Um andere beeindrucken zu können, muss Reichtum sichtbar gemacht werden. Mitja Back stellt fest: „Die Menge Kauris in unserer Tasche und unser Aktiendepot stehen uns nicht auf der Stirn geschrieben. Das reiche Ich muss also Dinge tun oder haben, die für andere offensichtlich teuer sind.“ Narzissten kann man tatsächlich daran erkennen, dass sie sich mit teureren Dingen umgeben und mehr Geld auf den Kopf hauen – und zwar für alle sichtbar. Alltägliches, Günstiges und Praktisches ist für solche Menschen langweilig – weil es keinen Status bringt. Jean-Paul Sartre schreibt: „Die Totalität meiner Besitztümer reflektiert die Totalität meines Seins. Ich bin das, was ich habe.“ Und was ich kann, fügt der Narzisst hinzu. Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.
Narzisst
Narzissten erwarten Bewunderung
Beim Blick in den Spiegel sind Narzissten nicht nur von sich selbst begeistert, sie wollen auch, dass andere diese Begeisterung teilen – das Spiegelbild schaut aufs Ich! und sagt: „Die Welt soll sehen wie großartig Ich! bin und wie viel ich verdient habe!“ Mitja Back fügt hinzu: „Zum anderen verstärkt das Statusstreben die Grandiosität und den Anspruch von Narzissten: Narzissten erwarten und spürten die Bewunderung, und das füttert ihr Ego.“ Beim Blick in den Spiegel nimmt das Ich! immer auch die Rolle des jubelnden Publikums ein – es schaut auf sein Spiegelbild und sagt: „Wow, du bist etwas Besonderes und hast mehr verdient!“ Nicht nur narzisstische Promis drehten sich voller Energie in diesem Ich!-Kreis. Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.
Narzissten wollen bewundert werden
Narzissten beobachten sehr genau, wie sie auf andere Menschen wirken. In gewisser Weise tun das natürlich alle. Der Mensch ist ein soziales Tier. Mitja Back erläutert: „Zufriedenheit und Erfolg im Leben ist von Beziehungen mit anderen Menschen abhängig. Für uns ist es sehr wichtig, dass andere Menschen und als wertvolles Mitglied der Gemeinschaft sehen und unsere Leistungen wertschätzen.“ Deshalb haben sich in der Menschheitsgeschichte Fähigkeiten entwickelt, die einem Individuum dabei helfen, seinen „sozialen Wert“ zu erkennen. Dabei handelt es sich um empfindliche Messgeräte im Kopf, die überwachen, wie gut es gerade sozial funktioniert. Wie stark die Messgeräte allerdings ausschlagen, darin unterscheiden sich Menschen. Die meisten Menschen haben ein ausgeprägtes „Soziometer“, ein Messgerät, das registriert, wie gut man momentan sozial eingebunden ist. Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.
Narzissten halten sich für etwas Besonderes
Narzissten sind von ihrer eigenen Großartigkeit begeistert und halten sich für etwas Besonderes. Ein berühmtes „Ich!“, der Maler Salvador Dalí sprach: „Jeden Morgen, wenn ich erwache, erlebe ich die allergrößte Freude: nämlich Salvador Dalí zu sein.“ Bei Narzissten dreht sich alles um das eigene grandiose „Ich!“. Mitja Back weiß: „Positive Selbsteinschätzungen sind erst mal nichts Ungewöhnliches. Die meisten von uns neigen dazu, sich in einem positiven Licht zu sehen.“ Um es mit den Worten des amerikanischen und Schriftstellers Oliver Wendell Holmes zu sagen: „Nichts ist so gewöhnlich wie der Wunsch, bemerkenswert zu sein.“ Viele Menschen überschätze ihre eigene Intelligenz. Dieser sogenannte „Besser-als-Durchschnitt-Effekt“ findet sich in sehr vielen Studien und bei vielen weiteren positiven Eigenschaftenwie Aussehen, Sportlichkeit, Geschicklichkeit und Humor. Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.
Es zählt nur noch die Einzigartigkeit
Nach der Vorstellung des Soziologen Andreas Reckwitz leben die Deutschen in einer Art Kulturkapitalismus. Dieser besteht aus lauter Singularitäten, Unverwechselbarkeiten, Einzigartigkeiten, Sensationen, Rekorden und Bestleistungen. Ingo Hamm ergänzt: „Unverwechselbar, ein Unikat, eine Sensation. Darunter machen wir es nicht. In diesem totalitären System der Einzigartigkeit gilt nur das Besondere, nicht die Durchschnittsexistenz, auch und gerade in der Arbeitswelt.“ Eine Durchschnittsbiografie oder eine mittelmäßige Karriere reicht nicht mehr. Es muss schon etwas Besonderes sein. Und da die meisten Menschen nur zu gut wissen, dass sie selbst nichts Besonderes sind, leihen sie sich nach guter Praxis des Komplementärnarzissmus etwas vom Glanz wahrhaft großer Größen. Zum Beispiel vom Glanz des Nobel Purpurs des Unternehmens, in dem man arbeitet. Ingo Hamm ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt.
