Armin Falk schreibt: „Der Mensch möchte geliebt werden. Und geachtet, gelobt und anerkannt. Von seinen Mitmenschen und sich selbst. Dieser Wunsch nach Anerkennung kann der guten Tat Flügel verleihen.“ Aber kann das Bedürfnis nach Anerkennung auch das Gegenteil bewirken? Die Antwort auf diese Frage hängt davon ab, auf welche Art und Weise ein Mensch ein gutes Selbstbild gewinnt. Zweifellos spielt ein moralisch untadeliges Verhalten dabei eine große Rolle. Vielleicht haben Sie sich schon einmal gefragt, was Wissenschaftler im Innersten antreibt, wovon sie träumen, worauf sie inständig hoffen. Häufig ist es der Wunsch, eine große Entdeckung zu machen. Armin Falk leitet das Institut für Verhaltensökonomik und Ungleichheit (briq). Außerdem ist er Direktor des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung sowie Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bonn.
Anerkennung
Bewertung bezeichnet Eva Illouz als „Nichtwahl“
Anerkennung schließt die Fähigkeit ein, eine ganze Person, ihre Ziele und Werte, angemessen zu würdigen und sich in ein Verhältnis der Gegenseitigkeit zu ihr zu versetzen. Eva Illouz ergänzt: „Will man jedoch eine Bewertung vornehmen, dann tritt man einem anderen in der Perspektive gegenüber, seine Wert durch vorab festgelegte Raster zu bestimmen. Bewertung und Anerkennung sind zwei unterschiedliche kognitive Einstellungen.“ Dass Erstere zunehmend die Oberhand über Letztere gewinnt, erklärt die Häufigkeit des soziologischen Vorgangs, den Eva Illouz als „Nichtwahl“ bezeichnet, da eine Bewertung in den meisten Fällen mit einer Zurückweisung verbunden ist. Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität von Jerusalem. Außerdem ist sie Studiendirektorin am Centre européen de sociologie et de science politique de la Sorbonne.
Gute Beziehungen beruhen auf Anerkennung
In einer hochentwickelten Gesellschaft beruhen gute Beziehungen auf Anerkennung. Diese ist erheblich schwieriger zu geben und anzunehmen als etwa das Teilen der Beute in einer Jägerkultur oder die Versorgung der gebrechlichen Eltern mit Nahrung. Wolfgang Schmidbauer weiß: „Da beide Seiten wenig Gelegenheit haben, ihre Dankesschulden durch körperliche Präsenz und physische Gaben abzugelten, kommen Eltern ebenso wie Kinder in die familientherapeutische Praxis, wenn die Kränkungen überhandnehmen, insbesondere dann, wenn eine imaginäre Schuld nicht nur ignoriert wird, sondern Gegenforderungen auftauchen: Nicht ich bin dir, nein, du bist mir etwas schuldig geblieben.“ Wenn ein Therapeut unsicher ist, ob seine Arbeit Früchte trägt, wenn er an sich selbst zweifelt und diesen Zweifel nicht sinnvoll findet und produktiv nutzt, sondern mit Schuld- und Schamgefühlen auf ihn reagiert, dann stehen ihm zwei Auswege offen. Wolfgang Schmidbauer gilt als einer der bekanntesten Psychoanalytiker Deutschlands.
Die Begegnung hat eine verändernde Kraft
Charles Pépin schreibt: „Die Philosophie Hegels hilft uns zu begreifen, warum die Begegnung mit dem Anderen die Kraft hat, uns zu verändern.“ In seiner Dialektik von „Herrschaft und Knechtschaft“ stellt er den Herrn und den Knecht auf eine auf den ersten Blick erstaunlich anmutende Weise einander gegenüber. Auch wenn der Herr befiehlt, so bleibt der doch, dem Verfasser der „Phänomenologie des Geistes“ zufolge, im geschlossenen, narzisstischen Kreis seiner Autorität und Subjektivität gefangen. Da er keinen anderen Herrn, keinem Alter Ego begegnet und nicht arbeitet, kann er auch keine objektive Anerkennung des eigenen Wertes erfahren. Ohne diese Erfahrung des Andersseins kann er aber nicht wissen, wer er ist. Charles Pépin ist Schriftsteller und unterrichtet Philosophie. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.