Das Alterswerk von Sigmund Freud kann fast durchgehend als eine Art Kulturkritik aufgefasst werden. Deutlich zeigt sie sich beispielsweise in seinem Buch „Massenpsychologie und Ich-Analyse“ aus dem Jahre 1921. Sigmund Freud will darin begreiflich machen, wie der Mensch sein Wesen innerhalb einer Massenversammlung verwandelt. Zur Veranschaulichung wählt er die beiden organisierten Massen der Kirche und des Heeres. In beiden Fällen geht er von einer libidinösen Bindung der Massenmitglieder an ihren Führer aus. Die Ich-Ideale werden dabei durch den Führer als kollektives Ich-Ideal ersetzt.
Kindheit
Die Intentionalität ist die Urströmung der Seele
Die Ideen der Neurosenlehre von Harald Schultz-Hencke sind nach seinen eigenen Worten eine Mischung der Ideen von Sigmund Freud, Alfred Adler und C.G. Jung. Dennoch hatte seine Form der Psychoanalyse durchaus etwas Originelles, da er in seine Lehre nicht nur die Tiefenpsychologie, sondern auch die Biologie, die Philosophie und die Humanwissenschaften hineingearbeitet hatte. Vor allem kritisierte Harald Schultz-Hancke den psychoanalytischen Triebbegriff und das Konstrukt der Libido. Triebe waren seiner Meinung nach erschlossene seelische Instanzen, die nicht direkt beobachtet werden können. Er vertrat das Konzept, dass Seelenleben durch eine Vielzahl von autochthonen Antriebserlebnissen oder Bedürfnissen bewegt werden.
Gelotophobie entsteht aus einem Schamgefühl heraus
Es gibt Menschen, für die jedes noch so harmlose Lachen zur Qual wird. Man bezeichnet sie als Gelotophobiker. Sie werden regelmäßig von einer panschliches Lachen einmal mit dem Gegacker von Hühnern, es war ihm unangenehm. In den Ohren eines anderen klingt es wie ein Maschinengewehr.“
Anna Freuds kritische Psychoanalyse für Pädagogen
Anna Freud ist ein entschiedener Gegner des Vererbungswahns, der alle Eigenschaften des Kindes auf biologische Dispositionen zurückführen will. Die Gesellschaft erntet dann in der Psychopathologie und im späteren Leben der Kinder als Erwachsene, was die Eltern in der Kinderstube gesät haben. Die Kindheit ist laut Anna Freud entscheidend für das spätere Leben des Menschen, wobei die Erziehung unmittelbar nach der Geburt beginnt.
Der Mensch kann seine Möglichkeiten voll ausschöpfen
Thomas A. Harris vertritt die These, dass sich der Mensch erst seiner tief verwurzelten Reaktionen und Verhaltensmuster bewusst sein muss, wenn er ein wirklich freies Leben führen will. Thomas A. Harris kennt viele Beispiele von Unterhaltungen, in denen sichtbar wird, wie sehr Menschen ihren Kindermustern oder Elternmodell verhaftet sind und wie schwer es ist, beispielsweise Rassismus und andere Vorurteile zu überwinden, solange sich der Mensch der Muster nicht bewusst ist, die seinem Verhalten zugrunde liegen. Thomas A. Harris beobachtete, dass Kinder aufgrund ihrer unterlegenen Machtposition in einer Erwachsenenwelt das Credo lernen: „Ich bin nicht o.k., aber du bist o.k., weil du ein Erwachsener bist.“
Das schwache und empfindliche Geschlecht der Knaben
Jungen sind aggressiver als Mädchen, aber auch ängstlicher als sie. Darüber sind sich Ärzte, Psychologen und Biologen einig. In Förderschulen sind die Jungen in der Überzahl, in den Abiturklassen dagegen dominieren die Mädchen. Selbst biologisch sind die jungen Herren der Schöpfung empfindlicher, ihrer Säuglingssterblichkeit ist höher als bei Mädchen. Außerdem sind die Jungs in ihrer frühkindlichen Zeit stärker auf emotionale Nähe angewiesen als ihr weiblicher Widerpart. Frank Dammasch, in Frankfurt Professor für psychosoziale Störungen von Kindern und Jugendlichen erklärt, dass Kinder ihre frühen Ängste durch aggressives Verhalten abwehren und so ihre Ängste bekämpfen.
