Jeder Mensch hat eine Bestimmung

Wie das westliche Denken seit Aristoteles, so war auch Konfuzius der Auffassung, der Mensch habe von Natur aus eine Bestimmung in sich. Dieser müsse er folgen, um Glück und Erfüllung für sich und die Gesellschaft zu erlangen. Aristoteles nannte es das „telos“, die alten Chinesen das „Dao/Tao“. Albert Kitzler betont: „Die Bestimmung hat zum einen mit der allgemeinen Natur des Menschen zu tun. Und meint dann, dass wir ein „naturgemäßes“ Leben führen sollen.“ Zum anderen meint es die besonderen Anlagen, Talente und Bedürfnisse jedes Einzelnen. Diese soll er erkennen, ihnen in seinem Leben folgen und sie verwirklichen. Das ist seine oberste Pflicht. Folgt er dieser inneren Bestimmung, so findet – nach Konfuzius – auch die Welt ihren Frieden. Der Philosoph und Jurist Dr. Albert Kitzler ist Gründer und Leiter von „MASS UND MITTE“ – Schule für antike Lebensweisheit.

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Die Liebe verwandelt sich in Traurigkeit

Beim Eros handelt es sich um die begehrende Liebe, die an den Mangel geknüpft ist. Philia ist die freundschaftliche Liebe, die eine Wahl einschließt und auf Gegenseitigkeit beruht. Die sich schenkende und völlig selbstlose Liebe nennt man agape. Diese drei sind ziemlich oft eng miteinander verknüpft, daher kommt dann auch die Komplexität und Mehrdeutigkeit von Liebesbeziehungen. Es ist also wichtig, das man lernt, sich selbst zu erkennen und die eigenen wahren Beweggründe zu durchschauen. Frédéric Lenoir warnt: „Man hat das Recht, eine Leidenschaft auszuleben, aber man sollte dabei auch wissen, dass man jede Form von Realismus verliert! – In jedem Fall verlieren wir jegliche Objektivität.“ Und man sollte auch verstehen, dass man nur allzu oft seine eigenen Defizite, Erwartungen und Bedürfnisse auf den anderen projiziert. Frédéric Lenoir ist Philosoph, Religionswissenschaftler, Soziologe und Schriftsteller.

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Liebe ist immer mit einem Risiko verbunden

Am Beginn eines Interviews über die Bedeutung der Liebe, das Alain Badiou mit dem Titel „Lob der Liebe“ veröffentlichte, geht er auf Werbeplakate ein, welche die Partnervermittlungs-Website „Meetic“ über Paris hinweg verteilt hat. Auf diesen Plakaten hätten Sätze gestanden wie: „Man kann verliebt sein, ohne der Liebe zu verfallen!“ Alain Badiou nennt das eine „Vollkaskoversicherung der Liebe“. Peter Trawny fügt hinzu: „Man bekommt Liebesgenuss unter der Voraussetzung einer Kalkulation seines Preises beim Scheitern.“ Durch die Website reduziert man dieses Risiko, indem man seine Erwartungen an den Anderen so klar wie möglich formuliert, indem man Ähnlichkeiten bei Hobbys und Matches bei den Sternzeichen und vielleicht sogar beim Einkommen registriert. Peter Trawny gründete 2012 das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, das er seitdem leitet.

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Routinen sind Gift für die Liebe

Wenn sich ein verliebter Partner mit einem Gegenüber abmüht, das sich nicht entflammen lässt, endet die Liebe im Burn-out. Psyche und Gehirn des Menschen raffen sich nur dann zu besonderen Leistungen auf, wenn sich neue, unbekannte Aufgaben stellen und es dabei etwas Besonderes zu gewinnen gibt. Joachim Bauer weiß: „In der Frühphase einer Bekanntschaft schnellt man hoch und eilt zur Tür, wenn der Partner von der Arbeit kommt. Der oder die nach Hause Gekommene wird gebeten, vom Tag zu erzählen, um ihm oder ihr dazu möglichst viel zurückzuspiegeln.“ Betritt einer der Partner einige Monate später die Wohnung, erfolgt der Gruß oft nur noch von der Couch, schließlich laufen im Fernsehen gerade die Nachrichten. Joachim Bauer ist Arzt, Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Bestsellerautor von Sachbüchern.

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Liebe und Freundschaft verlangen Vertrauen

Martin Hartmann erwähnt, dass Vertrauen durchaus scharfe Grenzen um sich herum aufbauen kann, um dann einen als bedrohlich empfundenen Außen misstrauisch zu begegnen. Wer nur denen vertraut, die ähnlich sind wie man selbst, wird in mancher Hinsicht nicht schlecht fahren. Es wäre für Martin Hartmann vermessen, diese Orientierung am Ähnlichen moralisch verwerflich zu finden. Wieder gilt, wie gut oder schlecht Gründe des Vertrauens sind, zeigt sich erst im Vertrauen selbst. Es gewinnt oder verliert seine Moral im Akt des Vertrauens selbst. Es ist sinnvoll, von den rein begrifflichen Überlegungen einige Beziehungsmuster zu erwähnen, die häufig den eigentlichen Ort des Vertrauens markieren. Dazu zählt Martin Hartmann die Liebe, die Freundschaft oder die persönliche Nähe. Martin Hartmann ist Professor für Praktische Philosophie an der Universität Luzern.

