Solidarität ist immer individuell und freiwillig

Wer Menschen ihrer Leidensfähigkeit beraubt, beraubt sie zugleich ihrer Selbstwirksamkeit. Menschen müssen das Leiden als Kraftquelle und Lernimpuls neu entdecken. Johann Wolfgang von Goethe sagte: „Alle Veränderung erfolgt aus Leid.“ Das Leid, von dem Reinhard K. Sprenger hier spricht, ist zunächst ein selbstdefiniertes Phänomen: „Und wir wissen aus der Anthropologie, dass sich alle unsere Talente und Kräfte den Problemen verdanken, die uns herausgefordert haben und an denen wir wachsen konnten.“ Zudem behauptet Reinhard K. Sprenger, dass Politiker ein Interesse an Menschen im Zustand der Unmündigkeit haben. Seiner Meinung nach hat die Politik viel von dem zerstört, was früher die Familien an Strukturen, Rahmen und Hilfe leisteten. Betrachtet man die „Solidarität“ – sie ist immer individuell und freiwillig, niemals kollektiv und erzwungen. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.

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Es gibt eine dunkle Seite des Mitgefühls

Die dunklen Seiten der Empathie beziehen sich nicht auf den Menschen, sondern auf die Situation, in der er sich befindet. Heinz Bude erläutert: „Der empathische Beobachter schlüpft in die Haut des anderen, indem er sich die Umstände veranschaulicht, die die andere Person so und nicht anders erscheinen lassen.“ Man fühlt mit, wie der andere jetzt ist und im nächsten Augenblick sein wird. Zum Beispiel die Peinlichkeit einer Situation, das Ungeschick in der Rolle und das Bemühen um Haltung werden dem Beobachter zum erlebten Faktum. Auf dieses reagiert er mit Sorge, Bestürzung oder Durchatmen. Dabei besitzt der empathische Beobachter einen Vorteil an Klarheit und Voraussicht. Heinz Bude studierte Soziologie, Philosophie und Psychologie. Seit dem Jahr 2000 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Makrosoziologie an der Universität Kassel.

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