Die Dinge mit den Augen des Anderen sehen

Jemanden zu begegnen, bedeutet, dass man eine andere Sicht auf die Dinge entdeckt und die Erfahrung macht, dass sich die eigene Weltbeziehung verändert. Charles Pépin erläutert: „Seitdem ich dich getroffen habe, stehe ich nicht mehr im Zentrum meiner Welt und bin auch nicht mehr jene Monade, welche die Welt nur aus ihrer eigenen Position heraus wahrnimmt. Jetzt sehe ich die Dinge auch mit deinen Augen.“ Eine Nachricht macht Schlagzeilen und man meint zu wissen, wie der Andere sie aufnehmen wird. Man nimmt an einer Konferenz teil und kann sich denken, welche Überlegungen der Andere dazu anstellen wird. Man hört ein Lied und glaubt zu wissen, ob es dem Anderen gefallen wird oder nicht. Charles Pépin ist Schriftsteller und unterrichtet Philosophie. Seine Bücher wurden in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt.

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Die überdramatisierte Weltsicht boomt

Unzählige Parameter wie Bildung, Gesundheit, Lebenserwartung, Chancengleichheit, Sicherheit, Wohlstand, Freiheit und viele andere haben sich in den letzten Jahren sehr verbessert. Der Menschheit ging es noch nie so gut wie heute. Dennoch glauben die meisten Menschen immer noch: „Früher war alles besser.“ Markus Hengstschläger erläutert: „Der moderne Homo sapiens denkt mehrheitlich, dass er in einer Welt zunehmender Kriege, Gewaltverbrechen, Naturkatastrophen, menschengemachter Katastrophen, Korruption, Armut und Ungerechtigkeit lebt.“ Hans Rosling nennt das die überdramatisierte Weltsicht und gibt die Schuld nicht den böswilligen Medien, nie nur mehr Negativschlagzeilen und Katastrophenberichte bieten, oder der Propaganda, den Fake News oder den „alternativen Fakten“. Er schreibt es jenen menschlichen Instinkten zu, die während Millionen von Jahren andauernder Evolution im menschlichen Gehirn verankert wurden. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien.

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