Die Mutter ist in den ersten drei Jahren für ein Kind unentbehrlich

Die Phase der Anpassung der Menschen ist von der Geburt bis in sein drittes oder viertes Lebensjahr durch eine ungewöhnliche Ohnmacht und infantile Abhängigkeit charakterisiert. Die Phase der sehr frühen Kindheit bringt für das Kind, für die Eltern und Geschwister eine Zeit stürmischer Belastungen der Gefühle mit sich. Denn die Kindheit ist nämlich alles andere als eine Idylle. Alexander Mitscherlich betrachtet das Aufwachsen eines Kindes , unter anderem eine Vielzahl von Verzichten, zu bewältigen. Vor allem junge Mütter sind davon betroffen. Denn sie sind genötigt, die Rolle der Mutter und die Rolle der Berufstätigen miteinander zu vereinen.

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Eine Kindheit ohne Liebe schädigt Körper und Seele

Wenn Kinder die Liebe der Eltern, aus welchen Gründen auch immer, entbehren müssen, kann dies zu traumatischen Erfahrungen führen, da es die Gewissheit der Geborgenheit in der Welt aufs Tiefste erschüttert. Die Beziehung des Selbst zur eigenen Person, zu anderen und zur Welt steht von Grund auf in Frage. Wilhelm Schmid erläutert: „Die fehlende Liebe zum Kind kann zur Folge haben, dass es psychisch und somatisch daran erkrankt. Die fehlende körperliche Nähe und der mangelnde Austausch von Gefühlen und Gedanken beengen die Seele mit Ängsten und beinträchtigen den Körper schwer.“ Der britische Kinderarzt John Bowlby vertritt die These, dass frühe Erfahrungen von Einsamkeit oder Verlust eine lebenslange Empfindlichkeit der neurobiologischen Systeme eines Menschen zur Folge haben kann. Wilhelm Schmid lebt als freier Autor in Berlin und lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt.

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Männer und Frauen erleben die Welt unterschiedlich

Louann Brizendine analysierte während ihres Medizinstudiums Studien, aus denen hervorging, dass das weibliche Gehirn in sehr starkem Ausmaß von den Hormonen beeinflusst wird. Die Hormone steuerten das Verhalten der Frauen ebenso sehr, wie sie ihre Wirklichkeit prägten. Louann Brizendine  stellt darin die relative Stabilität der männlichen hormonellen Hirnzustände den weiblichen gegenüber, die von einem oft chaotischen Chemie-Cocktail bestimmt sind. Bei den Frauen verändern sich die hormonellen Zustände des Gehirns bei den Übergängen von der Kindheit zur Adoleszenz, von dort ins frühe Erwachsenenalter, dann in die Mutterschaft und schließlich zur Menopause ganz erheblich.

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Reinhard Haller spürt die Ursachen des Narzissmus auf

Derart vielfältige, komplexe und unterschiedliche Störungsbilder wie der Narzissmus lassen sich laut Reinhard Haller weder auf einzelne Ursachen zurückführen noch einfach erklären. Selbst heute können lediglich entwicklungspsychologische Risikofaktoren beschrieben und belastende Lebensumstände identifiziert werden, bei deren Vorhandensein die Gefahr narzisstischer Störungen mehr oder minder erhöht ist. Wichtige Hypothesen zur Entstehung des Narzissmus wurden besonders von der Psychoanalyse geliefert. Im Wesentlichen kristallisierten sich bei der Erforschung des Narzissmus zwei Modelle heraus, die sich jeweils auf ein falsches Maß an emotionaler Zuwendung in der Kindheit beziehen. Reinhard Haller erläutert: „Entweder sind die Kinder mit den drei genannten „Z“ – Zuwendung, Zärtlichkeit und Zeit – in einem verwöhnenden Maß überversorgt worden oder die „psychische Muttermilch“ wurde ihnen auf traumatisierende Weise vorenthalten.“ Der Arzt, Psychotherapeut und Bestsellerautor Reinhard Haller arbeitet als Chefarzt in einer psychiatrisch-psychotherapeutischen Klinik mit dem Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankungen.

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Menschen verarbeiten Krankheiten auf unterschiedlichste Weise

Als erste Verarbeitungsform von Krankheiten nennt Erwin Ringel, ein österreichischer Arzt und Vertreter der Individualpsychologie,  die Regression. Er weist darauf hin, dass fast bei jedem Menschen die erste Reaktion auf eine Krankheit darin besteht, dass der Kranke in gewissem Sinne wieder zum kleinen Kind wird und sich verwöhnen lassen will. Viele Krankheiten sind nichts anderes als der Versuch, einer unerträglichen Konfliktsituation auszuweichen. Nach Erwin Ringel zerbrechen auch viele Menschen an ihrer Krankheit.  Viele alten Menschen sterben laut Erwin Ringel, zum Beispiel wenn sie von ihren Angehörigen in ein Altenheim abgeschoben werden, ohne dass man sagen könnte, woran sie gestorben sind. Vielleicht an gebrochenem Herzen. Sie verlieren jede Hoffnung, sie haben keine Zukunft.

