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Die eigenen Bedürfnisse zählen zuerst

Der Mensch neigt von Natur aus dazu, seine eigenen Bedürfnisse über das Wohl der Gemeinschaft zu stellen. In der politischen Wissenschaft ist das ein klassisches Problem. Man nennt es Allmende-Klemme und es spielt auch eine Rolle beim globalen Klimawandel. John Bargh weiß: „Meistens gelingt es den Menschen, Hintertürchen zu finden oder persönliche Unannehmlichkeiten zu umgehen.“ Daher ist es schwer, die Zukunft vorauszusagen oder zu gestalten. Vor allem wenn es das menschliche Verhalten betrifft, selbst – oder erst recht – wenn es wichtig ist, einen solchen Versuch zu unternehmen. Das gilt insbesondere für politische Maßnahmen, durch die individuelle Freiheiten zugunsten des Gemeinwohls eingeschränkt werden. Prof. Dr. John Bargh ist Professor für Psychologie an der Yale University, wo er das Automaticity in Cognition, Motivation, and Evaluation (ACME) Laboratory leitet.

Mit seinen Wünschen muss man vorsichtig sein

Wie politische Maßnahmen, die auf die Veränderung von Verhaltensweisen abzielen, können auch persönliche Wünsche und Ziele für die Zukunft einen Menschen auf oftmals unbeabsichtigte Weise – und daher unbewusst – verändern, während er sie zu realisieren versucht. John Bargh erläutert: „Bei der Verfolgung eines gegebenen Ziels tun wir manchmal Dinge, die unserem Selbstverständnis und den für uns wichtigen Werten widersprechen. Nämlich Dinge, die wir normalerweise für unmoralisch, unethisch oder ungesund halten würden.“

Viele Menschen sind dann vielleicht offener als sonst für äußere Einflüsse, sogar für unterschwellige Werbung. Sie geben ihr Geld für Dinge aus, die sie später, wenn sie die Rechnung bekommen, für töricht und unnütz halten. Sie mögen Menschen, die sie ansonsten nicht mögen würden, und lassen sogar die Beziehungen zur ihren Freunden abkühlen. Und all das nur, weil diese Veränderungen ihnen helfen werden, das angestrebte Ziel zu erreichen. Die gegenwärtigen Ziele verändern einen Menschen – sein Denken, sein Herz und seine Werte. Und er merkt nicht einmal, dass diese Veränderungen stattgefunden haben. Deshalb muss man vorsichtig mit seinen Wünschen sein.

Seine Wünsche haben große Macht über einen Menschen

Die Ziele und Antriebe eines Menschen sind auf erwünschte künftige Zustände ausgerichtet. Ihr Einflussbereich liegt in der verborgenen Sphäre des menschlichen Geistes. John Bargh erklärt: „Was, wer und wo wir in der näheren oder ferneren Zukunft sein wollen, prägt unser Denken, unsere Empfindungen und Handlungen in der Gegenwart. Was wir haben möchten, wo und wer wir sein wollen – mit geringerer oder größerer Intensität. All das übt einen starken Einfluss auf unsere augenblicklichen Vorlieben und Abneigungen aus.“

Ein Mensch wird zu dem, wonach er strebt, und beginnt die Welt durch eine „Zielbrille“ zu betrachten, ganz gleich, ob er dieses Ziel nun bewusst verfolgt oder nicht. Seine Wünsche haben eine große Macht über einen Menschen. Es ist, als würde er durch seine Ziele neu konfiguriert, als verwandelte er sich zeitweise in einen anderen Menschen mit anderen Werten, der andere Dinge tut als sonst. Leider erkennen das die meisten Menschen erst im Nachhinein, nachdem sie ihr Ziel erreicht haben oder es nicht mehr verfolgen, und dann fragen sie sich, was sie sich dabei bloß gedacht haben. Quelle: „Vor dem Denken“ von John Bargh

Von Hans Klumbies

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