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Eltern sollten „Kindheit wagen!“

Die Aufforderung „Kindheit wagen!“ ist für Herbert Renz-Polster eine Aufforderung zu mehr Ehrlichkeit und Selbstkritik. Nein, niemand muss sich dafür entschuldigen, dass er seine Kinder in die Krippen, Kitas und Schulen schickt, die nun einmal im Angebot sind. Denn viele Menschen wären ohne diese Einrichtungen ja komplett aufgeschmissen. Nur, dann muss die Gesellschaft alles daransetzen, damit es dort so gut es geht um die Bedürfnisse der Kinder geht und nicht um die Hoffnungen und Ausflüchte der Erwachsenen. Herbert Renz-Polster stellt fest: „Das gilt auch für die Kindergärten: Sie schießen in immer moderneren, immer größeren Einheiten am Stadtrand aus dem Boden. Oft genug sind das in Beton gegossene Zeugnisse, dass wir auf die Mitsprache der Kinder im Grunde pfeifen.“ Der Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster hat die deutsche Erziehungsdebatte in den letzten Jahren wie kaum ein anderer geprägt.

Kinderbetreuung führt oft zu Überlastung im Beruf

Drinnen im Kindergarten ist die Ressourcenbasis zum Zerreißen gespannt. Nirgendwo als im Bereich der Kinderbetreuung müssen so viele Menschen ihren Beruf wegen Überlastung aufgeben. Oder schlicht deshalb, weil sie damit finanziell nicht über die Runden kommen. In Krankenhäusern müssen ganze Stationen geschlossen werden, weil Personal fehlt – wo es um die Gesundheit geht, will sich niemand etwas vorwerfen lassen. Aber wenn bei der Kinderbetreuung das Personal fehlt, läuft alles trotzdem weiter.

Und das im Angesicht einer Vielzahl von Herausforderungen, deren pädagogische Reichweite erst allmählich klar wird. Von der Inklusion behinderter Kinder über die Integration von Flüchtlingskindern bis zur Begleitung verhaltensauffälliger Kinder. Wenn Deutschland nicht so unendlich reich wäre, könnte man es bei einem resignierten Achselzucken belassen. Aber in diesem Land bekamen etwa 100 Kinder in den letzten Jahren Erbschaften im Wert von dreißig Milliarden Euro geschenkt – und zwar steuerfrei.

Kinder wollen in Neuland vorstoßen

Herbert Renz-Polster weiß: „Wir als Gesellschaft haben einen materiellen Lebensstandard erreicht, vor dem die Generationen vor uns nicht einmal träumen konnten. Wir leben in einem Überfluss, der bis zu den Sternen reicht. Und trotzdem schaffen wir es nicht, die Fürsorge für diejenigen zu leisten, die nun einmal schwach und abhängig sind.“ Warum ist es so schwierig, das ernst zu nehmen, was im Grundgesetz geschrieben steht – Eigentum verpflichtet?

Kann man von seinen Kindern lernen, mutiger zu sein? Denn die Kinder sind für den Ausbruch bereit. Sie sind bereit für die Gestaltung einer neuen, eigenwilligen und neusinnigen Zukunft. Denn genau das ist ja der magische Kern ihrer Entwicklung: dass sie sich darauf vorbereiten, in Neuland vorzustoßen. Dorthin, wo noch nie jemand gewesen ist – nicht ihre Lehrer, nicht andere Menschen, nicht ihre Eltern. Denn es läuft gut in ihrer Kindheit, wenn sie starke, verlässliche und gütige Begleitung haben. Dann werden sie für das Abenteuer Leben gut gerüstet. Quelle: „Erziehung prägt Gesinnung“ von Herbert Renz-Polster

Von Hans Klumbies

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