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Nur durch Erfahrungen entwickelt der Mensch die Selbstkontrolle

Mit dem menschlichen Willen verhält es sich nicht anders als mit dem Laufen oder dem Sprechen. Auch für die Entfaltung der Fähigkeit der Selbstkontrolle bedarf es laut Manfred Spitzer entsprechender vielfältiger Erfahrungen. Um die Frage zu beantworten, was das für Erfahrungen sind, die den Willen trainieren, hilft ein Blick in die Menschheitsgeschichte, genauer gesagt, ein Blick in den Alltag der Menschen, als sie noch unter den Bedingungen der Steinzeit lebten. Manfred Spitzer schreibt: „Um als Jäger und Sammler zu überleben, musste man permanent kontrolliert und planvoll vorgehen.“ Wer sich bei der Suche nach Nahrungsmitteln leicht von den vielfältigen und interessanten Dingen in der Natur ablenken ließ, verhungerte im schlimmsten Fall. Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer leitet die Psychiatrische Universitätsklinik in Ulm und das Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen „Lernen“ und „Vorsicht Bildschirm!“.

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Die Bindung zwischen Mutter und Kind prägt nachhaltig

Familiäre und gesellschaftliche Bindungen sowie generell das Zusammenleben sind seit Urzeiten wichtige Teile des Überlebens der Menschen. Dennoch sollten laut Sonia Laszlo Erfahrungen der Kindheit nicht als Entschuldigung dafür verwendet werden, wenn ein Mensch als Erwachsener unglücklich ist. Dennoch beeinflussen natürlich auch äußere Einflüsse und nicht nur der Mensch selbst sein Glück. Man sollte möglichst viel darüber lernen, wie individuelles Glück aussehen kann, um sich von der Tyrannei des Glücks zu befreien. Die Kommunikationswissenschaftlerin und Schauspielerin Sonia Laszlo befasst sich mit dem „Glücklichsein“ und Film in Europa sowie in den USA. Die Journalistin ist in Medien und am Institut für Europäische Glücksforschung tätig, Gastvortragende an Universitäten und schreibt an ihrer Dissertation.

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Im Konsumismus werden Depressionen zur Volkskrankheit

Wenn ein Mensch einen sicheren Ort verliert, brechen bei ihm heftige Emotionen aus. Es mischen sich dabei Trauer und Angst, woraus oftmals auch das Bedürfnis entsteht, innezuhalten und abzuwarten. In manchen Fällen verleugnen die Betroffenen sogar den Verlust und geben sich der trügerischen Hoffnung hin, dieser werde wie durch magische Kräfte wieder aufgehoben und alles würde wieder so sein wie zuvor. Die Trauerreaktion ist laut Wolfgang Schmidbauer biologisch sinnvoll. Die Menschen werden motiviert, sich anzustrengen, Heimaten zu erhalten, wichtige Menschen an sich zu binden, nicht leichtfertig aufzugeben, was ihnen Geborgenheit vermittelt. Wolfgang Schmidbauer schreibt: „Trauer benötigt Zeit und Raum, um die Veränderungen zu klären, welche durch den Verlust entstehen: Sie bringen ja nicht nur Mangel, sondern auch Gewinn.“ Wolfgang Schmidbauer arbeitet neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch als Lehranalytiker und Paartherapeut in München.

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Bei der Fremdbetreung von Kindern sollte Qualität die Norm sein

Die Debatte über die frühe Fremdbetreuung von Kindern polarisiert in Deutschland laut Jörg M. Fegert wie in kaum einem andern Land. Er macht darauf aufmerksam, dass man in der englischsprachigen Debatte von „early child care“ spricht. Der Begriff „care“ schließt jenes führsorgliche Beziehungselement ein, das für gelingende Betreuung und für eine gute Entwicklung eines Kindes eine grundlegende Voraussetzung ist. Jörg M. Fegert fügt hinzu: „Unstrittig ist in diesem Zusammenhang, dass die Entwicklungschancen und –risiken eines Säuglings oder Kleinkinds von der Qualität früher Bindungen bestimmt werden, allem voran von der Feinfühligkeit der zentralen Bezugsperson (caregiver).“ Professor Dr. Jörg M. Fegert ist Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie  und Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm sowie Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie.

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Gesunder Optimismus kann vor Depressionen schützen

Wenn Niederlagen, die das Leben nun einmal mit sich bringt, pessimistisch gedeutet werden, verstärken sie sowohl bei Erwachsenen wie auch bei Kindern das Gefühl der Hilflosigkeit und Hoffnungslosigkeit, das einer Depression zugrunde liegt. Seit langem wissen die Forscher, dass Menschen, die bereits depressiv sind, so denken. Diese Erkenntnis führt zu dem Schluss, dass es ein Fenster der Gelegenheit gibt, sie gegen die Depression zu impfen, bevor diese zuschlägt und das Leben der Betroffenen verdunkelt.

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