Digitale Kontakte führen zur Erschöpfung

Mattias Desmet sieht einen direkten Zusammenhang zwischen Digitalisierung und dem Phänomen Depression. Depression ist in der klassischen psychotherapeutischen Theorie mit der frustrierenden Erfahrung der Hilflosigkeit verbunden, ausgelöst durch Passivität oder Abwesenheit eines geliebten Anderen – in erster Linie meist ein Elternteil. Das zahlt man diesem Anderen – und dem Anderen im Allgemeinen – sozusagen mit gleicher Münze heim: Man wird selbst passiv – das heißt, man fühlt sich depressiv. Digitale Kontakte führen zu einer ähnlichen Dynamik: Man fühlt sich hilflos gegenüber einem als unerreichbar und abwesend erfahrenen Anderen und reagiert mit Frustration und Passivität – das heißt, man fühlt sich erschöpft. Digitalisierung entmenschlicht ein Gespräch. Das geschieht meist verborgen und schleichend, manchmal zeichnet es sich aber auch haarscharf ab. Mattias Desmet ist Professor für Klinische Psychologie an der Abteilung für Psychoanalyse und klinische Beratung der Universität Gent.

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Die Akademikerquote ist gestiegen

Die Zeit, die Kinder und Jugendliche heute in Bildungseinrichtungen verbringen, ist deutlich länger geworden, und auch die Anzahl an Bildungsabschlüssen ist in den letzten Jahrzehnten drastisch nach oben gegangen. Jakob Pietschnig nennt ein Beispiel: „In Deutschland ist die Akademikerquote von sieben Prozent im Jahr 1975 auf fast 18 Prozent im Jahr 2004 gestiegen.“ Diverse Reformen haben in den letzten Jahrzehnten zu Verbesserungen im Bildungssystem geführt. So erlaubt beispielsweise das Belegen von Wahlpflichtfächern im Rahmen des Unterrichts eine individuelle Schwerpunktsetzung, die jeweils dem Interesse des Schülers entspricht. Und dadurch steigt natürlich die Lernmotivation. Wie verhält es sich, in Bezug auf die Intelligenz, mit den modernen Technologien, die für viele Menschen scheinbar unverzichtbar geworden sind? Jakob Pietschnig lehrt Differentielle Psychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Wien.

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Die Digitalisierung erobert die Schule

Die Idee, Smartphones an Schulen zu verbieten, hat in etwa die gleiche Erfolgswahrscheinlichkeit, wie ausgedrückte Zahnpasta wieder in die Tube zurückzubekommen. Andreas Salcher kennt einen Grund: „Vor allem wenn Kinder erleben, wie ihre Eltern und Lehrer selbst in jeder freien Minute auf ihr Handy schauen.“ Die Digitalisierung wird auch vor den Schulen nicht Halt machen. Die Art, wie, wann und wo Schüler lernen, wird sich radikal verändern. Wer heute in einem kleinen Dorf in Asien oder Afrika über ein Smartphone verfügt, könnte mehrere Leben damit verbringen, kostenlose Online-Kurse an den besten Universitäten zu absolvieren. Oder man kann auch an Wikipedia denken, das Sterbehilfe für den guten alten Brockhaus gleistet hat, der in der Realität schon jahrzehntelang in den Bibliotheken verstaubte. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.

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Kinder dürfen die Neugierde nicht verlieren

In einer reizüberfluteten Welt ist es enorm wichtig, die eigene Neugier nicht zu verlieren. Wer überall Antworten bekommt, hat irgendwann keine Fragen mehr. Richard David Precht betont: „Keine zweite Herausforderung dürfte unsere Schulen und Universitäten so sehr zum Umdenken zwingen, wie die intrinsische Motivation unserer Kinder zu bewahren und zu pflegen.“ Denn bislang beruht das Bildungssystem auf dem Gegenteil – der extrinsischen Motivation. Die Kinder lernen in der Schule, was immer man auch anderes erzählen mag, für Noten. Solange dies der Vorbereitung auf das Berufsleben diente, hatten die Kritiker dieses Systems einen schweren Stand. In der klassischen Arbeitswelt arbeitet man schließlich ebenso für eine extrinsische Belohnung – für Geld. Der Philosoph, Publizist und Bestsellerautor Richard David Precht zählt zu den profiliertesten Intellektuellen im deutschsprachigen Raum.

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