Ein unverstellter Körper führt zur Lust

Wo sich der menschliche Körper unverstellt zeigen darf, ist Lust. Ob er es darf, entscheidet jedoch nicht er alleine. Maßgebliche Teile des Selbst können beispielsweise der Überzeugung sein, dieser Körper sei niemanden zuzumuten. Oder körperlicher Kontakt sei grundsätzlich abzulehnen oder das eigene Selbst sei schlecht. Manfred Bauer weiß: „Stellt sich das Selbst – auf die eine oder andere Weise – quer, dann mag der Körper einem Adonis gleichen oder der Allegorie des Frühlings entsprechen: Lust wird sich nicht einstellen.“ Auch ein Fitnessstudio gestählter Körper wird seinem Besitzer dann, wenn das Selbst nicht mitspielt, im Bett keine Freude bereiten. Denn Lust ist dort, wo sich nicht nur der Körper, sondern auch das Selbst unverstellt zeigen darf. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

Weiterlesen …

Das Selbst entsteht durch Resonanz

Die stärkste Droge für den Menschen ist der andere Mensch. Joachim Bauer erläutert: „Die enormen Wirkungen, die Menschen auf andere haben, zeigen sich nicht nur im Privatleben, sondern auch im öffentlichen Raum. Zudem in den Medien und ganz besonders in den sozialen Netzwerken.“ Die Wirkungen, die von anderen Menschen ausgehen können, werden in den meisten Fällen nicht bemerkt. Denn die wechselseitige zwischenmenschliche Beeinflussung geht in der Regel sublim, schleichend und unmerklich vonstatten. Viele nehmen erst dann wahr, dass Einflüsse, die von Mitmenschen ausgehen, das eigene Selbst tatsächlich verändern, wenn sie mit einer gewissen Wucht daherkommen. Wie zum Beispiel bei einer Liebeserklärung oder im Falle einer groben Kränkung. Vor allem die spektakulären Beschädigungen, die durch körperliche Gewalt angerichtet werden, haben den Blick dafür verstellt, dass es keiner sichtbaren physischen Einwirkung bedarf, um einen anderen Menschen biologisch zu verändern. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

Weiterlesen …

Alles Unbewusste kann bewusst werden

Es gibt viele Modelle des Unbewussten. Manche widersprechen einander so fundamental, dass es für Georg Milzner wenig Sinn hat, sie alle aufzuführen. Daher möchte er vom Unbewussten in einer Minimaldefinition reden: „Das Unbewusste ist alles das, was uns jetzt, hier nicht bewusst ist, also auf der Benutzeroberfläche unseres Bewusstseins nicht erscheint.“ Manches ist dabei der Bewusstseinsoberfläche sehr nah. „Vorbewusst“ nannte Sigmund Freud das. Anderes ist versunkener, liegt weiter weg. Das muss nicht unbedingt mit Verdrängung zu tun haben, manches liegt einfach nur weiter entfernt. Alles Unbewusste kann jedoch bewusst werden. Entweder, indem es bewusst gemacht wird oder aber, indem es gleichsam aufsteigt und aus dem, was man das Unbewusste nennt, in die Sphäre des Bewusstseins überwechselt. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

Weiterlesen …

Die Furcht vor der Freiheit ist nichts spezifisch Faschistisches

Erich Fromm stellte die Erfahrung der Freiheit in einen historischen, dialektischen Zusammenhang. Und es ist eben die Unfähigkeit, Verantwortung für die kreative Ausübung positiver Freiheit zu übernehmen, welche den egoschwachen sozialen Charakter kennzeichnet. Stuart Jeffries fügt hinzu: „Um spirituelle Sicherheit zu erlangen und der unerträglichen Last der Freiheit zu entkommen, ersetzt das verängstigte Individuum die eine Form der Autorität durch eine andere.“ Erich Fromm schrieb: „Der erste Fluchtmechanismus, mit dem wir uns befassen wollen, ist die Tendenz, die Unabhängigkeit des eigenen Selbst aufzugeben.“ Das Selbst soll mit irgendjemand oder irgendetwas verschmolzen werden, um sich auf diese Weise die Kraft zu erwerben, die dem eigenen Selbst fehlt. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“.

Weiterlesen …

Das Selbst ist real und keine Illusion

In der Diskussion darum, was Personen sind, muss man zwischen drei Fragen unterscheiden. Die erste Frage lautet, was ein Wesen zu einer Person macht. Das könnte unter anderem das Gedächtnis sein, das Bewusstsein, der Charakter; die Vernunft oder die Selbstreflexion. Die zweite Frage, die damit eng zusammenhängt, lautet: Wie können Personen über längere Zeiträume dieselben bleiben, obwohl sie sich kontinuierlich verändern? Eine dritte Frage, die viel mit den ersten beiden überblenden, lautet: Was bestimmt den Menschen als Individuum? Philipp Hübl erklärt: „Das ist die Frage nach der Persönlichkeit, also den Charaktereigenschaften und den moralischen Haltungen. Dabei geht es um die Individualität von Personen im Vergleich zu anderen Personen.“ In den ersten beiden Fragen hingegen war der Kontrast zwischen Personen und Nichtpersonen entscheidend. Philipp Hübl ist Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart.

