Niemand kann dauerhaft glücklich sein

Viele Menschen wollen frei und selbstbestimmt sein oder sich zumindest so fühlen. Da passen weder Ernährungsampeln noch Tempolimit in den Plan. Maren Urner erläutert: „Sie suchen den Sinn vielleicht in Grenzerfahrungen, im Besonderen, im nächsten Adrenalinkick, der nie allzu lange auf sich warten lassen sollte.“ Die wichtigste Frage, die sich hinter den Sinn- und Seinskrisen versteckt, ist ja: „Wonach suchen wir alle? Oder anders formuliert: Worum geht es eigentlich?“ Abgesehen von konkreten Zielen, die ein jeder im Leben vielleicht verfolgt, sollen ebendiese Ziele am Ende des Tages dazu führen, dass man sich gut fühlt. Manchen nennen es zufrieden, andere glücklich. So wird Glück oft als ein kurzfristiger Zustand beschrieben, der nur möglich ist, gerade weil niemand dauerhaft glücklich sein kann. Dr. Maren Urner ist Professorin für Medienpsychologie an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) in Köln.

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Eine Quelle von Dummheit ist die Faulheit

Ein weiterer und schier unerschöpflicher Quell von Dummheit oder dummen Entscheidungen ist die Trägheit bzw. Faulheit. Vor allem, wenn es darum geht, die eigene Entscheidungsgrundlage über die Beschaffung von Fakten zu erweitern. Heidi Kastner erläutert: „Die Ursachen dafür liegen wohl in der conditio humana, in der Anstrengung vermieden wird und Anstrengungsbereitschaft nicht gerade als Dauerzustand vorhanden ist.“ Sie liegen auch in der Kritiklosigkeit, mit der Informationen unabhängig von ihren Quellen als gleichwertig wahrgenommen werden. Und in der Möglichkeit, eigene Vorurteile bei anderen jederzeit bestätigt zu finden, um sich schließlich nur mehr mit Gleichgesinnten auszutauschen. Zudem liegen sie in dem mangelhaften Training des Urteilsvermögens, das scheinbar nicht benötigt wird. Heidi Kastner ist Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie. Seit 2005 ist sie Chefärztin der forensischen Abteilung der Landesnervenklink Linz.

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Trotz beginnt schon in der Babyzeit

Im Alter zwischen zwei und sechs Jahren können simple Situationen heftigen Trotz auslösen. Für Eltern ist die Autonomiephase, wie man die Zeit der beginnenden Selbstständigkeit des Kleinkindes nennt, oft belastend. Wie reagiert man auf Wutanfälle? Und wie können Kinder lernen, mit Gefühlsausbrüchen umzugehen? Kinder wissen schon früh, was sie wollen. Und das teilen sie deutlich mit. „Trotz beginnt schon in der Babyzeit“, erklärt die Pädagogin und Buchautorin Susanne Mierau. Zum Beispiel, wenn es sich abwendet und nicht wickeln lassen will, so die Expertin. Noch schafft man es, das Baby abzulenken. Ab zwei Jahren wird das schwieriger. Die Sprache kommt dazu, die Kinder werden stärker und motorisch geschickter. Ein lautstarkes „Nein“ oder „Ich will aber nicht“ ist nicht mehr zu überhören.

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Menschen können ihr Verhalten ändern

Alle diese Perspektiven, die biologische, die lebensgeschichtliche, die psychoanalytische, die soziologische und manche andere, versuchen, psychische Phänomene so zu deuten, als gäbe es die Freiheit des Menschen nicht. Manfred Lütz erklärt: „Nicht der freie Mensch, sondern die Moleküle, das Lebensschicksal, die frühe Kindheit, die Gesellschaft sind „schuld“. Solche Sichtweisen sind auch ganz in Ordnung, denn genau das erwartet man zu Recht von wissenschaftlichen Einsichten: dass sie Ursachen ermitteln, die das menschliche Verhalten bestimmen und voraussagbar machen.“ Wenn sie jedoch behaupten würden, damit alles über den Menschen zu sagen, wären sie nicht mehr seriös. Denn ein solcher Anspruch auf Totaldeutung wäre nicht Wissenschaft, sondern Ideologie. Wissenschaft kann die Freiheit des Menschen daher nicht ausschließen, aber sie kann sie auch nicht erfassen, denn dann wäre die Freiheit keine Freiheit mehr. Dr. med. Dipl. theol. Manfred Lütz ist Psychiater, Psychotherapeut, Kabarettist und Theologe.

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Großzügigkeit verspricht Erfolg

Adam Grant, Professor für Organisationspsychologie an der Wharton Business School, ist davon überzeugt, dass sich gerade in der konkurrenzorientierten Wirtschaftswelt Großzügigkeit langfristig als erfolgversprechender erweist als selbstbezogenes Handeln. Als ein Beispiel zitiert er LinkedIn-Mitbegründer Reid Hoffman: „Es mag widersinnig klingen, aber je altruistischer Ihre Einstellung ist, desto mehr werden Sie von der Beziehung profitieren. Wenn Sie darangehen, anderen zu helfen, wird sich Ihr Ruf festigen, und Ihr Universum von Möglichkeiten wird sich erweitern.“ Adam Grant unterscheidet drei Typen von Akteuren im Berufsleben: den Nehmer, den Geber und den Tauscher. Andreas Salcher erklärt: „Nehmer helfen anderen, wenn überhaupt nur aus taktischen Gründen, sofern sie einen Nutzen daraus ziehen können, der jedenfalls größer als ihr Einsatz ist.“ Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Der Wettbewerb beginnt im Kindergarten