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Die Resonanz bildet das Urmotiv der Liebe

Resonanz zu erhalten, ist die tiefste Sehnsucht des Menschen. Sie ist neurobiologisch verankert und bildet das Urmotiv für Liebe, Sexualität und Partnerschaft. Joachim Bauer nennt Beispiele: „Nirgendwo zeigt sich die Resonanz derart intensiv wie in Momenten des Flirts, in Phasen frischer Verliebtheit oder dort, wo zwei Menschen in einer gereiften, glücklichen und oft auch sexuell erfüllten Partnerschaft angekommen sind.“ Schwierig wird es oft dazwischen, in der Phase, wenn die Verliebtheit abgeklungen ist, aber noch keine Vertrautheit und Liebe entstanden ist. Was die beteiligten Partner am Beginn einer Liebesbeziehung wechselseitig bespielen, ist das System der Spiegelnervenzellen. Das Resonanzgeschehen beginnt meist nonverbal, statt Worten kommen zunächst vor allem körpersprachliche Zeichen zum Einsatz: Blicke, Mimik und Körperposen. Joachim Bauer ist Arzt, Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Bestsellerautor von Sachbüchern.

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Vertrauen setzt Vertrauenswürdigkeit voraus

Vertrauen entsteht nicht, weil es wichtig ist. Mit anderen Worten, nur weil man es braucht oder weil es fehlt, tritt es nicht in Erscheinung. Man schenkt Vertrauen auch nicht, weil es wichtig ist. Martin Hartmann erklärt: „Wir schenken Vertrauen, wenn jemand vertrauenswürdig ist. Gleiches gilt für die Liebe. Liebe ist wichtig, aber wir lieben nicht, weil es wichtig ist, sondern weil wir jemanden für der Liebe würdig erachten oder weil wir uns Hals über Kopf verlieben.“ Vertrauen und Vertrauenswürdigkeit schaffen sich nicht von selbst, wenn sie benötigt werden. So freundlich sind sie nicht. Man muss sie schon selbst durch seine Praktiken ins Leben rufen. Einstellungen des Vertrauens sind immer eingebettet in ein System anderer Werte und Einstellungen. Martin Hartmann ist Professor für Praktische Philosophie an der Universität Luzern.

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Die Rache ist nicht nur ein Gefühl

Bei keinem anderen Gefühl ist das Zusammenspiel von emotionalen und rationalen Elementen so komplex wie bei der Rache. Reinhard Haller weiß: „Sie ist nicht nur ein Gefühl, sondern auch ein Gedankengebilde und ein kognitiver Prozess. Sie erfasst sowohl das Gemüt als auch den Verstand.“ Die Liebe zum Beispiel folgt keinen logischen Gesetzen, kann nicht erdacht und gedanklich kaum gesteuert werden. Sie überwältigt den Menschen in seiner Gesamtheit, und sie macht ihn gleichsam blind. Und erst recht das Glück, diese einzigartige Erfüllung menschlichen Wünschens und Strebens, das man allen Definitionen zum Trotz nicht kognitiv erfassen und mit unzähligen Glücksanleitungen nicht lernen können, weil es sich letztlich um reine Emotionalität handelt. Der Psychiater und Psychotherapeut Reinhard Haller arbeitet vornehmlich als Therapeut, Sachverständiger und Vortragender.

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In der Ehe will die Liebe Ewigkeit

Das deutsche Wort Ehe hat eine schöne Herkunft. Es stammt vom althochdeutschen êwa ab, das Ewigkeit, aber in dieser Ewigkeit auch Recht und Gesetz bedeutet. Peter Trawny erläutert: „Wer sich zur Ehe zusammenfindet, will demnach seine Liebe verewigen, das heißt ihre Endlichkeit vernichten.“ Doch das ist nur das Wort: In allen Gesellschaften und Kulturen bildet die Ehe eine Institution, die der Gründung der Familie – der geregelten Fortpflanzung – dient. So weiß man, wer wo in der Blutlinie steht, wer welche Anrechte auf welche Erbschaft hat. Dass die Ehe heute in den Gesellschaften, in denen die Religion eine geringere Rolle spielt, vor allem diese pragmatische Bedeutung hat, ist offenbar. Peter Trawny gründete 2012 das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, das er seitdem leitet.

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In der Liebe herrscht wunderbare Intimität

Es gibt in jeder Liebe den Moment, in dem die Grenze zum Körper des Anderen überschritten wird. Dann beginnt eine einzigartige Intimität, eine Nähe, in der die Liebenden beinahe ganz angekommen sind. Peter Trawny erläutert: „Diese Nähe, ihre Erfahrung, ruft etwas hervor, das zuerst und zuletzt unsagbar bleibt. Wer darauf achtet, wird merken, dass es mehr ist als ein bloßes Gefühl.“ Zunächst wird die Berührung offenbar. Man wendet sich dem Körper der Geliebten zu und streichelt ihn. Nun verändert sich die gemeinsame Situation. Mit dem Streicheln ist der Geliebte nicht mehr der Körper, der er vorher war. Er wird Fleisch, ein Körper, der begehrt und dieses Begehren zeigt. Peter Trawny gründete 2012 das Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, das er seitdem leitet.

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