Erich Fromm erläutert die grundlegenden Ansprüche, die den beiden Denkern Karl Marx und Sigmund Freund gemeinsam sind. Als erste gemeinsame Haltung nennt er ihre kritische Grundhaltung. Der Zweifel im Denken von Karl Marx und Sigmund Freud betrifft vor allem das, was der Mensch über sich und andere denkt. Karl Marx zum Beispiel hielt das meiste, was die Menschen über ihre eigene Person und über ihre Mitmenschen denken, für reine Illusion oder Ideologie. Erich Fromm fügt hinzu: „Er glaubte, unsere persönlichen Gedanken richten sich nach den Ideen, welche die jeweilige Gesellschaft entwickelt, und diese Ideen seien von der besonderen Struktur und Funktionsweise der Gesellschaft determiniert.“ Eine wachsame, skeptische Einstellung gegenüber allen Ideologien, Ideen und Idealen ist laut Erich Fromm für Karl Marx kennzeichnend.
Allgemein
Achtsamkeit und Skepsis bremsen die Sorgenspirale
Daniel Goleman zitiert Tom Borkovec, der einen unerwarteten Vorteil der Sorge entdeckte. Wenn die Menschen sich ganz ihren sorgenvollen Gedanken überlassen, bemerken sie nicht die subjektiven Phänomene der Angst, die von diesen Sorgen entfacht werden. Dazu zählen eine schneller Puls, Schweißausbrüche und das Zittern. Eine ständige Besorgtheit scheint tatsächlich die Angst etwas einzudämmen, jedenfalls soweit sie sich auf den Pulsschlag bezieht. Starke Besorgtheit kann also in gewissem Rahmen als Gegengift gegen die Angst wirken, die durch sie selbst verursacht wurde. Aber ständige Besorgtheit schränkt die Lebensqualität eines Menschen stark ein. Daniel Goleman schreibt: „Aber chronische Sorgen sind auch kontraproduktiv insofern, als sie die Form stereotyper, rigider Ideen annehmen, statt kreativer Durchbrüche, die tatsächlich auf eine Lösung des Problems hinzielen.“
Ein Narzisst verwechselt Schönheit und Macht mit dem Glück
Die klinische Diagnose einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung beschreibt eine Person, deren Selbstwertempfinden zwischen Größenwahn und Minderwertigkeitsgefühlen hin und her pendelt. Rebekka Reinhard erklärt: „Der Narzisst ist extrem selbstbezogen, lebt in ständiger Sorge um sein Aussehen, sein Ansehen und seinen Wohlstand.“ Außerdem tut er alles, um die Bewunderung und Anerkennung anderer Menschen zu bekommen, bemüht sich um hervorragende Leistungen, erkämpft sich einflussreiche Positionen und schafft Abhängigkeiten. Und er ist stark eingenommen von bestimmten Fantasien: er träumt vom grenzenlosen Erfolg und von einer Liebe und Schönheit, denen ebenfalls keinerlei Grenzen gesetzt sind. Dr. Rebekka Reinhard studierte Philosophie, Amerikanistik und Italianistik und promovierte über amerikanische und französische Gegenwartsphilosophie. Zu ihren erfolgreichen Büchern zählen „Die Sinn-Diät“, „Odysseus oder Die Kunst des Irrens“ und „Würde Platon Prada tragen?“
Die Menschen leben heute in einer industriellen Oralphase
Der Philosoph Günther Anders hat schon vor rund einem halben Jahrhundert festgestellt, dass der zentrale Leitbegriff der Kultur, nach dem die Menschen ihr Verhältnis zur Welt organisiert ist, die Oralität ist: „Modell der Sinnesaufnahme ist heute weder, wie in der griechischen Tradition, das Sehen; noch wie in der jüdisch-christlichen Tradition das Hören, sondern das Essen. Wir sind in eine industrielle Oralphase hineinlaviert worden, in der der Kulturbrei glatt hinuntergeht.“ Günther Anders spielt hier ganz bewusst auf einen bedeutenden Begriff der Psychoanalyse von Sigmund Freud an. Sigmund Freud unterschied verschiedene Phasen der psychosexuellen Entwicklung. Dabei ist jede Periode durch die Vorherrschaft bestimmter erogener Zonen gekennzeichnet, die er als Zentren der Lust bezeichnet. Der um den Mund zentrierten oralen Phase folgen bekanntlich die anale und die ödipale Phase und, nach einer Latenzperiode, die genitale Phase.
Viele Menschen unterschätzen die wahren Werte des Lebens
Sigmund Freud schreibt zu Beginn seiner Abhandlung über das Unbehagen in der Kultur: „Man kann sich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Menschen mit falschen Maßstäben messen und Macht, Erfolg und Reichtum für sich anstreben und bei anderen bewundern. Die wahren Werte des Lebens aber würden sie unterschätzen.“ Diese wahren Werte waren für Plato das Schöne und das Gute. Rotraud A. Perner erklärt: „Was man darunter versteht, beruht letztlich auf subjektiven Lustempfindungen und allenfalls gesellschaftlicher Vereinbarung einer Mehrheit Gleichgesinnter. Dieses Lustempfinden ist erlernt wie jedes Wahrnehmen und Reagieren und meist durch Manipulation von Bezugspersonen oder Einwirkung von audiovisuellen Medien geprägt.“ Rotraud A. Perner ist Juristin, Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin und absolvierte postgraduale Studien in Soziologie und evangelischer Theologie.
Alfred Adler erkennt die Wichtigkeit der Einfühlung
In der Funktion des Voraussehens erkennt Alfred Adler bei beweglichen Organismen eine unerlässliche Notwendigkeit. Der Seele kommt dabei die Fähigkeit zur Hilfe, nicht nur zu empfinden, was in der Wirklichkeit ist, sondern auch zu fühlen, zu erraten, was etwa in der Zukunft sein wird. Man nennt diesen Vorgang Einfühlung. Diese Fähigkeit ist bei den Menschen besonders stark entwickelt. Sie ist ein so weit reichender Vorgang, dass man sie an fast jeder Stelle des Seelenlebens findet. Alfred Adler ist der Überzeugung, dass erst durch das Zusammenfassen des Denkens, Fühlen und Empfindens einer erst zu erlebenden Situation wieder ein Standpunkt gewonnen werden kann, etwa der, einen bestimmten Punkt mit besonderer Kraft anzustreben oder ihm mit besonderer Vorsicht auszuweichen.
Abscheuliche Empfindungen erzeugen auch eine rätselhafte Lust
Die Lust an der Scham hat für Ulrich Greiner noch eine andere, eine dunklere Seite. Sie besteht ganz allgemein gesprochen in einer Faszination am Abscheulichen: „Das Abscheuliche, Beschämende, Angsterregende und ähnliche widrige Empfindungen haben nicht nur eine abstoßende Kraft, sondern auch eine anziehende.“ Søren Kierkegaard schreibt in seiner Abhandlung „Der Begriff Angst“ folgendes dazu: „Das Leben bietet überdies Erscheinungen genug dar, bei denen das Individuum nahezu begehrlich auf die Schuld starrt, und gleichwohl sie fürchtet. Schuld hat für des Geistes Auge die Macht, die der Blick der Schlange hat, die des Zauberbanns.“ Ulrich Greiner war zehn Jahre lang der Feuilletonchef der ZEIT. Als Gastprofessor lehrte er in Hamburg, Essen, Göttingen und St. Louis. Außerdem ist er Präsident der Freien Akademie der Künste in Hamburg.
Werner Bartens erklärt den Zugang zu den eigenen Gefühlen
Die Seele, die Psyche, die Emotionen – das ist wie eine „Black Box“ für manchen Menschen. Werner Bartens erklärt: „Sie wissen, dass da irgendetwas jenseits ihrer rationalen Welt ist, sie spüren es auch irgendwie, doch in den Griff bekommen sie ihre Gefühle nicht.“ Zwar spüren viele Menschen, wenn sie gestresst und leer sind und irgendwie bedürftig – doch was ihnen in dieser Situation fehlt, was ihnen guttut und welche negativen Gefühle sie gerade haben und welche positiven sie wieder hervorrufen könnten und sollten, ist den meisten nicht mehr bewusst. Werner Bartens erläutert: „Sie lassen sich von nichts und niemanden mehr berühren und verlieren so den Zugang zu den Tiefen ihres möglichen Erlebens – wie auch zu ihren emotionalen Höhenflügen und anderen Formen des Überschwangs.“ Werner Bartens ist Autor von Bestsellern wie „Das Ärztehasser-Buch“, „Körperglück“ und „Was Paare zusammenhält“.
Jeder Mensch befindet sich im Strom seiner Familiengeschichte
Ob es die Menschen wollen oder nicht, ob sie es wahrhaben wollen oder nicht, sie befinden sich mitten im Strom ihrer Familiengeschichte. Dabei ist es äußerst spannend und wichtig zu erfahren, welche Ereignisse, Erlebnisse, welche Kräfte der Gefühle und welche Personen aus der Tiefe der Vergangenheit auf den jeweiligen Menschen Einfluss genommen haben könnten. Uwe Böschemeyer fügt hinzu: „Wir können dann selbst entscheiden, ob wir dieses Erbe weiterleben wollen oder nicht.“ Dass jedes Individuum der Gattung Mensch angehört, bezweifelt bekanntlich niemand. Dass jeder Mensch einzigartig ist, bejaht jeder gerne. Im Jahr 1975 erwarb Uwe Böschemeyer bei Prof. Viktor Frankl sein Zertifikat in Logotherapie und Existenzanalyse. 1982 gründete er das Institut für Logotherapie in Hamburg. Die Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Wertimagination und die Wertorientierte Persönlichkeitsbildung.
Die Grundzüge der Willenstherapie von Otto Rank
In seinem Buch „Entwicklungsziele der Psychoanalyse“ das er zusammen mit Sándor Ferenczi geschrieben hatte, rückte Otto Rank von der übertriebenen Vergangenheitsforschung der analytischen Therapie ab. Er betonte, dass die aktuellen Probleme des Patienten die wichtigsten seien. In der Beziehung zwischen Therapeut und Analysand entwickelt sich der eigentlichen Heilungsprozess. Die entscheidenden Kräfte dabei sind seiner Meinung nach die Emotionen und Einsichten, die aus der Übertragungssituation gewonnen werden. Otto Rank plädiert für ein aktives Verhalten des Analytikers, nur ein kühl distanziertes Gegenüber lehnt er ab. In seiner Lehre machte Otto Rank die Mutter zur Hauptgestalt in der Krankheitsgeschichte seiner Patienten, denn das Übertragungsgeschehen galt ihm als Reminiszenz an dessen Mutterbeziehung in der präödipalen Phase seines Lebens.