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Großzügigkeit verspricht Erfolg

Adam Grant, Professor für Organisationspsychologie an der Wharton Business School, ist davon überzeugt, dass sich gerade in der konkurrenzorientierten Wirtschaftswelt Großzügigkeit langfristig als erfolgversprechender erweist als selbstbezogenes Handeln. Als ein Beispiel zitiert er LinkedIn-Mitbegründer Reid Hoffman: „Es mag widersinnig klingen, aber je altruistischer Ihre Einstellung ist, desto mehr werden Sie von der Beziehung profitieren. Wenn Sie darangehen, anderen zu helfen, wird sich Ihr Ruf festigen, und Ihr Universum von Möglichkeiten wird sich erweitern.“ Adam Grant unterscheidet drei Typen von Akteuren im Berufsleben: den Nehmer, den Geber und den Tauscher. Andreas Salcher erklärt: „Nehmer helfen anderen, wenn überhaupt nur aus taktischen Gründen, sofern sie einen Nutzen daraus ziehen können, der jedenfalls größer als ihr Einsatz ist.“ Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

Helfer unterstützen andere gerne

Nehmer kalkulieren daher immer sehr genau, wie sie in einer Situation reagieren. Helfer sind dagegen von der Haltung geprägt, andere gerne zu unterstützen. Sie helfen aus Prinzip, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Nur wenige Menschen verhalten sich im beruflichen Bereich ausschließlich als Nehmer oder Geber, sondern ihre Beziehungen beruhen auf einem ausgeglichenen Austausch von Gefälligkeiten. Sie streben nach einem Gleichgewicht von Geben und Nehmen. Adam Grant nennt diesen Typus Tauscher.

Andreas Salcher erläutert: „Diese geben in der Erwartung, irgendwann etwas zurückzubekommen, und leben nach dem Motto: „Wie ich dir, so du mir.“ Nehmen, Geben und Tauschen sind keine festgemauerten Haltungen, sondern drei mögliche Formen des sozialen Verhaltens, die jedem offenstehen, sie in der jeweiligen Situation anzuwenden.“ Wahrscheinlich werden sich viele in Gehaltsverhandlungen als Nehmer, gegenüber Hilfsbedürftigen als Geber und mit Berufskollegen, wenn es um Zugang zu Wissen geht, als Tauscher verhalten.

Geber verdienen im Schnitt 14 Prozent weniger

Im Berufsleben haben es Geber scheinbar am schwersten, sie kümmern sich zu viel um andere, vernachlässigen ihre eigenen Aufgaben und geraten häufig in Terminschwierigkeiten. Sie konzentrieren sich darauf, dass es anderen gut geht, und vergessen dabei, auch sich selbst zu achten. Adam Grant zitiert eine Untersuchung, nach der Geber im Vergleich zu Nehmern um durchschnittlich 14 Prozent weniger verdienen und am unteren Ende der Karriereleiter überproportional vertreten sind.

Wer steht dann aber ganz oben auf der Erfolgsleiter – die Nehmer oder die Tauscher? Weder noch. Jetzt wird es interessant. Es sind nämlich wieder die Geber, die ganz oben dominieren. Als Adam Grant die Daten seiner Untersuchung genau überprüfte, entdeckte er ein faszinierendes Muster, das auf unterschiedliche Berufe wie Berater, Anwälte, Ärzte, Ingenieure, Verkäufer, Schriftsteller, Lehrer oder Sporttrainer zutraf: Geber haben sowohl die schlechteste als auch die beste Leistungsbilanz. Nehmer oder Tauscher landen eher im Mittelfeld. Quelle: „Das ganze Leben in einem Tag“ von Andreas Salcher

Von Hans Klumbies

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