Der Führer sät Hass gegen Minderheiten
Führer und Masse haben nüchtern betrachtet, außer ihren zueinanderpassenden Phantasmen, eigentlich keine gemeinsamen Interessen. Daher bedarf es eines gemeinsamen Feindes, um die ungleiche Ehe zwischen Masse und Führer zusammenzuhalten. Joachim Bauer weiß: „Der Führer sagt den Abhängigen, die Schuldigen für ihre Benachteiligungen zu kennen, und sät Hass gegen Minderheiten: Gebildete, Migranten, Homosexuelle und andere.“ Der Hass dient dem Narzissten als Mittel, um seine Abhängigen bei der Stange zu halten. Auch Deutschland war und ist eine Bühne für das Wechselspiel zwischen abhängigen Massen einerseits und narzisstischen Möchtegern-Führungsfiguren andererseits. Die von der ostdeutschen Bevölkerung der ehemaligen DDR erkämpfte Wiedervereinigung war ein Glück. Allerdings kam es nach 1989 zu einer Entwicklung, die von vielen, die in der ehemaligen DDR gelebt haben, als Demütigung erlebt wurde. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.
Der Narzisst ist von Neid zerfressen
Heinz Kohut ist ein aus Wien stammender amerikanischer Psychoanalytiker. Er vertritt die These, dass ein Narzisst nur dann befriedigt ist, wenn er den Kränkenden bis zur völligen Vernichtung entwerten kann. Der narzisstisch Gekränkte kann nicht ruhen, bis er den unscharf wahrgenommenen Beleidiger ausgelöscht hat. Denn dieser wagte es, ihm entgegenzutreten, nicht mit ihm übereinzustimmen oder ihn zu überstrahlen. Reinhard Haller weiß: „Hinter all dem steht als psychodynamische Triebkraft der Neid. Der Neid auf allen, denen es scheinbar besser geht oder die überlegen sind.“ Diese als höchst bedrohlich wahrgenommenen Konkurrenten können nur durch die totale Entwertung abgewehrt werden. Auf narzisstische Kränkungen reagieren manche mit narzisstischer Wut. Deren Heftigkeit ist für die Mitmenschen oft nicht nachvollziehbar. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.
Eine Diagnose darf keine Waffe sein
Wahnsinn finden Psychiater bei bestimmten Krankheiten. Die Öffentlichkeit spricht aber viel häufiger vom „ganz normalen Wahnsinn“. Sie meint damit keine Krankheiten, sondern die flächendeckenden Merkwürdigkeiten, von denen die Massenmedien pausenlos berichten. Manfred Lütz stellt fest: „Die Folgen dieses ganz normalen Wahnsinns sind erheblich desaströser als die harmlosen Spinnereien eines Schizophrenen aus dem Nachbarhaus.“ Das wirkliche Problem sind daher die sogenannten Normalen. Donald Trump ist natürlich ein krankhafter Narzisst. Mit dieser Diagnose warteten eine Reihe amerikanischer Psychotherapeuten auf. Sie alle hatten ihn jedoch nicht untersucht und ganz sicher auch nicht gewählt. Hier wurde eine Diagnose als Waffe gegen einen Menschen benutzt, den man aus vielen Gründen nicht mag. Doch dazu sind Diagnosen nicht da. Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz ist Psychiater, Psychotherapeut, Kabarettist und Theologe.
Ein Narzisst ist rücksichtslos im Austeilen
Das Wesen eines echten Narzissten wird ganz entscheidend durch seine extreme Kränkbarkeit und die ständige Entwertung der Mitmenschen bestimmt. Reinhard Haller weiß: „So unsensibel der Narzisst für die Persönlichkeit und die Gefühlswelt anderer Menschen ist, so empfindlich ist er für sich selbst.“ Jede andere Meinung empfindet er als Verletzung seiner Ehre. Jeder Widerspruch gilt ihm als ungeheuerliche Frechheit. Jede konstruktive Kritik gleicht einer Majestätsbeleidigung. Der Narzisst ist rücksichtslos und grobklotzig im Austeilen, mimosenhaft im Einstecken. Er kann nicht vergessen, da er in ständiger Angst vor einer als existenzielle Bedrohung empfundenen Kränkung lebt. In jeder noch so kleinen Kritik sieht er eine nahezu schicksalhafte Katastrophe. Zur Kränkbarkeit des Narzissten gehört zudem seine Unfähigkeit zu verzeihen. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.
Ein Narzisst bewertet alles aus der Ich-Perspektive
Reinhard Haller nennt den Narzissmus den Vater der Kränkung. Die gängigste Definition des Narzissmus stammt von Alexander Lowen, dem Begründer der bioenergetischen Analyse. In seinem Werk „Narzissmus. Die Verleugnung des wahren Selbst“ schreibt er: „Als Narzissmus bezeichnen wir sowohl einen psychischen als auch einen kulturellen Zustand. Auf der individuellen Ebene ist er eine Persönlichkeitsstörung, die gekennzeichnet ist durch eine übertriebene Pflege des eigenen Image auf Kosten des Selbst. … Auf der kulturellen Ebene kann man den Narzissmus als einen Verlust menschlicher Werte erkennen. Dieser geht einher mit einem Fehlen des Interesses an der Umwelt, an der Lebensqualität, an den Mitmenschen.“ Die wichtigsten psychologischen Elemente, die das Wesen des krankhaften Narzissmus ausmachen, sind die fünf „E“: Egozentrik, Eigensucht, Empathiemangel, Empfindlichkeit und die Entwertung anderer. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.