Reinhard K. Sprenger schreibt: „Sie sind nicht auf der Welt, um nach den Erwartungen anderer zu leben. Das ist ein bleibt eine reife Erkenntnisleistung – in der Regel braucht man für sie Narben, Falten, angesammeltes Leben. Sie sollten auf jeden Fall dafür sorgen, dass die Konfliktlinie zwischen Ihnen und Ihrem Konfliktpartner bleibt!“ Das ist ein enorm hilfreicher Gedanke, den Reinhard K. Sprenger in der Praxis immer wieder anbietet. Man sollte die Konfliktlinie nicht nach innen verlagern, nicht in sich hineinziehen. Vorauseilender Gehorsam oder Spekulationen darüber, was der andere wohl wollen könnte, sind sinnlos. Denn dabei projiziert man ohnehin nur die eigene Innenwelt auf den anderen. Wenn Sie Leistungspartner sind, wird zwischen Ihnen verhandelt. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.
Bedürfnisse
Menschen können sich lebenslang verändern
Radikale Veränderungen der Persönlichkeitspräferenzen sind zwar selten – aus dem Introvertierten wird selten ein stark extrovertierter Mensch –, aber tendenziell können sich Personen alle im Laufe der Zeit verändern und den 50 veränderbaren Prozent eine Richtung geben. Michaela Brohm-Badry fügt hinzu: „Durch diese Plastizität ist die Persönlichkeit weit weniger fixiert, als Psychobiologen bisher angenommen hatten. Wir entfalten uns in einem Möglichkeitsraum, den wir aus Wechselwirkungen zwischen genetischer Anlage, unserem Umfeld und unseren individuellen Entscheidungen eingerichtet haben. IN diesem Möglichkeitsraum handeln wir.“ Bahnbrechende Erkenntnisse über das menschliche Handeln und die damit verbundene Entfaltung lieferten die US-amerikanischen Psychologen Edward Deci und Richard Ryan. Prof. Dr. Michaela Brohm-Badry ist Professorin für Lernforschung. Sie war langjährige Dekanin des Fachbereichs Erziehungs- und Bildungswissenschaften, Philosophie und Psychologie an der Universität Trier.
Bedürfnisse verwandeln sich oft in Vorwürfe
Erwartungstypen sind Bedürfnisse, die zumindest teilweise unreflektiert in den tiefen Schichten des Bewusstseins eines Menschen schlummern. Erst der äußere Anstoß des Nicht-Erfüllens verlagert sie ins Bewusstsein. Diese Chance wird jedoch selten genutzt. Reinhard K. Sprenger stellt fest: „Wir haben in der Regel nicht gelernt, uns selbst über unsere Bedürfnisse, Wünsche und Erwartungen aufzuklären, noch haben wir gelernt, darüber zu sprechen. Deshalb lenken wir sie aggressiv nach außen.“ Wenn Menschen sprechen, dann im Modus der Anklage: Sie externalisieren. Das haben sie gelernt. Daher kommen ihre Bedürfnisse zumeist in grimmiger Form ans Tageslicht: Bedürfnisse werden in Vorwürfe verwandelt. Unausgesprochene Erwartungen sind ebenso zugänglich wie üblich: Erwartungen und Maßstäbe sind dabei nicht abgeglichen worden. Reinhard K. Sprenger, promovierter Philosoph, ist einer der profiliertesten Führungsexperten Deutschlands.
Menschen verwechseln oft ihre Bedürfnisse
Abraham Maslow verbrachte eine trostlose Kindheit voller seelischer Härten und war sozial isoliert, ein Außenseiter. Ingo Hamm ergänzt: „Also saß der junge Abraham stundenlang in Bibliotheken und entwickelte ein geistiges Wachstum, das die sozialwissenschaftliche Welt heute noch in Atem hält.“ Abraham Maslow meinte unter anderem, dass viele Menschen ganz oft ihre Bedürfnisse verwechseln. Insbesondere diejenigen, die auf individuelle Stärke, Erfolg, Status und Prestige aus sind. Man könnte fast sagen: Diese vier Motive sind die am weitesten verbreitete Ersatzreligion der westlichen Welt. Sozialer Status ist geradezu der Tabernakel westlicher Gesellschaften. Menschen sind lieber dumm, hässlich und hungrig, als nicht mit den Nachbarn mithalten zu können, wenn diese sich einen neuen Wagen leisten oder mit der Kollegin, wenn diese scheinbar grundlos befördert wurde. Dr. Ingo Hamm ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt.
