Mit dem Hass ist man immer schon fertig. Carolin Emckes erfolgreiches Buch „Gegen den Hass“ hat dies prägnant erfasst. Es gibt nur ein „gegen“, es gibt kein „dafür“. Konrad Paul Liessmann stellt fest: „Negative Gefühle gibt es viele, aber nur dem Hass kann anscheinend nichts Positives abgewonnen werden.“ Der Hass wirkt schon immer delegitimiert. Niemandem fiele es ein, ein Gesetz zu fordern, das Wutausbrüche, Zornesfalten, gar Angstzustände verbietet. Den Hass jedoch würde man wie die Hassrede am liebsten unter Strafe stellen. Er ist ein einziger Effekt, den man generell, nicht nur situativ als unzulässig erachtet. Mit dem Hass ist man immer schon fertig. Es geht nur noch darum, wie man ihn eindämmen, neutralisieren, entschärfen und bekämpfen kann. Konrad Paul Liessmann ist Professor emeritus für Philosophie an der Universität Wien, Essayist, Literaturkritiker und Kulturpublizist.
Allgemein
Narzissten halten sich für etwas Besonderes
Narzissten sind von ihrer eigenen Großartigkeit begeistert und halten sich für etwas Besonderes. Ein berühmtes „Ich!“, der Maler Salvador Dalí sprach: „Jeden Morgen, wenn ich erwache, erlebe ich die allergrößte Freude: nämlich Salvador Dalí zu sein.“ Bei Narzissten dreht sich alles um das eigene grandiose „Ich!“. Mitja Back weiß: „Positive Selbsteinschätzungen sind erst mal nichts Ungewöhnliches. Die meisten von uns neigen dazu, sich in einem positiven Licht zu sehen.“ Um es mit den Worten des amerikanischen und Schriftstellers Oliver Wendell Holmes zu sagen: „Nichts ist so gewöhnlich wie der Wunsch, bemerkenswert zu sein.“ Viele Menschen überschätze ihre eigene Intelligenz. Dieser sogenannte „Besser-als-Durchschnitt-Effekt“ findet sich in sehr vielen Studien und bei vielen weiteren positiven Eigenschaftenwie Aussehen, Sportlichkeit, Geschicklichkeit und Humor. Mitja Back ist seit 2012 Professor für Psychologische Diagnostik und Persönlichkeitspsychologie an der Universität Münster.
Schweigen kann sehr vielfältig sein
Schweigen hat im Zusammenhang mit Rache eine besondere Funktion. Reinhard Haller erklärt: „Es steht irgendwo zwischen Fantasieanregung und verübter Rache, zwischen Nährboden für Rachevorstellungen und einer ganz speziellen Form der Rache.“ Ähnlich wie beim Kränkungsthema, bei dem Schweigen genauso eine besondere Art des Kränkens wie auch Ausdruck des Gekränktseins sein kann, lässt sich durch Anschweigen seiner Mitmenschen Rache ausüben oder betroffenes Schweigen als Reaktion auf eine Lieblosigkeit zeigen. Schweigen ist sehr vielfältig, es kann meditativ und ehrfürchtig, einfühlsam und betroffen, beredt und vielsagend, ängstlich und peinlich sein, aber auch entwertend und aggressiv. Prof. Dr. med. Reinhard Haller war als Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe über viele Jahre Chefarzt einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik. Heute führt er eine fachärztliche Praxis in Feldkirch (Österreich).
Viele Menschen wollen immer dasselbe tun
Viele Menschen wollen in ihrem Leben einfach nichts ändern, sondern immer mehr desselben tun. Sie wollen auch dann noch an Verhaltensweisen festhalten, die irgendwann einmal sinnvoll waren, wenn sie vielleicht sogar schon wissen, dass das nicht mehr der richtige Ansatz sein kann. Markus Hengstschläger ergänzt: „Wir sind viel zu sehr in dem verankert, was wir kennen. Der Homo sapiens neigt sogar dazu, eine Variante, die sich einmal als bestmögliche herausgestellt hat, als die für immer einzig mögliche beizubehalten.“ Das könnte einer der Gründe sein, warum man vorwiegend für die Vorhersehbarkeit unterrichtet, plant, managt und trainiert. Natürlich muss das getan werden, aber es reicht nicht. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien.
Selbstvertrauen braucht das richtige Maß
Viele Menschen stellen sich das Selbstvertrauen wie eine Wippe vor. Adam Grant erläutert: „Gewinnen wir zu viel Selbstvertrauen, werden wir arrogant. Verlieren wir zu viel Selbstvertrauen, werden wir kleinlaut. Unsere Angst in puncto Demut ist, dass wir uns schließlich selbst gering schätzen.“ Man will die Wippe in Balance halten und sucht nach dem gerade richtigen Maß an Selbstvertrauen. Vor Kurzem hat Adam Grant jedoch gelernt, dass das die falsche Herangehensweise ist. Demut wird oft missverstanden. Sie hat nichts mit geringem Selbstvertrauen zu tun. Eine der lateinischen Wurzeln von „Demut“ bedeutet „von der Erde“. Es geht darum, geerdet zu sein – zu erkennen, dass man fehlbar ist. Adam Grant ist Professor für Organisationspsychologie an der Wharton Business School. Er ist Autor mehrerer internationaler Bestseller, die in 35 Sprachen übersetzt wurden.
