Vor allem Männer neigen zur Bindungsangst

Einige Wissenschaftler vertreten die These, dass es zwei große Umbrüche im heterosexuellen Beziehungsverhalten der letzten vier Millionen Jahre gegeben hat. Der erste passierte vor 10.000 bis 15.000 Jahren mit der landwirtschaftlichen Revolution. Als die Menschen weniger herumzuziehen begannen und sesshafter wurden, führte das zu Heiratsverbindungen im Stil kultureller Verträge. Der zweite große Umbruch ist mit dem Aufstieg des Internets verbunden. Junge Menschen in New York und anderen Metropolen stürzen sich über das Internet entfesselt in unverbindliche Beziehungen, entbunden von der Angst, mit einer direkten Absage abgewatscht zu werden. Wie zum Beispiel beim Anbaggern im Club oder sonst wo, auch noch in aller Öffentlichkeit. Maximilian Probst ergänzt: „Der Kommunikationsprozess ist ja auch so unendlich einfach, manche würden sagen: verflacht.“ Der Journalist Maximilian Probst schreibt seit 2011 vorwiegend für die Wochenzeitung die „Zeit“.

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Gehirn und Körper formen den Geist

Üblicherweise gehen viele Menschen davon aus, dass der Geist vom Gehirn oder Zentralnervensystem erschaffen wird. Bei genauerem Hinsehen kann man allerdings erkennen, dass das nicht alles ist. David Gelernter erklärt: „Zu unseren Geisteszuständen gehören Gedanken und Gefühle; der Geist entsteht durch die Zusammenarbeit von Gehirn und Körper.“ Als einer von mehreren Philosophen spricht Ronald de Sousa von einem „zweispurigen Geist“, und bei den Spuren handelt es sich um „intuitive“ und „analytische“ mentale Abläufe. Auf die Annahme einer solchen Dichotomie kommt nahezu jeder, der schon einmal über den Geist nachgedacht hat. Menschen kommunizieren mit Sprache, auch mit Körpersprache – manchmal ist das so einfach wie ein Lächeln. Man kann sich etwas ausdenken oder nach Gefühl vorgehen. David Gelernter ist Professor für Computerwissenschaften an der Yale University.

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Die Dankbarkeit ist die heiligste aller Pflichten

Viele Menschen verknüpfen mit dem Namen Adam Smith die Ideen von Wettbewerb, Eigeninteresse und Gier. In seinem Buch „Untersuchung der Natur und Ursachen von Nationalreichtum“, das 1776 erschien, stellte Adam Smith Theorien zur Aufteilung der Arbeit, des Geldes, des Tauschhandels und des Warentauschs auf. Er sprach von einer „unsichtbaren Hand“, die den Markt regelt und vom Problem der Armut. Dacher Keltner fügt hinzu: „Er hatte 17 Jahre zuvor seine „Theorie der ethischen Gefühle“ veröffentlicht. In der schlug er sich mit der Frage herum, welche Verhaltensweisen zu starken sozialen Gemeinschaften führen.“ Wie David Hume vor und Charles Darwin nach ihm bewies Adam Smith, ein Meister der moralischen Gefühle wie Leidenschaft und Ehrfurcht zu sein. Dacher Keltner ist Professor für Psychologie an der University of California in Berkeley und Fakultätsdirektor des UC Berkeley Greater Good Science Center.

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Selbstfürsorge schützt vor Burn-out

Burn-out trifft nicht nur gestresste Arbeitnehmer aus der Wirtschaft oder dem Bankwesen, sondern auch Menschen, die sich für andere aufopfern. Dazu zählen Mütter, Krankenpfleger, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Ärzte und Seelsorger, und zwar insbesondere dann, wenn sie für ihren Einsatz nur wenig Wertschätzung und Anerkennung bekommen. Klaus Biedermann ergänzt: „Betroffen sind nicht nur Menschen, die sich hauptsächlich über ihre Arbeit definieren und andere Lebensbereiche eher als nebensächlich betrachten. Sondern es werden auch in einem rein privaten Kontext Symptome eines Burn-out beobachtet. Vor allem, wenn es dort zu Konflikten kommt. Denn auch diese Bereiche berühren das Thema Sinngebung.“ Eine Situation, von der man einmal glaubte, sie gebe einen Sinn, hat sich verändert. Man erhält sie nun aus unterschiedlichen Gründen aufrecht, aber schöpft keine Kraft mehr aus ihr. Dr. phil. Klaus Biedermann leitet seit mehr als 30 Jahren Selbsterfahrungskurse und Burn-In-Seminare in seiner Sommerakademie auf der Insel Korfu.

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Julia Shaw erklärt die Fuzzy-Trace-Theorie

Eine Theorie, die genauer zu erklären versucht, warum Menschen inkorrekte Erinnerungen bilden, heißt Fuzzy-Trace-Theorie. Dabei handelt es sich um eine ausgesprochen elegante Theorie, mit deren Hilfe sich viele Phänomene des Gedächtnisses erklären lassen. Sie postuliert, dass es bei der Erinnerung um zwei Dinge geht: Um eine „gist trace“, eine Spur des Wesentlichen oder des Bedeutungskerns einer Erfahrung und um eine „verbatim trace“, eine wortwörtliche Spur, die eine Erinnerung an die spezifischen Einzelheiten ist. Julia Shaw ergänzt: „Die meisten Erinnerungen enthalten sowohl die Bedeutung erfassende als auch die wortwörtliche Komponente.“ Julia Shaw stellt vier Prinzipien vor, die erklären, wie es zu Erinnerungstäuschungen kommt. Bei dem ersten Prinzip handelt es sich um parallele Verarbeitung und Speicherung. Die Rechtspsychologin Julia Shaw lehrt und forscht an der London South Bank University.

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Einsamkeit kann ansteckend sein

Mit dem Phänomen der sozialen Ansteckung haben sich seit geraumer Zeit vor allen die Soziologie, die Psychologie, die Medizin, die Ökonomie und zuletzt auch die Informatik beschäftigt. Manfred Spitzer fügt hinzu: „Im Extremfall spricht man von „Massenhysterie“. Bei dieser treten bestimmte Krankheitssymptome auf, die durch soziale Ansteckung bedingt sind.“ Auf den ersten Blick mag es widersprüchlich erscheinen, dass Einsamkeit ansteckend sein soll. Wie kann man von jemanden angesteckt werden, der allein ist? Versteht man unter Einsamkeit jedoch das Erleben sozialer Isolation – und nicht die soziale Isolation selbst, die gar nicht gegeben sein muss –, so ist durchaus widerspruchsfrei denkbar, dass sich dieses Erleben durch soziale Interaktion auf andere übertragen kann. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen.

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Von den modernen Medien gehen Gefahren aus

Computer, Internet und Smartphones sind einerseits eine fantastische Bereicherung des modernen Lebens. Andererseits gehen aufgrund ihrer suchtartigen Anziehungskraft, die sie auf viele Menschen ausüben, von den modernen Medien aber auch ernstzunehmende Gefahren aus. Joachim Bauer erklärt: „Ungesteuerter Medienkonsum, Bewegungsmangel und der Konsum ungesunder Nahrungsmittel und Getränke sind miteinander eng verschränkt.“ Mehr als 70 Prozent der erwachsenen Berufstätigen in Deutschland im Alter zwischen 25 und 40 Jahren treiben so gut wie keinen Sport. Immer mehr Menschen unterliegen der magischen Anziehungskraft eines tranceartigen mentalen Dauerdämmerzustandes vor dem Bildschirm. Menschen, deren Selbstkontrolle sich gegenüber einem Bildschirm nicht behaupten kann, schaden nicht nur ihrer Gesundheit. Darüber hinaus verkürzen auch ihre Lebenszeit. Dennoch sind Bildschirme inzwischen ein Teil des menschlichen Lebens. Der Neurobiologe, Arzt und Psychotherapeut Joachim Bauer lehrt an der Universität Freiburg.

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Ein Vertrauensbruch wirkt lange nach

Posttraumatische Reaktionen können über Tage, Monate und sogar Jahre andauern. Obwohl nicht alle Traumata gleich sind, sind doch die traumatischen Symptome erkennbar gleich. Traumatisierte Partner, die sich von einem unvorstellbaren Betrug durch einen geliebten Menschen erholen, weisen das obsessive Bedürfnis auf, die Geschichte mit all ihren Details zu hören. Shirley P. Glass erklärt: „Ihre übermäßige Wachsamkeit bei der Beobachtung ihrer Umwelt und ihres Partners entsteht durch die realistische Angst davor, nochmals verwundet zu werden.“ Flashbacks werden durch minimale Reize ausgelöst, die wie ein Echo den Moment der persönlichen Vernichtung wiederholen. Bewältigungsstrategien müssen einerseits diese Symptome überprüfen und andererseits Methoden bieten, sie in Grenzen zu halten und damit umzugehen. Dr. phil. Shirley P. Glass war niedergelassene Psychologin und Familientherapeutin. Sie starb im Jahr 2003 im Alter von 67 Jahren an einer Krebserkrankung.

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Die Furcht vor der Freiheit ist nichts spezifisch Faschistisches

Erich Fromm stellte die Erfahrung der Freiheit in einen historischen, dialektischen Zusammenhang. Und es ist eben die Unfähigkeit, Verantwortung für die kreative Ausübung positiver Freiheit zu übernehmen, welche den egoschwachen sozialen Charakter kennzeichnet. Stuart Jeffries fügt hinzu: „Um spirituelle Sicherheit zu erlangen und der unerträglichen Last der Freiheit zu entkommen, ersetzt das verängstigte Individuum die eine Form der Autorität durch eine andere.“ Erich Fromm schrieb: „Der erste Fluchtmechanismus, mit dem wir uns befassen wollen, ist die Tendenz, die Unabhängigkeit des eigenen Selbst aufzugeben.“ Das Selbst soll mit irgendjemand oder irgendetwas verschmolzen werden, um sich auf diese Weise die Kraft zu erwerben, die dem eigenen Selbst fehlt. Stuart Jeffries arbeitete zwanzig Jahre für den „Guardian“, die „Financial Times“ und „Psychologies“.

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Das Selbst ist real und keine Illusion

In der Diskussion darum, was Personen sind, muss man zwischen drei Fragen unterscheiden. Die erste Frage lautet, was ein Wesen zu einer Person macht. Das könnte unter anderem das Gedächtnis sein, das Bewusstsein, der Charakter; die Vernunft oder die Selbstreflexion. Die zweite Frage, die damit eng zusammenhängt, lautet: Wie können Personen über längere Zeiträume dieselben bleiben, obwohl sie sich kontinuierlich verändern? Eine dritte Frage, die viel mit den ersten beiden überblenden, lautet: Was bestimmt den Menschen als Individuum? Philipp Hübl erklärt: „Das ist die Frage nach der Persönlichkeit, also den Charaktereigenschaften und den moralischen Haltungen. Dabei geht es um die Individualität von Personen im Vergleich zu anderen Personen.“ In den ersten beiden Fragen hingegen war der Kontrast zwischen Personen und Nichtpersonen entscheidend. Philipp Hübl ist Juniorprofessor für Theoretische Philosophie an der Universität Stuttgart.

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