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Ein Drittel der Eltern ist überfordert

Die heutige Schülergeneration wird teilweise von ihren Eltern vernachlässigt. So argumentiert auch der Sozialforscher und Leiter der Shell-Jugendstudie Klaus Hurrelmann. Er ist der Meinung, dass die Gesellschaft den Eltern heute die absolute Schlüsselrolle bei der Erziehung zubilligt. Das beruht im Vertrauen darauf, dass sie alles richtig machen. Das funktioniert aber nur bei einem Drittel der Eltern. Andreas Salcher nennt die Gründe: „Nur diese haben die notwendige erzieherische Kompetenz und Bildung sowie auch die wirtschaftliche Basis.“ Ein weiteres Drittel kämpft sich irgendwie durch. Und dann gibt es das untere Drittel. Klaus Hurrelmann beschreibt es: „Wenn ich in diese Familien hineinschaue, sträuben sich mir die Nackenhaare. Die großen Potenziale der Kinder werden leichtfertig verschüttet.“ Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

Klaus Hurrelmann plädiert für den Elternführerschein

Einige dieser überforderten Eltern stehen laut Klaus Hurrelmann noch immer zu der Aussage: Eine ordentliche Tracht Prügel zur rechten Zeit kann nicht schaden. Die Forschung zeigt, dass dies falsch ist, weil es Kinder entwürdigt. Hinzu kommt oft eine schlechte gesundheitliche Situation: falsche Ernährung, falsche Tageseinteilung, mangelnde Hygiene. Es gibt eine Vielzahl regelrecht verwahrloster Familien. Deren Probleme kriegt man nicht mehr allein durch Freiwilligkeit in den Griff.

Redet man mit Lehrern, so bestätigen diese den Befund von Klaus Hurrelmann. Viele Eltern haben offensichtlich kein Gespür mehr dafür, wie man das Kind auf einen eigenen Weg schickt. Es fehlt ihnen an Wissen und sie sind nicht bereit, sich dieses zu besorgen oder sich zumindest Rat zu holen. Viele stellen die Selbstbestimmung ihres Kindes unreflektiert über alles. Klaus Hurrelmann ist ein Verfechter der Idee des Elternführerscheins. Er plädiert für eine Koppelung des ausbezahlten Kindergelds an den Besuch von Elternkursen.

Die Gesellschaft leidet an einer Überindividualisierung

Nehmen die Eltern nicht an den Kursen teil, kürzt man das Kindergeld. Das klingt zuerst einmal rigide. Aber der Staat überweist den Familien Geld aus Steuermitteln und darf schon fragen, ob die Eltern es gezielt zum Wohl der Kinder einsetzen. Und die Schulen stehen vor drei Herausforderungen, auf die sie derzeit nicht vorbereitet sind. Erstens handelt es sich bei den Schülern zum Teil um eine unerzogene Generation. Die Eltern vermitteln ihnen oft nicht die wichtigsten Regeln und Werte im zwischenmenschlichen Umgang.

Zweitens hat man es zum Teil mit einer vernachlässigten Generation zu tun, die von ihren Eltern nicht die notwendige Zeit und menschliche Zuwendung bekommt. Drittens ist die Generation oftmals einfach überfordert, wenn überehrgeizige Eltern ihr ihre eigenen Lebenskonzepte und Glückserwartungen aufzwingt. Kinder werden in diesem Fall zu Prestigeobjekten. Viele dieser Kinder zerbrechen an den übersteigerten Erwartungen an sie. Für die Psychotherapeutin Martina Leibovici-Mühlberger sind das alles Symptome der Überindividualisierung der Gesellschaft. Quelle: „Der talentierte Schüler und seine ewigen Feinde“ von Andreas Salcher

Von Hans Klumbies

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