Niemand gibt Entfremdung in der Familie zu

Entfremdung in Familien ist ein Tabu. Niemand gibt gern zu, sein Kind nicht zu verstehen und nicht mit ihm klarkommt – und das Kind nicht mit ihm. „Das rührt an unsere Angst vor Isolation und Ablehnung“, sagt Psychiater Oliver Dierssen. Viele Menschen reden immer von einer bedingungslosen Liebe zwischen Eltern und Kindern. Entspricht das der Beobachtung von Oliver Dierssen? „Alle Menschen haben das Bedürfnis nach bedingungsloser Liebe, auch die meisten Familien, die bei uns Rat suchen. Das sind Eltern, die oft mit sehr großer Verzweiflung um die Beziehung zu ihren Kindern kämpfen“, betont Oliver Dierssen. Diese Beziehungen sind belastet, mit immer wiederkehrenden Konflikten und Entfremdung – das Gegenteil von bedingungsloser Liebe. Der Kinder- und Jugendpsychiater Oliver Dierssen betreibt eine Praxis in Gehrden, einer Kleinstadt bei Hannover.

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Der Wettbewerb beginnt im Kindergarten

Es sind nur teilweise die Eltern, die extrem hohe Anforderungen an ihren Nachwuchs stellen. In ihrem neuen Buch „Angepasst, strebsam, unglücklich – die Folgen der Hochleistungsgesellschaft für unsere Kinder“ kritisiert die Erziehungswissenschaftlerin Margrit Stamm das Bildungssystem. Ihrer Meinung nach wird heutzutage zu viel von den Kindern verlangt: „Die Akademisierung des Bildungssystems führt dazu, dass zunehmend höhere Abschlüsse vorausgesetzt werden. Eltern spürten das und verlangen ihren Kindern deshalb mehr ab.“ Die Kleinen merken wiederum, wenn die Eltern nicht zufrieden mit ihnen sind. Dafür sprechen auch die Zahlen: Viele Kinder haben psychische Probleme und leiden unter dem Leistungsdruck. Das beginnt schon früh, selbst im Kindergarten. Bereits in der Frühförderung herrscht ein Wettbewerb unter Eltern, welches Kind am besten ist. Margrit Stamm ist Professorin für pädagogische Psychologie und Erziehungswissenschaften an der Universität Freiburg (Schweiz).

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Eltern können nicht perfekt sein

Eltern können, auch wenn sie ihr Kind über alles lieben, nicht perfekt sein. Joachim Bauer erklärt: „Alle Eltern kommen, ebenso wie andere Betreuende, irgendwann an ihre Grenzen, müssen dem Kind auch selbst Grenzen setzen und machen gelegentlich „Fehler“. Nicht nur Eltern können nicht perfekt sein, auch die Welt, in die unsere Kinder hineingeboren werden, ist eine mit vielen Mängeln, die sich immer noch auf die Situation von Kindern auswirken und ihnen zahlreiche Frustrationen oder Verletzungen zumuten.“ Einem Kind wohlüberlegt – nicht aus Lust an der eigenen Macht – Grenzen zu setzen, ist kein Trauma, auch wenn dies beim Kind zu Ärger, zu einer Rebellion oder zum Weinen führen sollte. Wichtig ist, dem Kind das eigene Vorgehen zu erklären. Prof. Dr. Med. Joachim Bauer ist Neurowissenschaftler, Psychotherapeut und Arzt.

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Der Hype um das eigene Kind ist gewaltig

Ein gebetsmühlenartiger Satz werdender Großeltern lautet: „Eine Geburt ist das Natürlichste der Welt.“ Viele werdende Mütter verlieren in ihrer Orientierungslosigkeit jedoch das Vertrauen in ihre Eltern und orientieren sich noch stärker an dem, was sie im Internet recherchieren. Manche Eltern entscheiden sich schließlich für eine private Klinik, in der das Kind das Licht der Welt erblicken soll. Rüdiger Maas erklärt: „Es muss einfach alles perfekt sein, schließlich soll die Geburt das schönste Ereignis in ihrem Leben werden. Schöner als der erste Kuss, die Abiturfeier oder der 1000. Follower auf Instagram.“ Die Atmosphäre und die Ausstattung der privaten Klinik sind einfach freundlicher. In seiner Studie berichte Rüdiger Maas einige Paare, dass sie die Geburtsstätte danach auswählen, ob sie Instagram tauglich ist. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.

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Die digitale Welt reicht bis ins Kinderzimmer

Die digitale Welt reicht bei einem großen Teil des Nachwuchses längst bis ins Kinderzimmer hinein: Tablet, Kinder-Social-Media-Kanäle. Rüdiger Maas stellt fest: „Für heutige Kleinkinder scheint vieles möglich, wovon früher Generationen geträumt haben. Als Eltern beschleich uns immer wieder das schlechte Gewissen: Was bedeutet die technische Welt für unsere Kinder wirklich?“ Eltern wollen ihre Kinder in der Regel so gut wie möglich erziehen. Das ist kein digitales Phänomen, nur ein menschliches. Anders ist jedoch der Wohlstand: Die Kinder wachsen in Deutschland in einem noh nie da gewesenen Reichtum auf. Es gab bis heute keine vergleichbare Generation, die durchschnittlich über ein solches Maß an Gütern und Möglichkeiten verfügte. Grund zur Freude? Leider nein. Rüdiger Maas studierte in Deutschland und Japan Psychologie. Er ist Gründer und Leiter eines Instituts für Generationenforschung.