Seneca war der Erzieher des Tyrannen Nero
Wenn es um das Thema „Grausamkeit“ geht, dann ist bis zum heutigen Tag Lucius Annaeus Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.) ein einschlägiger Schriftsteller. Die historische Erfahrung, die Werken wie „De clementia“ oder „De ira“ zugrunde liegt, ist die Zeit der Herrschaft Kaiser Neros. Dieser hat im kulturellen Gedächtnis des Okzidents einen bleibenden Platz in der historischen Galerie der Tyrannen. Wolfgang Müller-Funk stellt fest: „Senecas Leben und Denken ist von der Figur und der Allgegenwart eines tyrannischen Herrschers bestimmt und überschattet. Auf Initiative von Neros Mutter aus der Verbannung befreit, wird er zum Erzieher ihres jungen Sohnes und zum Konsul.“ Wolfgang Müller-Funk war Professor für Kulturwissenschaften in Wien und Birmingham und u.a. Fellow an der New School for Social Research in New York und am IWM in Wien.
Männer haben Lust am Untergang
„Frauen sind Gemälde, Männer sind Probleme“, hat Oscar Wilde mal geschrieben. Für Tobias Haberl sind Männer Gemälde und Frauen Problemlöser, wie wissen wie man Kalkreste aus dem Wasserkocher bekommt: Männer haben immer ein bisschen Lust am Untergang. Männer ziehen sich in Wälder zurück, wenn sie die Menschheit nicht mehr ertragen (Henry David Thoreau).“ Sie tapezieren die Wände ihres Schlafzimmers mit Kork, legen sich ins Bett und schreiben einen Jahrhundertroman (Marcel Proust). Oder sie gehen auf den Champs-Élysées spazieren und werden von einem herunterfallenden Ast erschlagen (Ödön von Horváth). Frauen sind für Tobias Haberl seine Mutter, die den Sand aus seinen Tennissocken wäscht. Der Literaturwissenschaftler Tobias Haberl schreibt für das „Süddeutsche Zeitung Magazin“. Sein letztes Buch „Die große Entzauberung – Vom trügerischen Glück des heutigen Menschen“ wurde ein Bestseller.
Alleinsein und Einsamkeit unterscheiden sich
Alleinsein und Einsamkeit sind zwei Gefühle, die man leicht verwechseln kann. Andreas Salcher erläutert: „Ein Mensch ist allein, wenn kein anderer um ihn herum ist. Ein Mensch ist einsam, wenn er die Anwesenheit anderer Menschen schmerzlich vermisst.“ Viele, die ständig beruflich und in der Familie unter Menschen sind, sehen sich sogar nach mehr Zeit für sich selbst. Nach Einsamkeit sehnt sich niemand. Im Laufe jedes Lebens gibt es unabhängig vom Lebensalter Augenblicke einer tief empfundenen Einsamkeit. Es geht um einen subjektiv empfundenen Mangel an sozialen Kontakten oder die Sehnsucht nach einem bestimmten abwesenden Menschen. Allein zu leben kann eine bewusste Entscheidung sein, Einsamkeit ist eine Urangst des Menschen. Von der Geburt bis zum dritten Lebensjahr ist man völlig abhängig von anderen, meist von seiner Mutter. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
Die Ausrede des Unwissens zieht oft nicht
Ein Vehikel, wie Menschen ihr Selbstbild vor moralischen Selbstzweifeln schützen können, ist die Behauptung oder Überzeugung, dass sie etwas nicht gewusst haben. Armin Falk erläutert: „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts. Eine tolle Geschichte, die wir uns und anderen immer wieder von Neuem erzählen. Und die wir ebenso oft von anderen hören.“ Und es stimmt ja auch; Wie kann man jemanden für etwas verantwortlich machen, wenn der Betroffene nichts wissen konnte? Das Problem für die Moral ist, dass diese Ausrede oft nicht zieht. Die exkulpierende Wirkmacht des Unwissens erklärt die Strategie, warum Menschen wegsehen und nicht wissen wollen. Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung, sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn.
Die Identität bleibt stets schützenswert
Zugehörigkeit gibt einem Menschen das Gefühl, Teil von Gemeinschaften zu sein. Thomas W. Albrecht nennt Beispiele: „Dazu zählen deine Familie, dein berufliches Umfeld, dein Sportverein, deine Nachbarn und deine Mitmenschen, die Gesellschaft, in der du lebst und die gesamte Menschheit.“ Es bettet das Individuum mit seiner Identität in etwas ein, es gibt ihm einen Rahmen, in dem es mit seiner Identität Sinn stiftet. Es gibt die Antwort auf die Frage: „Für wen bin ich da?“ Die Spiritualität bezieht sich auf das Gefühl, Teil eines größeren, über die Gemeinschaft hinausgehenden Systems zu sein – einem System, das umfassend ist. Spiritualität gibt die Antwort auf die Fragen: „Um was geht es mir wirklich?“, „Was ist der Sinn meines Lebens?“ Thomas W. Albrecht ist Experte für Kommunikation und Rhetorik.