Es gibt Menschen, die argumentieren, dass ein Ziel ein in der Zukunft liegender Endpunkt ist. Markus Hengstschläger ergänzt: „Dafür muss das Ziel zumindest relativ klar definierbar sein, und man muss es sich vorstellen können.“ Der Ausspruch „Der Weg ist das Ziel“ soll von dem chinesischen Philosophen Konfuzius stammen. Auch in diesem Fall kann man eine Vorstellung davon haben, auch wenn das Ziel nicht ein bestimmter Endpunkt sein muss. Diese Dualität beinhaltet, dass einerseits ein definiertes Ziel als Endpunkt durch ein gerichtetes Vorgehen erreichbar ist, dass aber auch andererseits das Etablieren und Verfolgen eines laufenden ungerichteten Prozesses ein Ziel sein kann. Davon unabhängig ist es selbstverständlich empfehlenswert, sich Ziele zu setzen. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUni Wien.
Erfolg
Ohne Feinde stellt sich eher Erfolg ein
Andreas Salcher stellt fest: „Um nicht ausgebeutet und ganz unten zu landen, müssen Geber allerdings neben Talent bestimmte Eigenschaften besitzen.“ Der amerikanische Psychologe Adam Grant fand heraus, dass die erfolgreichen Geber ebenso ehrgeizig wie die Nehmer waren, jedoch ihre Ziele auf andere Art erreichten. Dazu kam, dass sie, sobald sie einmal auf der Erfolgsspur waren, viel Unterstützung von Menschen erhielten, denen sie geholfen hatten, statt von Neidern bekämpft zu werden, wie das Nehmern oft passierte. Risikoanleger Randy Komisar bringt das auf den Punkt: „Es ist leichter zu gewinnen, wenn jeder will, dass du gewinnst. Wenn du dir keine Feinde schaffst, hast du eher Erfolg.“ Es dauert meist eine Weile, bis Geber Wohlwollen und Vertrauen errungen haben. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
Großzügigkeit verspricht Erfolg
Adam Grant, Professor für Organisationspsychologie an der Wharton Business School, ist davon überzeugt, dass sich gerade in der konkurrenzorientierten Wirtschaftswelt Großzügigkeit langfristig als erfolgversprechender erweist als selbstbezogenes Handeln. Als ein Beispiel zitiert er LinkedIn-Mitbegründer Reid Hoffman: „Es mag widersinnig klingen, aber je altruistischer Ihre Einstellung ist, desto mehr werden Sie von der Beziehung profitieren. Wenn Sie darangehen, anderen zu helfen, wird sich Ihr Ruf festigen, und Ihr Universum von Möglichkeiten wird sich erweitern.“ Adam Grant unterscheidet drei Typen von Akteuren im Berufsleben: den Nehmer, den Geber und den Tauscher. Andreas Salcher erklärt: „Nehmer helfen anderen, wenn überhaupt nur aus taktischen Gründen, sofern sie einen Nutzen daraus ziehen können, der jedenfalls größer als ihr Einsatz ist.“ Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
Erfolg benötigt den richtigen Zeitpunkt
Der wichtigste Faktor für Erfolg ist die passende Situation. Es ist nicht der Wille eines Menschen und es sind auch nicht seine Fähigkeiten und Fertigkeiten allein, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Das sind zwar alles wichtige Faktoren für das Gelingen eines Vorhabens. Genau wie eine Prise Glück. Thorsten Havener betont: „Aber der wichtigste Faktor ist der richtige Moment. Versuchen Sie einmal, im Winter auf einer schneebedeckten Wiese Blumen zu pflücken … Da helfen auch Wille und Fähigkeiten nicht weiter.“ Auch der geschickte Manipulator wartet auf den richtigen Moment. Oder er schafft ihn. Manchmal wartet er den Moment der Entspannung seiner Zuschauer ab und handelt dann. Es gibt einige weitere Möglichkeiten, mit denen sich die Gedanken der Zuschauer einschränken lassen. Thorsten Havener ist Deutschlands bekanntester Mentalist.
Morgan Housel gibt Tipps zur Orientierung
Laut Morgan Housel gibt es zwei Orientierungspunkte: „Erstens: Pass auf, wen du lobst und bewunderst. Pass auf, wen du verachtest und nie kopieren würdest.“ Zudem sollte man nicht einfach annehmen, dass Anstrengungen und Entscheidungen allein das Ergebnis bestimmen. Morgan Housel erklärt: „Zweitens: Konzentriere dich weniger auf Einzelpersonen und einzelne Fallstudien, sondern mehr auf allgemeine Muster.“ Eine konkrete Person zu studieren, kann gefährlich sein, weil Menschen dazu neigen, Extrembeispiele zu betrachten. Dazu zählt Morgan Housel Milliardäre, Spitzenmanager und jene spektakulär Gescheiterten, deren Schicksal durch die Medien geht. Doch Extrembeispiele lassen sich wegen ihrer Komplexität kaum auf andere Situationen übertragen. Je drastischer ein Ereignis war, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich daraus eine Lektion für das eigene Leben ziehen lässt. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.