Es gibt zwei Arten von Bedürfnissen
Wenn es um Bedürfnisse geht, kennen viele Menschen Abraham Maslow, einer der berühmtesten Psychologen seiner Zeit, der weit über die Grenzen der Psychologie bekannt ist. Ingo Hamm weiß: „Maslow hat bereits in den 1940er-Jahren die nach ihm benannte Bedürfnis-Hierarchie aufgestellt, in der „Theorie of Human Motiviation“ (1943), die jeder Studierende der Geistes- und Wirtschaftswissenschaften kennt.“ Diese wurde jedoch nie von Abraham Maslow als Pyramide dargestellt, wie sie heute aber meistens falsch zitiert wird. Vielmehr unterschied er zwei Arten von Bedürfnissen; zum einen die sogenannten Defizitbedürfnisse. Dazu zählt er erstens physiologische Bedürfnisse wie Hunger und Durst. Zweitens gehören dazu das Sicherheitsbedürfnis wie körperliche und gesellschaftliche Absicherung. Drittens gibt es soziale Bedürfnisse wie zum Beispiel den Anschluss an eine Gruppe. Viertens existieren individuelle Bedürfnisse nach Stärke, Erfolg, Status und Prestige. Dr. Ingo Hamm ist Professor für Wirtschaftspsychologie an der Hochschule Darmstadt.
Singles sind gesellschaftsfähig geworden
Singles, die anscheinend selbstbestimmt ihr Leben meistern, sind durchaus gesellschaftsfähig geworden. Andreas Salcher vermutet: „Im Geheimen werden sie oft sogar von in Familien lebenden Menschen bewundert, wenn Letztere gelegentlich davon träumen, aus der Enge ihrer Verpflichtungen auszubrechen.“ Es sei für Menschen immer gesund gewesen, das gute Alleinsein zu beherrschen, sagt der Psychotherapeut Dietrich Munz. Ein Erwachsener sollte es eine Weile mit sich selbst aushalten können, ohne sich zu ängstigen oder zu langweilen. Auch die Melancholie, die Menschen in einsamen Stunden manchmal überfällt, hat eine helle Seite, die es ihnen ermöglicht, besonders tief in sich selbst hineinzufühlen, oder eine dunkle – das ist dann der Seelenschmerz, in dem sie sich verlieren. Dr. Andreas Salcher ist Mitgebegründer der „Sir Karl-Popper-Schule“ für besonders begabte Kinder. Mit mehr als 250.000 verkauften Büchern gilt er als einer der erfolgreichsten Sachbuchautoren Österreichs.
Das Gehirn mag offene Geschichten nicht
Irgendwo, tief verwurzelt in den ältesten und innersten Regionen des Gehirns, schlummern die fundamentalen Antriebe der Natur. Helga Kernstock-Redl vermutet: „Es sind wohl Selbsterhaltung und Arterhaltung. Doch diese beiden reichen nicht, um uns selbst und die Funktion von Schuldgefühlen gut zu verstehen.“ Das menschliche Gehirn mag offene Geschichten nicht. Die Wahrnehmungspsychologie nennt diese Dynamik die Suche nach der „guten Gestalt“. Gute Gestalten sind in sich schlüssig. Man kennt sich aus, sie sind „fertig“. Ein weiteres Nachdenken ist nicht notwendig. Logische Brüche und offene Enden zum Beispiel in Filmen und Büchern irritieren. Das kann natürlich manchmal sogar beabsichtigt sein, damit man sie eben nicht so leicht aus dem Kopf kriegen kann. Helga Kernstock-Redl ist Psychologin und Psychotherapeutin. Sie beschäftigt sich vor allem mit der Psychologie der Gefühlswelt.
Strategien sind für den Erfolg extrem wichtig
Auf der persönlichen Ebene hat man dann Erfolg, wenn man die Ziele erreicht, die man sich selbst gesetzt hat. Und auch unternehmerisches Handeln kann dann als erfolgreich gelten, wenn man die Unternehmensziele erwirtschaftet. Das ist selbstverständlich plausibel, wirft für Markus Hengstschläger aber eine Reihe von Fragen auf. Wenn man sich in der Gegenwart Ziele setzt, die man dann in der Zukunft vielleicht auch erreicht, so setzt das voraus, dass man schon viel über die Zukunft gewusst hat. Es ist zweifelsohne ausgesprochen wichtig und richtig, sich für die bereits bekannten Anteile der Zukunft Ziele zu setzen. Und dabei Strategien zu entwickeln, die es nicht nur möglich, sondern sogar wahrscheinlich machen, dann auch erfolgreich zu sein. Professor Markus Hengstschläger ist Vorstand des Instituts für Medizinische Genetik an der MedUniWien.
Die eigenen Bedürfnisse zählen zuerst
Der Mensch neigt von Natur aus dazu, seine eigenen Bedürfnisse über das Wohl der Gemeinschaft zu stellen. In der politischen Wissenschaft ist das ein klassisches Problem. Man nennt es Allmende-Klemme und es spielt auch eine Rolle beim globalen Klimawandel. John Bargh weiß: „Meistens gelingt es den Menschen, Hintertürchen zu finden oder persönliche Unannehmlichkeiten zu umgehen.“ Daher ist es schwer, die Zukunft vorauszusagen oder zu gestalten. Vor allem wenn es das menschliche Verhalten betrifft, selbst – oder erst recht – wenn es wichtig ist, einen solchen Versuch zu unternehmen. Das gilt insbesondere für politische Maßnahmen, durch die individuelle Freiheiten zugunsten des Gemeinwohls eingeschränkt werden. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University, wo er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory leitet.