Die Intimität in der Ehe formt das sexuelle Verlangen
Ein Aspekt der ehelichen Beziehungen, der ebenso gründlich missverstanden wird wie das sexuelle Verlangen, ist für den amerikanischen Psychologen und Sexualtherapeuten David Schnarch derjenige der Intimität. Die emotionale Intimität spielt seiner Meinung nach bei der Stabilisierung von Liebesbeziehungen eine sehr entscheidende Rolle. David Schnarch schreibt: „Intimität ist ebenso komplex wie sexuelles Verlangen und ein weiteres Antriebsrad der ehelichen „Entwicklungsförderungsmaschine“. Intimität und sexuelles Verlangen bringen Sie dazu, ein stabileres und gleichzeitig flexibleres Selbst zu entwickeln.“ Wichtig ist es dabei zwischen der fremdbestätigten und der selbstständigen Intimität zu unterscheiden, die keine rein theoretischen Konstrukte darstellen, sondern zwei völlig verschiedene Arten der Intimität darstellen.
Eine gesunde Seele braucht die offene Kommunikation
Die Grundlage einer Interaktion ist das Verstehen zwischen Ich und Du, das allerdings immer lückenhaft ist. Jeder Mensch kann laut Ronald David Laing nur vermuten, was der andere denkt und meint. Hier tut sich seiner Meinung nach ein Tor zu allen möglichen seelischen Vergewaltigungen auf, wenn eine Person A soviel Macht besitzt, um einer Person B zuschreiben, was diese bewusst oder unbewusst befindet. Ronald David Laing definiert das Unbewusste als jenen Seelenanteil, den der Mensch weder sich selbst noch anderen mitteilt. Es ist kein Sack mit perversen Trieben, sondern ein Teil der Persönlichkeit, der nicht kommunizierbar ist.
Das langsame Sterben der Sängerin Amy Winehouse
Amy Winehouse litt an Drogen- und Alkoholsucht und wurde zudem von Depressionen gequält. Typisch für Borderline-Erkrankte ist laut Borwin Bandelow auch ein Gefühl der Leere und des Unwohlseins. Er erklärt: „Die Patienten versuchen mit einem Verhalten dagegen anzugehen, das wir „Sensation-seeking Behaviour“ nennen: Man macht riskante Dinge, fährt zum Beispiel sehr schnell Auto oder Motorrad.“ Die Betroffen wollen damit ihre innere Leere bekämpfen. Borderline-Patienten konsumieren häufig alle Drogen durcheinander, einschließlich Alkohol und Nikotin.
Die Psychotherapiemethode des Harry Stack Sullivan
Harry Stack Sullivan hat in der Theorie und Praxis der Psychotherapie wertvolle Neuerungen eingeführt, die weit über das orthodoxe psychoanalytische Verfahren hinausreichen. So lehnte er es beispielsweise ab, mit seinen Patienten in endlosen Sitzungen Träume zu deuten, Erlebisse aus der Kindheit zu rekonstruieren und „Sexualromane zu dichten“. Sein therapeutisches Hauptanliegen war, zusammen mit dem Patienten dessen Verhaltensmuster zu erforschen, die ihm im Umgang mit sich selbst und mit seinen Beziehungspersonen besondere Schwierigkeiten bereiten. Dabei wollte er nicht die Rolle des kühlen und unbeteiligten Beobachters spielen. Er vertrat die Meinung, dass die wichtigsten Daten für die Einschätzung eines anderen Menschen nur durch teilhabende Beobachtung gewonnen werden können.