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Eltern müssen den Kindern die Welt zeigen

Im öffentlichen Schulsystem wird in der Regel sehr nachlässig mit den Talenten der Kinder umgegangen. Deshalb versuchen viele Eltern, selbst Verantwortung zu übernehmen. Andreas Salcher betont: „Das kann durchaus etwas Positives und sogar Notwendiges sein.“ Nun, hoffentlich mit der nötigen Vorsicht gegenüber zu viel Ehrgeiz der Frühförderung den eigenen Kindern gegenüber gewappnet, möchte Andreas Salcher auch die Gegenposition von Alice Mille darstellen. „Um uns in der Welt schrittweise einzuquartieren, sind wir darauf angewiesen, dass man sie uns zeigt,“ schreibt Donata Elschenbroich in ihrem Bestseller „Weltwissen der Siebenjährigen“. Die Autorin stellt die Frage: Was sollen Eltern ihren Kindern in den ersten Lebensjahren vermitteln, womit sollen sie in Berührung kommen? Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Lernen ist sowohl aktiv als auch assoziativ

Im Prinzip zeigt die Hirnforschung, dass ein Kind Neues umso schneller lernt, je mehr es schon weiß. Die Neurowissenschaften weisen nach, dass Lernen ein aktiver und assoziativer Vorgang ist. Andreas Salcher weiß: „Folglich lassen sich Informationen eben nicht beliebig in unsere Kopf hineinstopfen, wie manche Eltern und Lehrer glauben.“ Das Gehirn selektiert aus der Flut von Reizen jene heraus, die ihm bedeutsam erscheinen. Und das sind vor allem Fakten, Klänge und Bilder, die mit früheren Erfahrungen zusammenhängen. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben einen Trend zur frühkindlichen Förderung ausgelöst, dessen Angebote leider oft auf der vorschnellen Nutzung von populärwissenschaftlichen Ratgebern basieren. Deshalb stressen sich wohlhabende Eltern überall auf der Welt mit einer großen Herausforderung: ihr Kind im idealen Kindergarten unterzubringen. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Eltern sollten „Kindheit wagen!“

Die Aufforderung „Kindheit wagen!“ ist für Herbert Renz-Polster eine Aufforderung zu mehr Ehrlichkeit und Selbstkritik. Nein, niemand muss sich dafür entschuldigen, dass er seine Kinder in die Krippen, Kitas und Schulen schickt, die nun einmal im Angebot sind. Denn viele Menschen wären ohne diese Einrichtungen ja komplett aufgeschmissen. Nur, dann muss die Gesellschaft alles daransetzen, damit es dort so gut es geht um die Bedürfnisse der Kinder geht und nicht um die Hoffnungen und Ausflüchte der Erwachsenen. Herbert Renz-Polster stellt fest: „Das gilt auch für die Kindergärten: Sie schießen in immer moderneren, immer größeren Einheiten am Stadtrand aus dem Boden. Oft genug sind das in Beton gegossene Zeugnisse, dass wir auf die Mitsprache der Kinder im Grunde pfeifen.“ Der Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster hat die deutsche Erziehungsdebatte in den letzten Jahren wie kaum ein anderer geprägt.

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Kinder dürfen die Neugierde nicht verlieren

In einer reizüberfluteten Welt ist es enorm wichtig, die eigene Neugier nicht zu verlieren. Wer überall Antworten bekommt, hat irgendwann keine Fragen mehr. Richard David Precht betont: „Keine zweite Herausforderung dürfte unsere Schulen und Universitäten so sehr zum Umdenken zwingen, wie die intrinsische Motivation unserer Kinder zu bewahren und zu pflegen.“ Denn bislang beruht das Bildungssystem auf dem Gegenteil – der extrinsischen Motivation. Die Kinder lernen in der Schule, was immer man auch anderes erzählen mag, für Noten. Solange dies der Vorbereitung auf das Berufsleben diente, hatten die Kritiker dieses Systems einen schweren Stand. In der klassischen Arbeitswelt arbeitet man schließlich ebenso für eine extrinsische Belohnung – für Geld. Der Philosoph, Publizist und Bestsellerautor Richard David Precht zählt zu den profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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Talente brauchen eine individuelle Förderung

Unzweifelhaft hat eine Gesellschaft sehr wohl Einfluss darauf, welchen Stellenwert bestimmte Talente haben und wie man besonders günstige Bedingungen für sie schafft. Österreich und Deutschland sind daher gut beraten, die individuelle Förderung von Talenten auf möglichst vielen, heute vielleicht auch gar nicht erkannten Gebieten zur nationalen Priorität zu machen. Andreas Salcher rät: „Es sollte uns zu denken geben, welchen Stellenwert Singapur seinen Lehrern zukommen lässt und welche Ergebnisse dieser erst 1965 gegründete Staat damit schon erzielt hat.“ Singapur, das keinerlei natürliche Rohstoffe oder Anbauflächen besitzt, hat erkannt, was der wichtigste Rohstoff einer Nation ist: das geistige Potenzial ihrer Kinder. Natürlich spielen dabei auch volkswirtschaftliche Überlegungen mit dem Ziel, sich nationale Vorteile zu verschaffen, eine gewichtige Rolle. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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