Das Glück trägt manchmal zu Erfolgen bei
Vor Jahren fragte Morgan Housel einmal den Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller: „Was wüssten sie gerne über Investitionsentscheidungen, die wir nicht wissen können?“ Er antwortet: „Welche Rolle das Glück bei Erfolgen spielt.“ Die Antwort gefällt Morgan Housel außerordentlich, denn tatsächlich glaubt niemand, Glück spiele bei finanziellen Erfolgen keine Rolle. Aber das Glück lässt sich so schlecht quantifizieren. Außerdem klingt es unhöflich, den Erfolg anderer Leute dem Glück zuzuschreiben. Deshalb lässt man diesen Faktor meistens unter den Tisch fallen. Erklärt man die Erfolge anderer mit schierem Glück, wirkt man neidisch und fies, wobei man weiß, dass Glück durchaus existiert. Seine eigenen Erfolge auf Glück zurückzuführen, könnte sich demoralisierend auf das Selbstbewusstsein auswirken. Morgan Housel ist Partner bei der Risikokapitalgesellschaft The Collaborative Fund.
Jeder sollte von den Besten lernen
Die Zeit zwischen 20 und 30 sollte jeder Mensch vor allem dazu nutzen, um zu lernen, möglichst von den Besten. Andreas Salcher ergänzt: „Dabei müssen wir uns noch nicht festlegen, weil wir das Ziel in unserem Leben noch gar nicht wissen können.“ Gleich den Gesellen im Mittelalter kann man von einem Meister zum anderen, von einer Universität zur nächsten, von einer Position zur anderen wandern, um sein Wissen zu mehren. Kein Mensch wird klüger, indem er ständig nur Erfolge feiert, sondern indem man aus seinen Misserfolgen lernt. Im dritten Lebensjahrzehnt erreichen die meisten Menschen trotz großer Anstrengung meist nicht das, was sie sich erhoffen. Dabei mangelt es ihnen nicht an Energie, sondern an Erfahrung und Kontakten. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Autor von Bestsellern und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
Krankheit kann immer etwas Sinnvolles sein
Krankheit bringt laut Viktor Frankl keineswegs eine Sinnverlust, eine Sinnverarmung des Daseins notwendig mit sich: „Sie ist die Möglichkeit nach vielmehr immer etwas Sinnvolles.“ Die Krankheit kann mitunter sogar einen Gewinn bedeuten. Es gibt sogar Menschen, die in Krankheit und Tod nicht nur keinen Verlust und nicht nur einen Gewinn sehen, sondern geradezu ein „Geschenk“. Dem Sinn, der sich aus Kranksein und Sterben ergeben mag, kann alle äußere Erfolglosigkeit und alles Scheitern in der Welt nichts anhaben. Hier handelt es sich vielmehr um einen inneren Erfolg, der trotz äußerer Erfolgslosigkeit besteht. Viktor E. Frankl war Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Universität Wien und 25 Jahre lang Vorstand der Wiener Neurologischen Poliklinik. Er begründete die Logotherapie, die auch Existenzanalyse genannt wird.
Glück und Erfolg sind nicht gleichbedeutend
Natürlich kann man nichts dagegen haben, dass Menschen glücklich sind. Der Ansatz, es sei Erfolg genug, wenn man selbst nur glücklich und zufrieden ist, muss allerdings aus verschiedenen Gründen hinterfragt werden. Und einen Zusammenhang zwischen Glück und Erfolg kann Markus Hengstschläger ohnedies nur bedingt ausmachen. Denn er weiß, dass es in der Kunst, der Wissenschaft, der Wirtschaft und vielem mehr schon so oft und beeindruckende Lebenswerke von unglücklichen beziehungsweise unzufriedenen Menschen gegeben hat. Markus Hengstschläger fügt hinzu: „Das schließt umgekehrt aber natürlich wiederum nicht aus, dass ein erfolgreiches Lebenswerk auch glücklich machen kann und soll. Es sagt aber auch nicht, dass eine in Aussicht gestellte Erfolgsgarantie glücklicher macht. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUniWien.
Es gibt verschiedene Arten von Erfolg
Für viele Menschen liegt die Zufriedenheit immer entweder in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Somit ist es kein Wunder, dass sich die Gegenwart für sie leer anfühlt. Markus Hengstschläger ist immer geneigt zu hinterfragen, ob stetiger Erfolg auf einem gewissen Niveau überhaupt glücklich macht: „Der wahrgenommene Erfolg verliert vielleicht mit der Zeit an Kraft. Und so könnte auch die Zufriedenheit unter objektiv gleichbleibenden Rahmenbedingungen sinken.“ Es drängt sich der Verdacht auf, dass das stetige Arbeiten an sicheren, bekannten Projekten sogar unglücklich machen könnte. Besser wäre es, immer wieder einmal etwas Neues auszuprobieren. Denn Arbeit fungiert als Teil der Entfaltung der Persönlichkeit und der Selbstverwirklichung. Im Wandel der Zeit ändern sich auch die Vorstellungen darüber, was das Leben lebenswert macht. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUniWien.