Beziehungen sind häufig von Blockaden und Rückzug geprägt

Es gibt eine bestimmte zwischenmenschliche Distanz, die Individuen gerade noch gut ertragen können. Sie beträgt zwischen 40 und 50 Zentimeter, mehr Nähe halten Menschen schlecht aus. Diese Spanne bezeichnet für die meisten Menschen den Mindestabstand, den Fremde ihnen gegenüber einnehmen dürfen, ohne dass deren Nähe als einengend oder gar als bedrohlich empfunden wird. Die Unterschiede sind von Mensch zu Mensch erstaunlich gering. Kommt jemand trotzdem näher, weicht man zurück, verstummt oder fühlt sich bedrängt und hat zuweilen den Eindruck, als stehe man mit dem Rücken zur Wand.

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Zwangsstörungen sind komplexe und oft verheimlichte Leiden

Wenn Menschen ständig Dinge nachprüfen, ständig putzen und waschen, kann ihnen das Leben sehr leicht zur unerträglichen Qual werden. Die Betroffenen stellen sich zum Beispiel folgende Fragen: „Habe ich den Herd wirklich ausgeschaltet, die Tür auch tatsächlich zugesperrt?“ Allerdings ist fast jeder schon einmal umgekehrt, um irgendetwas zu überprüfen.“ Als die beiden bekanntesten Zwangshandlungen gelten wiederholtes Kontrollieren und Waschen. Unter Zwangsstörungen leiden auch jene Menschen, die von zwanghaften Gedanken gequält werden. Verstörende Vorstellungen drängen sich bei den Betroffenen gegen ihren Willen auf. Während die beispielsweise am Bahnsteig stehen, überfällt sie die fixe Idee, einen anderen vor den einfahrenden Zug zu stoßen.

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Die Wurzel der Gewalt ist für Rotraud A. Perner der Vergleich

Die Konkurrenz benötigt immer drei Protagorksamkeit und Gunsterweis.“ Bei Kain in der Bibel ist es die Idee eines ungerechten Gottes, dem man das „lieber Gehabte“ zerstören muss. Aus ähnlichen Motiven fahren Kinder die Autos ihrer Eltern zu Schrott, legen am Arbeitsplatz Erniedrigte ganze Fabriken in Schutt und Asche und töten rachsüchtige Männer die Haustiere oder Kinder ihrer Partnerinnen. Rotraud A. Perner ist Juristin, Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin und absolvierte postgraduale Studien in Soziologie und evangelischer Theologie. Eines ihrer zahlreichen Bücher heißt „Die reuelose Gesellschaft“ und ist im Residenz Verlag erschienen.

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Beim Gefühl der Scham spaltet sich das Ich in zwei Teile

Im Augenblick der Scham sieht sich der Mensch plötzlich selbst, er spaltet sich auf in ein handelndes und in ein beurteilendes Ich. Eine Handlung oder ein Unterlassen geht dem Urteil logisch voraus, doch die Zeitspanne zwischen beiden Vorgängen ist in der Regel so kurz, dass sie im Empfinden ineinanderfließen. Ulrich Greiner erläutert: „Das andere, das missbilligende Ich kann sein Urteil nach verschiedenen Maßstäben fällen, nach solchen des Comments oder des Gewissens, in jedem Fall sieht sich das sozusagen kleinere Ich von einem größeren, das als Agent des Allgemeinen fungiert, missgünstig bloßgestellt.“ Ulrich Greiner war zehn Jahre lang der Feuilletonchef der ZEIT. Als Gastprofessor lehrte er in Hamburg, Essen, Göttingen und St. Louis. Außerdem ist er Präsident der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

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Aggression und Gewalt sind in der Gesellschaft allgegenwärtig

Als Psychoanalytikerin weiß Rotraud A. Perner, dass Drohungen partiell vorweggenommene Aggressionen sind. In Sprache verpackt hört sich die, zwar noch zivilisiert an, aber der darin versteckte nonverbale Inhalt soll neuronale Reaktionen auslösen, deren Potential in der frühen Kindheit vermittelt wurde. Auch ohne Worte, manchmal sogar entgegen dem, was gesagt wurde, erkennen manche Menschen oft nur zu gut, was andere beabsichtigen oder sich wünschen. Diese Menschen erkennen dies aber in erster Linie emotional und nur selten auch kognitiv. Auch Gewalt ist laut Rotraud A. Perner ist eine Form der Zuwendung, an die sich manche Menschen gewöhnen können. Es ist sehr schwierig, sich aus einer solchen negativen Vertrautheit zu lösen. Rotraud A. Perner ist Juristin, Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin und absolvierte postgraduale Studien in Soziologie und evangelischer Theologie. Eines ihrer zahlreichen Bücher heißt  „Die reuelose Gesellschaft“ und ist im Residenz Verlag erschienen.

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Die Hoffnung ist ein dem Leben selbst innewohnendes Element

Wenn die Hoffnung, gleich welcher Art, aufhört, hört das Leben auf. Erich Fromm sagt: „Die Hoffnung ist ein dem Leben selbst innewohnendes Element.“ In die gleiche Richtung zielen die Gedanken von Viktor Frankl: „Ob bewusst oder unbewusst, jeder Mensch fragt nach Sinn.“ Besonders eindrucksvoll kommt eine irrationale Hoffnung in dem großartigen Lied des österreichischen Liedermachers Ludwig Hirsch, der sich selbst das Leben nahm, zum Ausdruck: „Komm, großer schwarzer Vogel, komm zu mir! Spann` deine weiten, sanften Flügel aus und leg`s auf meine Fieberaugen! Bitte, hol` mich weg von da! Und dann fliegen wir rauf, mitten in den Himmel rein, in a neue Zeit, in a neue Welt. Und ich werd` singen, ich werd` lachen, und werd` das gibt`s net schrei`n, weil ich werd` auf einmal kapieren, worum sich alles dreht.“

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Nähe spüren und sich berühren lassen führt zu Glücksgefühlen

Menschen schätzen ganz unterschiedliche Formen der Berührung. Das wird schon bei kleinen Kindern sichtbar. Manche lieben es, sanft gestreichelt zu werden, andere wollen ganz fest in den Arm genommen werden. Und jeder Mensch hat andere Vorlieben und Körperzonen, die bei ihm besonders reizbar und empfindlich sind und an denen sich besondere Glücksgefühle auslösen lassen. Dann gibt es wieder Körperregionen, an denen Menschen überhaupt nicht reizbar sind.“ Und manchmal sind Berührungen auch der Schlüssel zu einem Verständnis, das sich zuvor mit Worten nicht einstellen wollte.

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Größerer Reichtum führt nicht zu mehr Glück

Das Easterlin-Paradox beruht darauf, dass Menschen sich und ihr Einkommen immer mit anderen Menschen vergleichen. Sie fühlen sich glücklich, wenn sie mehr haben. Der Jagd nach einem höheren Einkommen opfern viele Menschen im exzessiven Ausmaß jene Dinge, die sie wirklich zufriedener machen. Sie büßen Beziehungen ein, belasten ihr Familienleben und haben Stress mit ihren Arbeitskollegen. Richard Layard kritisiert: „Unsere Gesellschaft misst Menschen immer stärker daran, wie sie im Wettbewerb mit anderen abschneiden.“ Viele Menschen vergleichen sich außerdem selbst ständig mit anderen und bei allen möglichen Dingen.

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Die Konzentration auf das hier und jetzt ist beim Sex am größten

Fragt man Menschen, ob sie an etwas anderes denken als an das, was sie gerade tun, stehen die Chancen, dass sie ihre Gedanken gerade schweifen lassen, 50 zu 50. Wie sich in einer Umfrage der Psychologen Matthew Killingsworth und Daniel Gilbert von der Harvard University herausstellte, war die Konzentration auf das Hier und Jetzt verständlicherweise beim Sex weitaus am größten. Mit weitem Abstand an zweiter Stelle lag körperliches Training, gefolgt von Gesprächen mit anderen Menschen und dem Spielen. Am häufigsten schweiften die Gedanken bei der Arbeit, bei der Beschäftigung mit dem häuslichen Computer und auf dem Weg zur und von der Arbeit ab.

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Ulrich Greiner beschreibt die außergewöhnliche Macht der Blicke

Fast jeder Mensch kennt auf irgendeine Art und Weise die große Macht der Blicke. Im schönsten Fall enthüllt sich in ihnen eine jäh erwachte Liebe, und es mag gut sein, dass in einem solchen Gewitter der Gefühle auch eine Spur von Scham mitschwingt, verbunden mit einem Erröten der Wangen, weil das Geständnis der Liebe über den Weg der Blicke unweigerlich mit einer seelischen Entblößung verbunden ist, einer Offenbarung aber, die sich zugleich im Blick des Gegenüber beschützt und aufgehoben fühlt. Ulrich Greiner fügt hinzu: „Es ist, als ob die Blicke aufeinander zustürzten, und das englische „falling in love“ drückt etwas davon aus.“ Gefühle wie Scham und Peinlichkeit stellen sich in der Regel erst dann ein, wenn sich im traurigsten Fall herausstellt, dass diese Liebe des ersten Augenblicks auf einem Missverständnis beruht.

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