Sarah Koldehoff und Martin Spiewak fragen: „Macht das Smartphone dümmer, Herr Montag?“ Der Psychologe Christian Montag antwortet: „Dass Smartphones etwas in unserem Denkapparat verändern, steht für mich außer Frage. Interessant ist, welcher Teil des Denkens genau verändert wird und wie stark.“ Wie die meisten Menschen trainiert auch Christian Montag kaum noch, räumlich zu navigieren oder sich Wege zu merken. Das dürfte sich in seinem Gehirn niederschlagen. Man kann sich das Gehirn wie einen Muskel vorstellen, der sich je nach Gebrauch verändert. Und manche Forschende betrachten das Smartphone als eine Art ausgelagertes Gehirn, das bestimmte Denkvorgänge für die User übernimmt. Sarah Koldehoff und Martin Spiewak fragen: „Ist das gut oder schlecht?“ Christian Montag antwortet: „Weder – noch! Unser Denken passt sich den Möglichkeiten an, wir nutzen unsere kognitiven Funktionen anders. Das heißt nicht, dass wir generell dümmer werden.“
Smartphone
Die Digitalisierung erobert die Schule
Die Idee, Smartphones an Schulen zu verbieten, hat in etwa die gleiche Erfolgswahrscheinlichkeit, wie ausgedrückte Zahnpasta wieder in die Tube zurückzubekommen. Andreas Salcher kennt einen Grund: „Vor allem wenn Kinder erleben, wie ihre Eltern und Lehrer selbst in jeder freien Minute auf ihr Handy schauen.“ Die Digitalisierung wird auch vor den Schulen nicht Halt machen. Die Art, wie, wann und wo Schüler lernen, wird sich radikal verändern. Wer heute in einem kleinen Dorf in Asien oder Afrika über ein Smartphone verfügt, könnte mehrere Leben damit verbringen, kostenlose Online-Kurse an den besten Universitäten zu absolvieren. Oder man kann auch an Wikipedia denken, das Sterbehilfe für den guten alten Brockhaus gleistet hat, der in der Realität schon jahrzehntelang in den Bibliotheken verstaubte. Dr. Andreas Salcher ist Unternehmensberater, Bestseller-Autor und kritischer Vordenker in Bildungsthemen.
Nur der Mensch reflektiert über das Ich
Die Psychologie bezeichnet mit dem Begriff Persönlichkeit die Gesamtheit der Eigenschaften eines individuellen Menschen. Dazu gehört sein Ordnungssystem, das aus Denkmustern, Wissen und Können aufgebaut ist. Holger Volland ergänzt: „Bei uns Menschen entwickelt sich die Persönlichkeit im Laufe eines Lebens durch Wahrnehmung, Fehler machen, Neues lernen, Fähigkeiten entwickeln et cetera stetig weiter – sie wird von unserem Leben geformt.“ Antonio Damasio, ein Neurowissenschaftler, definiert Bewusstsein als „Geisteszustand, in dem man Kenntnis von der eigenen Existenz und der Existenz der Umwelt hat“. Das Bewusstsein für das persönliche Ich entsteht demnach durch den dauernden Abgleich der individuellen Situation mit dem gespeicherten Wissen und einer daraus folgenden Bewertung. Der Informationswissenschaftler Holger Volland lehrte an der Hochschule Wismar Gestaltung und kuratierte große Ausstellungen der Gegenwartskunst in Argentinien und Deutschland.