnen zu beginnen oder die Abneigung gegen sie zu überwinden. John Bargh erläutert: „Die bewusste, mühevolle Selbstkontrolle ist zu anstrengend und zu unzuverlässig, wie wir wissen, anfällig für Rationalisierungen und Ausreden.“ Denn echte, effektive Selbstkontrolle ist mit dem Einsatz von weniger statt mehr Willenskraft und Anstrengung bei der Ausführung der gewünschten Handlungen verbunden. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University. Dort leitet er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory.

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Soziale Onlinemedien machen einsam

„Verloren unter 100 Freunden“ lautete der Titel eines Buches der Soziologin Sherry Turkle. Sie machte darin schon vor Jahren auf eine Paradoxie aufmerksam. Ein Mehr an digitaler Konnektivität geht keineswegs mit einer Zunahme vermehrter erlebter sozialer Verbundenheit einher. Ganz im Gegenteil: Die Autorin kam zu dem Schluss, dass junge Menschen sich mittlerweile mehr in virtuellen Welten als in der Realität mit „echten“ Freunden aufhalten. Menschen sind in höchstem Maße soziale Wesen. Sie sind von Natur auf Gemeinschaft angelegt und sie reagieren mit Schmerzen auf Vereinsamung. Manfred Spitzer stellt fest: „Wenn Medien also tatsächlich zwischen den Menschen stehen und damit wirkliche Kontakte behindern – und damit wiederum Einsamkeit erzeugen –, dann sollte sich das langfristig auf das Befinden von Menschen auswirken.“ Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen.

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Heinz Bude plädiert für Übungen der Achtsamkeit

Auf die Diagnose der Erschöpfung folgt heute für viele Menschen die Therapie der Achtsamkeit. Erschöpft sind sie durch die Beschleunigung der Verhältnisse, der Flüchtigkeit der Kontakte und dem Zwang zur ständigen Optimierung der gesamten Lebensweise. Deshalb will das Ich wieder mehr bei sich sein, zu sich kommen und bei sich bleiben. Übungen in Achtsamkeit versprechen laut Heinz Bude ein Innehalten und die Konzentration aufs Wesentliche. Zudem erlangt man die Fähigkeit zurück, Grenzen zu setzen, Distanz zu halten und für sich selbst zu sorgen. Heinz Bude fügt hinzu: „Statt einfach weiter zu funktionieren, bis es nicht mehr geht, ergeht der Rat, mal still zu sitzen, im Konjunktiv zu denken oder dem Regen zuzuhören.“ Seit dem Jahr 2000 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel.

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Optimisten sind Überzeugungstäter

Optimismus ist keine Zauberei, obwohl er auf einem intellektuellen Taschenspielertrick basiert: Man erklärt sich positive Ereignisse so, dass sie permanent bestehende Ursachen haben und demzufolge immer wieder eintreten können. Der Glaube an die eigene Überdurchschnittlichkeit basiert dabei auf einer Logik, die Jens Weidner wie folgt beschreibt: „Erfolg ist mein Verdienst. Misserfolg ist Sorry, das liegt an euch. Optimisten kommunizieren diesen Trick natürlich mit niemanden.“ Das würde nur ihr Umfeld verärgern – und das vollkommen zu Recht, denn diese Schuldzuschreibung entspricht natürlich nicht der Realität, was Optimisten auch wissen. Das macht aber nichts, denn darum geht es nicht. Dieses Denken tut gut, man macht sich weniger Sorgen und man schläft besser, weil man sich nicht zu viele Gedanken über die eigenen Fehler macht. Jens Weidner ist Professor für Erziehungswissenschaften und Kriminologie.

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Die meisten Menschen hören anderen nicht zu

Ob bei der Arbeit oder zu Hause – die meisten Menschen haben, wenn sie etwas Wichtiges mitteilen möchten, grundsätzlich das Gefühl, dass die Angesprochenen das auch wissen wollen. Dieses Gefühl ist allerdings falsch. Wenn Menschen nicht einmal potenziell lebensrettenden Informationen wie einer Sicherheitseinweisung im Flugzeug Aufmerksamkeit schenken, kann man nicht davon ausgehen, dass sie hören wollen, was man zu sagen hat. Tali Sharot erläutert: „Wir müssen neu darüber nachdenken, was Menschen wirklich dazu bringt, gerne zuzuhören, und dann unsere Botschaft entsprechend verpacken, denn gehört zu werden ist die bei Weitem wichtigste Voraussetzung dafür, Einfluss zu nehmen.“ Tali Sharot wurde an der New York University in Psychologie und Neurowissenschaften promoviert und ist Professorin am Institut für experimentelle Psychologie der University of London.