Weiterlesen …

In der Arbeit kann sich das Selbst kaum mehr finden

Die Arbeit kann ein bedeutender Faktor der Selbstfindung sein. Viele Jobs der Gegenwart haben hierfür allerdings nichts anzubieten. Georg Milzner erläutert: „Sie sind so funktionalisiert, dass sie leicht von Computern gemacht werden können. Was mit einem Großteil von Jobs mit einiger Sicherheit ja auch passiert. Und so ist es sinnvoll, die tiefe Befriedigung weniger in einem Job zu suchen als in einer Tätigkeit, die nicht zwangsläufig Geld einbringen muss.“ Auf Karl Marx geht die Idee zurück, dass Arbeit den Menschen von sich selbst entfremden kann. Er stellte dafür den ursprünglich arbeitenden Menschen wie beispielsweise eine Schneiderin dem Arbeiter der Moderne gegenüber. Hatte der ursprünglich arbeitende Mensch noch einen Bezug zu seinem ganzen Werk, so ist der Industriearbeiter nur noch für ein, zwei Arbeitsschritte da. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

Weiterlesen …

Das Selbstkonzept beinhaltet das Wissen über das eigene Selbst

Unter dem Begriff „Selbstkonzept“ wird in der Psychologie das Wissen einer Person über sich selbst zusammengefasst. Es bezeichnet die geordnete Menge aller im Gedächtnis gespeicherten selbstbezogenen Kognitionen. Ernst-Dieter Lantermann erläutert: „Ein zentraler Aspekt dieses Selbstwissens ist die „Selbstwirksamkeitsüberzeugung“ – die Erwartung, Hoffnung oder Sorge einer Person, über Handlungen und Ressourcen zu verfügen, die sie dazu befähigen, in selbstbestimmter Weise ihre Ziele zu erreichen und ihre Bedürfnisse zu befriedigen.“ Der Lernpsychologe Albert Bandura hat dieses Konzept, dessen Auswirkungen auf individuelles Erleben und Verhalten in den verschiedensten Lebenszusammenhängen nachgewiesen wurden, in die psychologische Forschung eingeführt. Ein zweiter, nicht minder wichtiger Aspekt des Selbstbildes einer Person ist ihre „soziale Identität“, ihre Einbettung in soziale Zusammenhänge. Ernst-Dieter Lantermann war von 1979 bis 2013 Professor für Persönlichkeits- und Sozialpsychologie an der Universität Kassel.

Weiterlesen …

Das Selbst ist schwer zu definieren

Es ist sehr leicht in einer multistimulierten, vielfach vernetzten, überinformierten Welt den Bezug zu sich selbst zu verlieren. Dabei können verschiedene Ebenen betroffen sein. Wer ist das aber eigentlich, wir „selbst“? Georg Milzner erläutert: „Den Begriff Selbst zu definieren fällt selbst erfahrenen und wissenschaftlich gut ausgebildeten Psychologen nicht leicht. Und zwar, weil es schon eine Vielzahl mehr oder weniger diffuser Definitionen davon gibt, was das Selbst denn wohl ist.“ Ja es scheint sich sogar eine regelrechte Aufgabe damit zu verbinden, diese ominöse Instanz ausfindig zu machen. Ungefähr so, als hätte man es mit einem Schatz zu tun, den man in seiner Persönlichkeit heben müsse. Die Begriffe Selbstsuche und Selbstfindung machen deutlich, dass es keineswegs selbstverständlich ist, zu dem vorzudringen, was man das „Selbst“ nennt. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

Weiterlesen …

Menschen mit einem unreifen Selbst neigen zu Schwarmverhalten

Unter „Schwarmmuster“ versteht die Psychologie ein Gruppenverhalten, in dem Gesetze wirksam sind, die für Schwärme gelten. Georg Milzner erläutert: „In diesem Muster ist die komplexe Persönlichkeit mit ihren Werten und inneren Richtschnüren, ihrem Wollen und ihrem Sehnen vorübergehend außer Kraft gesetzt.“ Als wären alle jene komplexen Steuerungsmechanismen, die sonst ein menschliches Leben reich machen, schlagartig deaktiviert, handelt ein Mensch aus der Masse heraus, die ihn gerade umgibt. Die Begriffe „Schwarmverhalten“ und „Schwarmintelligenz“ haben in den letzten anderthalb Jahrzehnten einen Hype erlebt. Schwärme gibt es auf der Erde in großer Zahl, und ihre Vielfalt ist beeindruckend. Es scheint sich also um eine bewährte Struktur zu handeln, die auf verschiedenen Ebenen Vorteile gewährt. Georg Milzner ist Diplompsychologe und arbeitet in eigener Praxis als Psychotherapeut.

Weiterlesen …

Das Selbst ist das Produkt von Resonanzen

Ein Ich kann sich nur in Resonanz mit einem Du entwickeln. Von dieser Entstehungsgeschichte des menschlichen Selbst handelt das neue Buch „Wie wir werden, wer wir sind“ von Joachim Bauer. Sein wahres Selbst „schlummert“ nicht in einem Menschen, sondern es wartet darauf, gefunden und optimiert zu werden. Vor allem ist es das Produkt von Resonanzen – den geteilten Erfahrungen, Freunden und Ängste. Joachim Bauer macht seinen Lesern bewusst, dass dieses Ich nicht – wie lange angenommen – in Stein gemeißelt ist, sondern im Prozess ständiger Selbstkonstruktion ein Leben lang in Wandlung bleibt, wachsen und sich verändern kann. In Zeiten grassierender Ichbezogenheit und gesellschaftlichen Strömungen, die Selbstbehauptung gegenüber anderen forcieren, vermittelt Joachim Bauer ein neues Bild davon, wie Menschen werden, wie sie sind, und erklärt, warum sie diesen Weg nur gemeinsam finden. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

Weiterlesen …