Es sind nur teilweise die Eltern, die extrem hohe Anforderungen an ihren Nachwuchs stellen. In ihrem neuen Buch „Angepasst, strebsam, unglücklich – die Folgen der Hochleistungsgesellschaft für unsere Kinder“ kritisiert die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm das Bildungssystem. Ihrer Meinung nach wird heutzutage zu viel von den Kindern verlangt: „Die Akademisierung des Bildungssystems führt dazu, dass zunehmend höhere Abschlüsse vorausgesetzt werden. Eltern spürten das und verlangen ihren Kindern deshalb mehr ab.“ Die Kleinen merken wiederum, wenn die Eltern nicht zufrieden mit ihnen sind. Dafür sprechen auch die Zahlen: Viele Kinder haben psychische Probleme und leiden unter dem Leistungsdruck. Das beginnt schon früh, selbst im Kindergarten. Bereits in der Frühförderung herrscht ein Wettbewerb unter Eltern, welches Kind am besten ist. Margrit Stamm ist Professorin für pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Freiburg (Schweiz).

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Gerechtigkeit ist ein natürliches Bedürfnis

Laut Hans-Otto Thomashoff wird über kurz oder lang ein entscheidender Stressfaktor für eine Gesellschaft in den Vordergrund rücken: das Thema Gerechtigkeit. Hans-Otto Thomashoff erläutert: „Unweigerlich reagieren wir auf Ungerechtigkeit mit Ärger, und der führt wie die Angst zu Stress. Verständlicherweise nimmt das Thema Gerechtigkeit im politischen Diskurs einen zentralen Platz ein und ist die politische Praxis bestrebt, Gerechtigkeit in der Gesellschaft zu fördern.“ Weil es jedoch aufgrund unterschiedlicher Ansprüche keine absolute Gerechtigkeit geben kann, ist das Thema zugleich eine beliebte Spielwiese für politische Agitation. Gerechtigkeit ist ein natürliches Bedürfnis, das der Homo sapiens mit vielen höheren Tieren teilt. Ein Mensch kann also gar nicht anders, als Ungerechtigkeit unangenehm zu finden. Hans-Otto Thomashoff ist Facharzt für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychoanalyse in eigener Praxis in Wien.

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Spielen und Träumen sichern die Realität ab

Das Spielen und das Träumen sind wirkungsvolle Hilfsmittel, um die eigene Realität abzusichern. Ille C. Gebeshuber bedauert: „Leider hören das Spielen und Träumen mit dem Eintritt in das Erwachsenenaltersgrößtenteils auf. Die Realität umgibt die Menschen mit Sachzwängen und zwingt sie so, ihre kindliche Seite in die hintersten Winkel ihres Geistes zu verbannen.“ Dabei hören die meisten Menschen nicht auf, Kind zu sein, nur die Spielregeln ändern sich. Die eigene Weltsicht wird solide und der Platz in der Gesellschaft akzeptiert. Die Informationen, denen die Erwachsenen nun ausgesetzt sind, haben privaten, beruflichen oder gesellschaftlichen Charakter. Gesellschaftlich relevante Informationen begleiten die Menschen auf Schritt und Tritt. Von der Warntafel über die Zeitung bis hin zu den Lieblingssendungen. Ille C. Gebeshuber ist Professorin für Physik an der Technischen Universität Wien.

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Bequemlichkeit stört die Selbstfindung

„Wer bin ich? Was ist mir wirklich wichtig?“ Das fragt sich jeder Mensch irgendwann einmal. Eine gute Antwort verlangt Mut, Achtsamkeit und auch ein Stück weit Selbstreflexion. Doris Iding schreibt: „Nie zuvor konnten Menschen ihren Lebensweg freier wählen als in der heutigen Zeit. Gleichzeitig sind viele mit der großen Auswahl an Optionen überfordert.“ Das Überangebot an Möglichkeiten, ein Leben zu führen, das den eigenen Bedürfnissen, Talenten und Wünschen entspricht, fordert das Individuum umso mehr dazu auf herauszufinden, ob das, was angeboten wird, wirklich mit dem eigenen Wesen und Werten vereinbar ist. Deshalb ist es wichtig, sich immer wieder zu fragen: „Passt das, was ich tue, auch wirklich zu mir?“ Antworten auf so eine existenzielle Frage zu finden ist nicht leicht.

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Man braucht nicht den Partner zum Glück

Statt beim Sport Dampf abzulassen oder mal übers Wochenende zu verreisen, saßen während der Lockdowns Paare sich auf der Pelle und sahen dabei zu, wie die auferlegte Freiheitsberaubung der Beziehung den Rest gab. Violetta Simon weiß: „Dass sich nach so langer Zeit des Erduldens das Ego zurückmeldet, ist eine Erkenntnis, die nicht zwingend eine Pandemie braucht. Mitunter genügen auch zehn, 20 Jahre Ehe, um sich zu fragen: Soll das alles gewesen sein?“ „In solchen Phasen ist es wichtig, sich auf die eigenen Bedürfnisse und Interessen zu konzentrieren“, sagt Judith Gastner, wissenschaftliche Leiterin der digitalen Coaching-Plattform „PaarBalance“. So werde die persönliche Kontur klarer: Wer bin ich, was macht mich aus? „Oft hilft es schon, sich einen Rückzugsort zu schaffen, wie zum Beispiel ein eigenes Arbeitszimmer.“

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