Erich Fromm stellte die Erfahrung der Freiheit in einen historischen, dialektischen Zusammenhang. Und es ist eben die Unfähigkeit, Verantwortung für die kreative Ausübung positiver Freiheit zu übernehmen, welche den egoschwachen sozialen Charakter kennzeichnet. Stuart Jeffries fügt hinzu: „Um spirituelle Sicherheit zu erlangen und der unerträglichen Last der Freiheit zu entkommen, ersetzt das verängstigte Individuum die eine Form der Autorität durch eine andere.“ Erich Fromm schrieb: „Der erste Fluchtmechanismus, mit dem wir uns befassen wollen, ist die Tendenz, die Unabhängigkeit des eigenen Selbst aufzugeben.“ Das Selbst soll mit irgendjemand oder irgendetwas verschmolzen werden, um sich auf diese Weise die Kraft zu erwerben, die dem eigenen Selbst fehlt. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“.
Faschismus
Sadomasochisten prägen totalitäre Gesellschaften
Erich Fromm, der führende psychoanalytische Denker der Frankfurter Schule, legte dar, das Aufkommen des Faschismus hänge mit Sadomasochismus zusammen. In seinem Aufsatz „Sozialpsychologische Aspekte“ stellt er eine Unterscheidung zwischen dem „revolutionären“ und „masochistischen“ Charakter her. Stuart Jeffries erläutert: „Ersterer verfügt über Ich-Stärke und nimmt sein Schicksal selbst in die Hand, während sich letzterer seinem Los unterwirft und sein Schicksal an eine höhere Macht abgibt.“ Erich Fromm folgte Sigmund Freud darin, Sadismus und Masochismus als zwei Seiten ein und derselben Medaille zu sehen. Der Sadist wendet sich gegen jene, die Zeichen von Schwäche erkennen ließen. Der sadomasochistische Charakter ist ein entscheidendes Element einer totalitären Gesellschaft. Denn er zeigt Fügsamkeit gegenüber den Oberen und Verachtung gegenüber den Niedrigergestellten. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“.