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Zwei Kurven bestimmen den Lebenszyklus

Es gibt zwei Kurven, die den Lebenszyklus eines Menschen bestimmen. Eine führt nach oben und bedeutet ein Mehr an Geld, Status und Wissen. Andreas Salcher fügt hinzu: „In dieser Phase des Mehrwerdens findet Wachstum statt. Es ist eine Zeit der Expansion in der äußeren Welt, in der das Ego zunimmt.“ Die andere Kurve führt nach unten. Sie steht für Verlust, Verletzung und Kränkung. Entwicklung findet jedoch immer nur in dieser zweiten Phase des Wenigerwerdens statt. Denn weil das Ego schmilzt, wird dadurch ein Vertiefungsprozess nach innen ausgelöst. Die westliche Philosophie versucht vor allem, den Prozess des Wachstums in der äußeren Welt zu begründen. Darauf basieren fast alle Erfolgslehren. Dagegen beschäftigt sich die asiatische Philosophie primär mit der Kurve des Weniger, weil eben dort die Entwicklung passiert. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Fühlen und Gedächtnis gehören zusammen

Fühlen ist ein Resultat des bewussten Geistes. Gedächtnis ist das Nachbarland. Man kann aber das Gedächtnis nicht verstehen, wenn man nicht versteht, wie das Fühlen dazu beiträgt, dass Erinnerung funktioniert. David Gelernter erklärt: „Während ein Aspekt vieler Erinnerungen eine Abstraktion liefert, können alle Aspekte einer Erinnerung ein Gefühl liefern.“ Manche Erlebnisse sind kompakt und einfach. Andere haben viele Teile. Der Unterschied liegt vor allem darin, wie man jedes Ereignis erleben will und mit welchem Tempo man sich bewegt. Ein Gefühl oder eine Stimmung ist die Zusammenfassung einer Szene, die einen oder mehrere Aspekte vieler Erinnerungen komprimiert. Eine solche Gefühlszusammenfassung kann wie der Köder an einem Haken sein, mit dem man aus dem tiefen Ozean seines Gedächtnisses eine bestimmte Erinnerung herausfischt. David Gelernter ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale Universität.

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Emotionen erweisen sich als ansteckend

Sehr wertvoll sind Verbündete eines Menschen, die dasselbe Ziel haben und ihn auf dem Weg dorthin begleiten und unterstützen. Ulrich Schnabel weiß: „Kaum etwas prägt uns stärker als das Verhalten und die Stimmung der Menschen in unserer Umgebung. Deren Emotionen können sich sogar als regelrecht ansteckend erweisen.“ Daher gibt es eine einfache Strategie, um Zuversicht zu entwickeln. Man umgibt sich mit zuversichtlichen Menschen, denn deren Haltung wird automatisch auf die eigene Persönlichkeit abfärben. Auch bei der Überwindung von Depression und Verzweiflung sind wohlwollende Mitmenschen von unschätzbarem Wert. Dazu zählt Ulrich Schnabel Freunde, Familienmitglieder, Kollegen und bei Bedarf auf Therapeuten. Denn wer im Stimmungsloch sitzt, kann sich nur schwer selbst an den Haaren herausziehen. Ulrich Schnabel ist seit über 25 Jahren Wissenschaftsredakteur bei der ZEIT.

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Weiterentwicklung ist das A und O des Lebens

Warum sollte sich ein Mensch weiterentwickeln wollen? Vom individuellen Standpunkt aus liegt die Antwort für John Bargh auf der Hand: „Um glücklicher, gesünder und erfolgreicher zu werden.“ Aber kein Mensch existiert für sich allein. Er entwickelt sich nicht in einem Vakuum. Er schickt kleine Wellen in alle Richtungen, so wie er auch die Wellen anderer empfängt. Nur wer sich wirklich weiterentwickelt, hat die Chance, auch seine Gemeinschaft und im weiteren Sinne seine Welt weiterzuentwickeln. Aber für diesen Prozess ist etwas vonnöten, was oftmals Mangelware zu sein scheint: Demut. Die Demut, zu akzeptieren, dass man nicht immer bis ins Kleinste versteht, warum man tut, was man tut. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University. Dort leitet er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory.

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Gefühle sind mentale Erlebnisse

Antonio Damasio definiert Gefühle wie folgt: „Gefühle sind mentale Erlebnisse, und sie sind definitionsgemäß bewusst. Wären sie es nicht, hätten wir keine unmittelbare Kenntnis von ihnen.“ Aber Gefühle unterscheiden sich in mehreren Punkten von anderen mentalen Erlebnissen. Erstens hat ihr Inhalt immer mit dem Körper des Lebewesens zu tun, in dem sie auftauchen. Gefühle spiegeln das Innere des Organismus – den Zustand der inneren Organe und Abläufe – wider. Bilder des Inneren entstehen unter anderen Bedingungen als solche, welche die Außenwelt abbilden. Zweitens ist die Wiedergabe des Inneren, das heißt das Erlebnis des Gefühls, aufgrund dieser besonderen Bedingungen mit einem bestimmten Merkmal durchtränkt: der Wertigkeit. Antonio Damasio ist Professor für Neurowissenschaften, Neurologie und Psychologie an der University of Southern California. Zudem ist er Direktor des dortigen Brain and Creative Institute.

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